Do, 23. November 2017

Zukunftsprognose

30.12.2010 13:48

Smartphones lösen laut Report 2014 den Computer ab

Smartphones und die mit ihnen entstandenen App-Ökosysteme könnten, in Verbindung mit neuen Netztechnologien, die bisherige Computer-Hierarchie völlig umkrempeln, orakelt die Consumer Electronics Association (CEA) in einem aktuellen Trendreport. Der US-Industrieverband hält es für möglich, dass Smartphones innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem (fast) vollwertigen PC-Ersatz heranreifen. Auch sonst dürften die kommenden Jahre für Smartphone-Besitzer spannende Neuerungen bereit halten.

Für die frühen Vorläufer der Smartphones gab es kaum Applikationen. Die ersten Modelle, die auf den Markt kamen, hatten E-Mail, Browser und Kalenderprogramme entweder im Betriebssystem eingebaut oder waren vom Provider mit entsprechenden hauseigenen Systemen ausgestattet. Daneben gab es einige Anwendungen auf dem grauen Markt zu kaufen, die aber offiziell nicht vom Handyhersteller unterstützt wurden.

Apple gilt seit der Einführung des App Store für iPhone-Modelle 2007 als Wegbereiter des App-Marktes, einem zentralen Katalog von Anwendungsprogrammen, der mit dem Gerät selbst angesteuert werden kann. Anwender können aus einer Vielzahl von Apps auswählen, das gewünschte Programm kopieren, installieren und bezahlen - alles mit wenigen Klicks.

Inzwischen hat jede Handy-Plattform ihren eigenen App-Markt. Für das in allen Stores sehr breite Angebotsvolumen sorgen vor allem Spielehersteller. Die Marktforschungsfirma Distimo, die sich ausschließlich mit der Analyse von App-Märkten befasst, schätzt den Anteil von Spielen unter den kostenlosen Apps für Apples iPhone auf über 90 Prozent. Und auch unter den zehn meistverkauften bezahlten Programmen sind acht Spiele.

2011: Spiele treiben Entwicklung von 3D-Smartphones voran
Das verblüffende daran ist, dass fast alle dieser Spiele zur Kategorie der sogenannten Casual Games zählen. Auf Mobilgeräten werden diese einfachen, grafisch und inhaltlich simpel gestrickten Spiele häufig mit der gleichen Intensität gespielt wie teure fotorealistische Anwendungen auf Spielkonsolen.

Die CEA fand heraus, dass über 80 Prozent aller Smartphone-Besitzer ihr Handy mindestens 15 Minuten pro Woche zum Spielen nutzen. Mehr als die Hälfte verbringt über eine Stunde wöchentlich mit den Taschenspielereien und zehn Prozent der Verbraucher spielen mindestens 16 Stunden auf dem Telefon. Zwischen qualitativ hochwertigen Spielen und dem gelegentlichen mobilen Zeitvertreib zum Mitnehmen bietet der Markt also eine Menge Chancen. CEA-Analyst Jack Cutts rechnet daher mit einer neuen Generation von Smartphones, deren Display und Grafikverarbeitung auf 3D-Spiele ausgelegt ist.

Solche Spielelandschaften mit komplexer Grafik laufen bislang nur auf Spielkonsolen und Hochleistungs-PCs. Doch vor allem Hardwarehersteller, die sowohl im Spielemarkt als auch bei Mobilgeräten mitmischen, werden ihre Position durch die Portierung erfolgreicher Spiele auf den Smartphone-Sektor besser ausnutzen wollen, bemerkt Cutts.

PlayStation-Hersteller Sony hat bereits eine Smartphone-Version der erfolgreichen PlayStation Portable in Aussicht gestellt. Nintendos 3D-Version der Taschenkonsole DS steht für 2011 in den Startlöchern. Und Cutts rechnet damit, dass auch Microsoft bald nachziehen wird: "Wenn auch nur ein Bruchteil der 40 Millionen Anwender von der Microsoft-Konsole Xbox auf ein Smartphone umsteigt, würde das ihren Marktanteil verdoppeln."

