Sa, 21. April 2018

Kritik an Behörden

13.02.2018 10:30

Coincheck-Raub zeigt Lücken in Krypto-Regulierung

Bei der Regulierung von Bitcoin und anderer Kryptowährungen ist Japan Vorreiter. Der Hackerangriff auf die Börse Coincheck gestohlen wurden, deckt allerdings auch Schwächen der Aufsicht auf. Hauptkritikpunkt sind fehlende Auflagen für Sicherheitsmaßnahmen gegen Kriminelle. Verbraucherschutz habe bei der Aufsichtsbehörde FSA nur eine niedrige Priorität gehabt, sagt der Finanzchef einer großen japanischen Kryptobörse. Die FSA will sich zu mutmaßlichen Regulierungslücken nicht äußern.

Bei dem Coincheck-Diebstahl wurde das "Hot Wallet" - eine Art Online-Konto der Börse - gehackt und digitale Münzen der Währung Nem im Volumen von 534 Millionen Dollar (rund 435 Millionen Euro) entwendet. Das war einer der größten Diebstähle von Cyber-Devisen.  Es bestehe aber kein direkter Zusammenhang zwischen den staatlichen Regeln und dem Verbrechen, betont Mineyuki Fukuda, ehemaliger Vizeminister für Informationstechnologie und ein Befürworter von Kryptowährungen und ihrer Regulierung. "Es wäre nach einem Hacker-Angriff übertrieben zu sagen, dass die FSA oder das Regelwerk zu lax waren."

Erinnerungen an Mt.Gox
Japan ist allerdings ein gebranntes Kind: 2014 erbeuteten Kriminelle bei einem Angriff auf die damals weltgrößte Kryptobörse Mt.Gox 650.000 Bitcoin. Aktueller Wert: 5,7 Milliarden Dollar. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch von Mt.Gox begannen die Bemühungen Japans, den Markt in den Griff zu bekommen. Dabei sollten Investoren nicht nur geschützt werden. Ein weiteres Ziel war ein Umfeld, in dem die vielversprechende Blockchain-Technologie, auf der Kryptowährungen basieren, gedeihen kann.

Da Unklarheit über die Zuständigkeiten herrschte, wurde zunächst der Verband Jada zur Selbstregulierung der Branche ins Leben gerufen. Als später die FSA mit der Aufsicht beauftragt worden sei, habe die Vereinigung die Behörde in technischen Fragen beraten und Anregungen geliefert, sagt So Saito, Jada-Gründungsmitglied und Chef ihrer Nachfolgerin JBA.

Coincheck bisland ohne staatliche Lizenz
Seit April 2017 benötigen japanische Kryptowährungsbörsen eine staatliche Lizenz. Die FSA verlangt von den Betreibern robuste Computersysteme, die Trennung von Bargeld- und Kryptowährungskonten, eine Identifikationsprüfung der Kunden und Risikomanagement-Systeme. Handelsplattformen, die bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes existierten, dürfen ihre Geschäfte bis zur formellen Genehmigung des Antrags weiterführen.

Zu dieser Gruppe gehört auch Coincheck, deren Lizenz aussteht. Grund hierfür sind der FSA zufolge unter anderem Bedenken wegen möglicher Schwächen im Handelssystem. Die Behörde mahnte Verbesserungen an, jedoch ohne eine Frist hierfür zu setzen.

Coincheck die Lizenz zu verweigern, wäre politisch problematisch, sagt Masakazu Masujima, Anwalt und Berater des Branchenverbandes Japan Cryptocurrency Business Association. "Die Kunden hätten sich aufgeregt. Darum haben die Behörden eine Verbesserung der Systeme gefordert." Über die rasant wachsende Börse Coincheck wird mehr als die Hälfte des japanischen Bitcoin-Handels abgewickelt. Schätzungen zufolge laufen weltweit ein Drittel bis die Hälfte aller Geschäfte mit der ältesten und wichtigsten Cyber-Devise über Handelsplattformen in Japan, wo Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt ist.

Wichtiger Markt für Kryptowährungen
Dieser Anteil ist in den vergangenen Monaten gewachsen, weil andere Staaten strenge Gesetze planen. Indien will virtuelle Währungen als Zahlungsmittel verbieten. Einem Zeitungsbericht zufolge plant China, das die Kapitalaufnahme mit Hilfe sogenannter Initial Coin Offerings (ICOs) verboten und mehrere Kryptobörsen zur Aufgabe bewogen hat, die Beschränkungen zu verschärfen. In den USA plädierten die Chefs der Derivateaufsicht CFTC und der Börsenaufsicht SEC bei einer Senatsanhörung für die Verabschiedung gesetzlicher Regelungen.

 krone.at
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