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29.04.2018 09:00

Xperia XZ2 Compact: Eine gelungene Handvoll Handy!

In den letzten Jahren sind Smartphones immer größer geworden, manch fast randloser Riese kratzt heute schon an der Sechs-Zoll-Marke. Gut, dank lang gezogenem 18:9-Format liegen diese Riesen bisweilen trotz üppiger Diagonale gut in der Hand. Wer aber nach einem möglichst kompakten Gerät sucht und nicht bereit ist, Abstriche bei der Leistung hinzunehmen, hat nur wenige Optionen. Eine von ihnen: Sonys neues Xperia XZ2 Compact, eine Handvoll Oberklasse im Fünf-Zoll-Format. Wir haben uns Sonys Neuheit genauer angesehen.

Dem Branchentrend folgend gibt es das Xperia XZ2 in zweierlei Varianten: Nebst der kompakten Fünf-Zoll-Version verkaufen die Japaner noch eine größere Variante mit 5,7 Zoll Diagonale. Bis auf kleinere Details - das größere Modell hat den größeren Akku, den mächtigeren Vibrationsmotor und lädt kabellos - gibt es aber kaum Unterschiede zwischen den beiden Geräten. Somit positioniert sich Sony geschickt dort, wo die Platzhirsche eine Nische offengelassen haben.

Was genau Sony in den neuen Geräten verbaut, sehen Sie in der Leistungstabelle. Unterschiede zwischen großem und kompakten Modell sind gesondert ausgewiesen:

Sony Xperia XZ2 (Compact)

CPU

Qualcomm Snapdragon 845: 4 x 2,8 + 4 x 1,8 GHz

RAM

4 GB

Diagonale

5,7 Zoll
Compact: 5 Zoll

Auflösung

2160 x 1080 Pixel (IPS, HDR10)

Speicher

64 GB

microSD-Slot

Bis 400 GB

Hauptkamera

19 Megapixel (F/2.0): Kontrast-, Laser- und Phase-Detection-Autofokus; Farbspektrumsensor; LED-Blitz

Frontkamera

5 Megapixel (F/2.2)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS

Maße

153 x 72 x 11 Millimeter, 197 Gramm
Compact: 135 x 65 x 12 Millimeter, 168 Gramm

Akku

3180 mAh (lädt kabellos und via USB-C)
Compact: 2870 mAh (lädt via USB-C)

Extras

Wasserdicht (IP65/68)
Stereolautsprecher
Schnellladefunktion
Fingerscanner (hinten)

Software

Android 8.1

Preis

Ab ca. 770 Euro
Compact: ab ca. 600 Euro

In puncto Geschwindigkeit fühlt sich das Xperia XZ2 Compact so schnell an, wie man es vom aktuell schnellsten Qualcomm-Prozessor erwarten würde. Android läuft jederzeit flüssig, Apps sind flott geöffnet, dank vier Gigabyte RAM ist auch Multi-Tasking kein Problem. Für Gamer ist ebenfalls hinreichend Leistung geboten, auf dem potenten Chip laufen selbst Hardwarefresser wie „PUBG“ völlig problemlos. In Benchmark-Vergleichstests zählt der verbaute Qualcomm-Chip zu den derzeit schnellsten verfügbaren Prozessoren.

Gutes Display für den Alltag
Das helle IPS-Display der neuen Sony-Flaggschiffe weiß ebenfalls zu gefallen. Es mag nicht die tolle Schwarzdarstellung der OLED-Konkurrenz schaffen und dickere Ränder als manche Rivalen aufweisen, gefällt aber mit einer neutralen und natürlichen Farbdarstellung, gutem Kontrast und sauberen Farbverläufen dank HDR. Die seitliche Ablesbarkeit passt ebenso wie die Schärfe: Das in die Länge gestreckte Full-HD ist in der Praxis vollkommen ausreichend, damit man keine Einzelpixel mehr erkennt - sowohl beim Compact- wie auch beim größeren Modell.

Flotter Fingerscanner, gute Lautsprecher
Bei der sonstigen Ausstattung gibt es viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Gut gefallen haben uns die lauten und wohlklingenden Stereo-Lautsprecher, der nunmehr an der Rückseite platzierte und zuverlässig arbeitende Fingerscanner, das wasserdichte Chassis und der erweiterbare Speicher. Eine nette Spielerei: Das größere Modell hat einen Vibrationsmotor à la Dual-Shock-Controller der PlayStation und veredelt damit Videos und Spiele mit passender Vibration.

Leider kein Kopfhöreranschluss vorhanden
Weniger gut gefällt, dass Sony dem Branchentrend folgt und seiner Neuheit keine Kopfhörerbuchse spendiert. Ein Adapter auf von USB-C auf 3,5-Millimeter-Klinke liegt zwar bei, trotzdem birgt das Fehlen des Anschlusses Nachteile - und sei es nur, nicht ohne Verteiler gleichzeitig laden und kabelgebunden Musik hören zu können. Vorteile bietet der digitale Anschluss auch: Dank DSEE-HX-Technologie rechnet das Smartphone ordinäre MP3s auf Beinahe-HD-Audio-Qualität hoch. Im Test brachte die Technologie tatsächlich etwas klareren Klang, allerdings erschien uns die via Adapter und verkabelten Kopfhörern erzielbare Lautstärke bei aktivierter Verbesserung recht gering.