2012: Ohne Draht ins Netz
Mit dem zügigen Ausbau ihrer Mobilfunknetze machen sich Breitbandanbieter für den nächsten großen Sprung bereit, den die CEA auf 2012 terminiert: Anwender sollen völlig auf einen verdrahteten Internet-Hausanschluss verzichten und nur noch mobil ins Netz gehen. Der neue Funkstandard LTE, den die wichtigsten Provider bereits in mehreren Großstädten anbieten, verspricht Übertragungsleistungen von bis zu 20 Megabit pro Sekunde beim Downlink, also in Richtung des Geräts. Die Mehrheit der US-Haushalte erreicht mit einem DSL-Anschluss derzeit kaum vier Megabit pro Sekunde.

Dazu komme, dass LTE besser auf "symmetrischen Datenverkehr" ausgerichtet sei, bemerkt Cutts. Anstatt Daten nur in Richtung des Verbrauchers zu beschleunigen, werden auch die sogenannten Uplink-Daten, die der Nutzer aktiv verschickt, ähnlich schnell befördert. Dazu gehören vor allem VoIP-Gespräche und Videokonferenzen, aber auch Bilder und Videos, die auf Portale und soziale Netzwerke hochgeladen werden.

2013: Elektronische Geldbörsen
Verbesserungen der Zugangstechnologie spielen nach den Erhebungen der CEA für das Nutzerverhalten eine fundamentale Rolle. Die jüngsten Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der US-Haushalte sich mehr Online-Aktivitäten wie Videotelefonate und den Austausch von Fotos und Videos wünscht. 2013 könnte mit der kontaktlosen Bezahlung eine entscheidende Basisfunktion dazukommen.

Zusammen mit Kreditkartenanbietern bauen die Mobilfunkprovider ihre Netze zu einem Zahlungssystem aus, das das Smartphone zu einer allseits akzeptierten elektronischen Geldbörse machen soll. Sowohl Mastercard als auch American Express haben bereits Chips für die kontaktlose Datenübertragung in ihre Karten eingebaut. Visa arbeitet nun in einem Feldversuch mit den Mobilfunkanbietern ATT und Sprint an einem Zahlungssystem mit Near Field Communication (NFC) als Übertragungsstandard. Ein NFC-Chip im Handy - wie er bei Googles Nexus S integriert sein wird - liefert bei diesem Kurzstreckenfunk quasi im Vorbeigehen die Zahlungsinformation an ein Kassensystem.

2014: Ende der PC-Ära
Schließlich wird nur noch für die rechenintensivsten Anwendungen ein herkömmlicher PC nötig sein, so die Prognose der CEA-Analysten. Hardware und Schnittstellen der Mobilgeräte entwickeln sich demnach in einem Tempo weiter, das sie in circa vier Jahren zu einem vollwertigen Ersatz für den Laptop-Computer machen soll. Die leistungsfähigsten Smartphones werden schon bald mit der vom Notebook bekannten Docking-Station ausgeliefert, glaubt Cutts.

Die Preise für Speicher sollen drastisch fallen, das Fassungsvermögen für Daten als limitierender Faktor entfallen. Software-Anbieter sorgen für einen nahtlosen Transport von Daten und Anwendungen zwischen Geräten. Dateiformate und Display-Auflösungen fügen sich automatisch in die Anwendungssituation zwischen Mobilgerät, Desktop-Monitor oder TV-Schirm ein. Zwei Geräte durch einen einzigen portablen Computer zu ersetzen, werde viele Verbraucher überzeugen, orakelt Cutts.

2015: Aus für unterschiedliche Funkstandards
In etwa fünf Jahren wird schlussendlich sogar die herrschende Fragmentierung der Mobilnetze in verschiedene Funkstandards beseitigt sein, glaubt die CEA. Durch die unterschiedlichen Techniken der Provider haben etwa US-Kunden nur eine begrenzte Auswahl an Endgeräten. Was für die meisten europäischen Länder selbstverständlich ist - freie Wechselmöglichkeiten zwischen Netzen und Geräten - wird beispielsweise Kunden in Japan und den USA durch horrende Zusatzkosten erschwert.

Der kommende LTE-Standard sowie die Wimax-Technologie - eine Weiterentwicklung des WLAN - bieten jedoch das Potenzial, alle Provider-Netze im gleichen Funkspektrum zu betreiben und dabei einheitliche Geräte-Identifikationen nach Art der SIM-Karte zu verwenden.

"Letztendlich muss natürlich der Verbraucher solche Innovationen bezahlen", stellt CEA-Mann Cutts klar. Die Kostenvorteile und der entstehende Wettbewerbsdruck durch die Austauschbarkeit von Produkten und Diensten gebe jedoch jedem die Chance, Preisvorteile auszunutzen.

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