Di, 24. April 2018

Fruchtbar & unberührt

22.01.2018 12:31

Costa Rica: Vom Urwald in den Großstadtdschungel

Naturparadiese und karibisches Lebensgefühl – so wie Urlaub sein soll: Costa Rica, ein Land für Entdecker und Genießer.

Christoph Kolumbus hatte sich nicht getäuscht. Treffsicher navigierte der Seefahrer seine Worte, als er anno 1502 auf der Isla Uvita vor der späteren Hafenstadt Puerto Limón als erster Europäer in Zentralamerika landete und auf goldbehangene Ureinwohner traf. „Costa Rica“, „reiche Küste“, nannte er das unberührte Fleckchen Erde. Das Gold der Gegenwart ist die prächtige Natur. Fauna und Flora sind derart mannigfaltig, dass dort auf nur wenigen Hektar so viele verschiedene Baumarten stehen, wie in ganz Europa vorkommen. Für einen Platz an der Sonne ranken die Wipfel bis zu 70 Meter empor. Der fruchtbare Boden ist ein Segen. Costa-Ricaner schätzen sich glücklich: „Du musst nur einen Besenstiel in die Erde stecken, schon wächst daraus ein Baum.“

Apropos Glück. Nach einem Besuch der Hauptstadt San José samt dem Goldmuseum geht es für uns bald weiter nach La Fortuna am Fuße des Vulkans Arenal. Früher hieß der Ort El Burío. Lange Zeit dachten die Einwohner, der schlummernde Vulkan sei ein Fels. Bis der „Berg“ ausbrach. „Da flogen die Gesteinstrümmer mit 100 km/h durch die Luft“, wird erzählt. Die Siedlung blieb von der Lava aber verschont. Der Ascheregen machte den Boden sogar noch fruchtbarer. Ein Glück, La Fortuna eben.

Rund um den Vulkan, der zuletzt 2010 so richtig grollte, präsentiert sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Seit Kurzem bietet Elidier Rojas Pedal-Board-Ausflüge auf dem Lake Arenal an. „Wie bei einem Stepper im Fitnessstudio steht man auf einem Surfbrett mit Lenker und gleitet, in die Pedale tretend, übers Wasser“, erklärt er. Als wir uns auf den Freitzeitspaß einlassen, sind wir ganz allein auf dem riesigen See – begleitet nur von Fischotter, Reiher & Co. In den ursprünglichen Regenwald tauchen wir im Mistico-Park mit seinen hängenden Brücken ein – Brüllaffen, Nasenbären und andere Exoten inbegriffen. Zur Entspannung geht es nach Sonnenuntergang zu einem genüsslichen Bad in einer heißen Quelle.

Unbeschwerten Tagen wird an der Karibik-Küste gefrönt. Vor allem rund um Puerto Viejo. Zwei Worte, die man überall in Costa Rica aufschnappt, sind dort besonders oft zu hören: Pura Vida, pures Leben! Zwei Worte, die man sich zur Begrüßung oder als Trinkspruch zuruft, oder einfach aus Freude darüber, glücklich zu sein. Was in Puerto Viejo nicht schwerfällt. Naturbelassene Palmenstrände und türkisblaues Meer helfen dabei. In Lokalen wie im Nema wird auf neue Freundschaften angestoßen. Am besten mit Chiliguaro, dem Nationalgetränk aus (Zuckerrohr-)Schnaps, Tomaten- und Zitronensaft, Tabasco. Vor der Tasty Waves Cantina treffen wir auf Surflehrer Misael. Dann gesellt sich Dive-Guide Oswaldo mit Freunden dazu, die im klapprigen Ami-Schlitten vorfahren. Nur Stunden zuvor waren wir mit dem Betreiber einer Tauchbasis in Punta Uva unter Wasser. Fast flehend appelliert er an uns: „Bitte schreibt über die Korallenbleiche, die sich rasant entlang der ganzen Küste ausbreitet. Die Menschen in Europa müssen das erfahren!“ Tatsächlich verheißt der Anstieg der Wassertemperatur von bisher 28 auf nunmehr konstante 30 Grad für das maritime Gleichgewicht nichts Gutes.

Immer und überall sind Begegnungen der tierischen Art möglich. Aufsehen erregt der Auftritt eines Faultieres unter dem Dach im schicken Restaurant Koki Beach. Gemächlich, aber beharrlich hanteln sich 40 Millionen Jahre Evolution über die Köpfe verblüffter Gäste hinweg. Für diesen bewegenden Moment lassen die meisten sogar feinste Gerichte wie gegrillten Lobster in karibischer Sauce stehen, um den zotteligen Besucher aus nächster Nähe zu betrachten. „Kaum vorstellbar, dass diese Geschöpfe in Urzeiten sechs Meter groß waren und aufrecht gingen“, streut unser Begleiter und Costa-Rica-Kenner Klaus Schillinger ein. Kleine Natur-Dokus spielen sich direkt vor den Augen von Gästen im Le Cameleon ab. Ohne einen Baum zu fällen, wurde das Hotel behutsam in den Urwald eingebettet. Die Wildnis dankt es. Schon in aller Früh lassen sich bunte Vögel vor dem Balkon beobachten, wie sie Beeren naschen. Verletzte Pelikane, Äffchen, Faultiere und Opossums werden im nahen Jaguar Rescue Center gepflegt.

Kontrastreich ist der Szenenwechsel in die Hochhausschluchten des Banken- und Shoppingzentrums Panama City, wo Finanzprofis mit Geldscheinen und anderen „Papers“ jonglieren. Erinnerungen an den wohl irrwitzigsten Militäreinsatz aller Zeiten werden wach. „Bewaffnet“ mit Lautsprechern, hatten Ende 1989 US-Panzer die Botschaft des Vatikans umstellt. In die diplomatische Sperrzone war der damalige Machthaber Manuel Noriega geflüchtet. Rund um die Uhr wurde er mit Rocksongs à la AC/DC, Guns ’n’ Roses und Kiss beschallt. Für den Opernliebhaber eine Höllenqual. Nach elf Tagen „kulturlosen Krawalls“ gab er auf – und wurde unter anderem wegen Drogenhandel zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Berühmt ist die mittelamerikanische Metropole allerdings wegen des Panama-Kanals. Bis heute ist die 82 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik für den Welthandel von Bedeutung. Der Transfer ist ein Milliardengeschäft. „Eine Passage kostet im Schnitt 250.000 US-Dollar“, heißt es. 14.000 Schiffe pro Jahr nehmen die Abkürzung. Bei den Miraflores-Schleusen sind sie in „Action“ zu bestaunen. Fast wie auf einem Rummelplatz geht es auf dem Mercado de Mariscos zu. Die Speisen aus Meeresfrüchten schmecken vorzüglich. Dass es keine Haubenlokaladresse, sondern der Fischmarkt ist, daran erinnern lediglich das simple Plastikbesteck und Getränke aus der Dose.

Die letzten Stunden vor der Abreise kosten wir auf der Dachterrasse einer trendigen Bar in Casco Viejo, der reizvollen Altstadt von Panama City, aus. Mit Blick auf die Kolonialbauten lassen wir bei Cocktails die vergangenen Tage Revue passieren: Pura Vida!

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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