Saubere Kamera mit Zwielichtschwächen
Bei der Kamera braucht sich Sonys Neuheit nicht vor der Konkurrenz zu verstecken - zumindest bei Tageslicht oder hinreichend starkem Kunstlicht in Innenräumen. Bei gutem Licht gelingen mit der 19-Megapixel-Kamera scharfe und detailreiche Bilder mit sauberer Farbdarstellung, der Autofokus arbeitet flott. Die Abwesenheit eines optischen Bildstabilisators gleicht man elektronisch geschickt aus. Bei Schlechtlicht-Fotos lässt die Performance etwas nach: In der Dämmerung geknipste Fotos sind zwar immer noch brauchbar, zeigen bei Vergrößerung aber Rauschen und Artefakte - ein Indiz für intensive digitale Nachbearbeitung. Im Schlechtlicht hinkt Sony der Konkurrenz, allen voran Samsung, weiter hinterher.

Interessante Video-Features
Dafür haben die Japaner einige Video-Features eingebaut, die sonst noch niemand hat. Das Xperia XZ2 filmt Superzeitlupe-Filmchen bei 960 Bildern pro Sekunde - und zwar im Gegensatz zur Konkurrenz nicht nur in 720p, sondern in Full-HD. Der Haken: Die Zeitlupensequenzen dürfen nur maximal drei Sekunden lang sein und müssen im rechten Moment in der Kamera-App aktiviert werden. Und wer schon einmal versucht hat, Hund oder Kind in Aktion zu fotografieren, weiß: Diesen optimalen Moment zu erwischen, ist eine Herausforderung. Beim Filmen hätte man überdies mit optischer Bildstabilisierung wohl noch ein ruhigeres Bild zustande gebracht. Davon abgesehen liefert Sony aber auch im Videobereich natürliche Farbdarstellung und dank (auch in 4K möglicher) HDR-Aufzeichnung auch bei schwierigen Situationen klar differenzierte Farben, intensive Highlights und satte Kontraste.

Gutes Handling, vor allem beim Compact
Haptik und Verarbeitung spielen bei Sonys Neuheit auf hohem Niveau, wobei wir hier der Kompaktversion glatt den Vorzug geben würden. Sie ist wie der große Bruder von einem stabilen Metallrahmen eingefasst, die leicht geschwungene Rückseite besteht hier jedoch aus griffigem Kunststoff statt wie beim größeren Modell aus Glas. Das handlichere Modell ist damit weniger rutschig und nicht so anfällig gegen Fingerabdrücke wie das große. Verarbeitung und Stabilität stimmen ansonsten bei beiden Modellen. Positiv hervorgehoben sei beim Handling auch das neue in die Länge gezogene Seitenverhältnis, durch das die Geräte trotz vergleichsweise großem Display noch sicher in der Hand liegen.

Aufgeräumtes Android, gute App-Dreingaben
Die Software ist Sony ebenfalls recht gut gelungen. Zwar haben die Japaner wie üblich etwas Bloatware vorinstalliert, sie lässt sich aber löschen oder zumindest deaktivieren. Dass Sony manche Apps - E-Mail-Programm, Album, Musik- und Videoplayer - selber macht statt die Android-Standardanwendungen von Google zu nutzen, sei angesichts der Qualität dieser Apps nicht als Nachteil begriffen. Die Walkman- und Video-App mit Features wie DLNA-Streaming im Heimnetz beispielsweise können deutlich mehr als die meisten anderen vorinstallierten Player-Apps anderer Hersteller. Optisch entfernt man sich dabei nicht allzu weit von den Android-Designstandards, wodurch ein konsistentes Gesamtbild entsteht. Insgesamt also gut gelungen!

Genug Akku-Power für die tägliche Nutzung
Beim Akku gibt sich Sony ebenfalls keine Blöße. Der fast 3000 Milliamperestunden große Stromlieferant des Kompaktmodells bringt es in aller Regel problemlos durch den Tag, selbst bei intensiver Nutzung. Sparsame Nutzer schinden auch mal zwei Tage Betrieb heraus. Die große Ausnahme sind hier hardwarehungrige Games: Wer Spiele vom Schlage eines „PUBG“ auf dem Gerät spielt, kann dabei zusehen, wie der Akku pro Stunde um gut 15 Prozent geleert wird. Vielspieler könnten also trotz der konkurrenzfähigen Akkuleistung hin und wieder Stromprobleme bekommen - aber das ist bei anderen Smartphones nicht anders.

Fazit: Alternativlos in der Kompaktklasse
Auch, wenn die Kamera es im Zwielicht nicht ganz mit der Konkurrenz aufnehmen kann und wir den Kopfhöreranschluss vermissen: Sony hat mit dem Xperia XZ2 insbesondere in der Kompaktklasse ein konkurrenzlos gutes Smartphone im Sortiment. Nirgends sonst in der Android-Welt bekommt man High-End-Teile wie den Snapdragon 845 sowie hohe Foto- und Video-Performance in einem so kompakten Smartphone. Wer darauf Wert legt, könnte hier sehr glücklich werden.

Anders sieht die Situation beim größeren XZ2 aus. Es mag ein paar Tricks mehr als sein Compact-Brüderchen können, unterliegt diesem aber beim Handling und ist deutlich teurer. Überdies gibt es in seiner Größe auch eine ganze Menge starke Mitbewerber, die es in der Kompaktklasse nicht gibt. Damit hat es das Gerät, das seinerseits schon wieder auf die Ablöse durch ein XZ2 „Premium“ mit 4K-Display und lichtstarker Doppelkamera wartet, nicht so leicht wie das Compact.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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