Sa, 16. Dezember 2017

Gut umsorgt

08.08.2008 09:30

Wenn Oma alleine nicht mehr kann

Ein Schlaganfall, eine rapide voranschreitende Demenz, Parkinson - und schon wird aus einem agilen, selbständigen Menschen ein Pflegefall. Die vormals rüstige, aktive Oma, die immer für alle da war, braucht nun selbst Hilfe. Muss umsorgt werden wie ein kleines Kind. Die Frage ist nur, wie? Denn die eigenen Kinder haben nun selbst Familie, machen Karriere, haben ein eigenes Leben, das viel Energie erfordert. Und dennoch: Mama hat sich ja auch ihr Leben lang um ihre Kinder gekümmert – nun ist die Zeit da, um ihr das zurückzugeben. Hier erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt und worauf du bei der Pflege achten musst.

Etwa 93 Prozent aller über 75-Jährigen leben in Österreich entweder alleine, oder mit Angehörigen zu Hause – und nicht im Alters- oder Pflegeheim. Das bedeutet, dass ein Großteil der erforderlichen Pflegeleistungen im Familienkreis erbracht wird - eine große Belastung für die pflegende Familie, wie auch für den zu Pflegenden. Die Pflegenden klagen öfter über körperliche Beschwerden, durch Bücken und Heben sowie kraftraubende Bewegungsabläufe. Auch die psychische Belastung ist nicht zu unterschätzen. Schließlich wird man während der Pflege oft auch damit konfrontiert, dass man wahrscheinlich bald von einem geliebten Menschen Abschied nehmen muss. Auch ist der vormals liebevolle Opa nun vielleicht traurig, deprimiert, aggressiv – der Gepflegte fühlt sich in seiner Selbständigkeit eingeschränkt, in seiner Würde herabgesetzt, abhängig. Auch das ist nicht sehr einfach zu bewältigen. Speziell bei einem Demenzkranken. Der Rückschritt zum Kindsein.

Nicht zuletzt wird durch die Pflege Zeit von anderen Aktivitäten abgezogen, man hat vielleicht weniger Zeit für die Familie, für Freunde, für Hobbys. Pflegende isolieren sich zusehends von ihrem Umfeld, weil die Belastung zu groß ist, oder umgekehrt, das Umfeld reduziert den Kontakt, weil der Pflegende keine Zeit mehr zu haben scheint. Auch finanzielle Belastungen kommen oft dazu, weil Unterstützung bei der Pflege auch Geld kosten kann bzw. durch den vermehrt erforderlichen zeitlichen Einsatz der Beruf nicht mehr so viel Zeit in Anspruch nehmen darf. Weiters kommt es zu zusätzlichen Aufwendungen für Pflegehilfsmittel.

Unterstützung aus der Familie holen
Viele Pflegende glauben, alles alleine schaffen zu müssen. Die offene Kommunikation in der Familie und mit Freunden ist jedoch sehr wichtig. Du darfst dir Unterstützung holen, erkundige dich, wer in der Familie welche Aufgaben übernehmen kann. Speziell in größeren Familien ist es wichtig, dass sich alle die Pflege teilen, meist ist es jedoch so, dass ein, zwei Geschwister die Hauptverantwortung mehr oder weniger freiwillig übernehmen. Angebotene Unterstützung solltest du jedenfalls annehmen.

Denn jeder Pflegende hat das Recht auf Auszeit. Viele Menschen, die sich um einen Angehörigen kümmern, denken, sie haben kein Anrecht mehr auf Freizeit. Sie könnten sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen. Doch genau das ist der falsche Ansatz. Pflege ist ein energieraubender Job. Du hast das Recht auf Auszeiten und auf Urlaub. Diese können entsprechend organisiert werden, sei es mit Unterstützung aus der Familie, oder mit Hilfe von externen Betreuungshilfen bzw. Einrichtungen.

Angenehmes Umfeld
Auch für den Gepflegten ist die Situation nicht unbedingt einfach. Achte daher darauf, es euch beiden so einfach und angenehm wie möglich zu machen. Das Zimmer sollte gut ausgeleuchtet sein, denn Licht ist Sicherheit. Je einfacher die Umgebung, desto besser. Zu viel Komplexität überfordert. Dazu gehört auch, dass Dinge, die der Gepflegte braucht, immer griffbereit sind. Eine Lampe direkt neben dem Bett sowie ein Telefon sind Pflicht. Auch sollten Fotos und persönliche Gegenstände immer in Sichtweite sein. Bei bettlägerigen Personen sollte das Bett in Richtung eines Fensters stehen, damit ein bisschen Aussicht möglich ist. Der Weg zu den dringend benötigten Einrichtungen wie Bad und Toilette sollte immer frei sein, die Handhabung einfach. Auch solltest du dich bei der Krankenkasse erkundigen, ob ärztlich verordnete Pflegehilfsinstrumente unterstützt werden, wie z.B. ein Bett- bzw. Badewannenlifter oder Spezialmatratzen. Zusätzlich kann der gepflegte Angehörige Pflegegeld beantragen. Zur richtigen Pflege gibt es Kurse, die z.B. vom Roten Kreuz angeboten werden.

Was tun, wenn es daheim nicht mehr geht?

Du kannst dir schrittweise Unterstützung holen. Heimhilfen können die unangenehmen Arbeiten, wie Waschen oder Ankleiden übernehmen. Diese kommen täglich, bei Bedarf auch mehrmals. Auch die Unterbringung in Tageszentren kann den Druck vom Pflegenden nehmen. Hier werden die pflegebedürftigen Angehörigen tagsüber gut umsorgt und beschäftigt – es kommt etwas Abwechslung in ihren Alltag. Abholdienste erleichtern den Transfer von Zuhause in das Zentrum und retour. Pflegekräfte für die dauernde Pflege daheim sind die nächste Stufe, bis letztendlich nur mehr die Unterbringung im Heim bleibt. Du solltest dir aber vor Augen führen, dass du nicht versagt hast, wenn du dir Unterstützung holst – im Gegenteil, der pflegebedürftige Mensch hat die bestmögliche Versorgung verdient. Wenn du dies nicht mehr schaffst, ist es das Beste, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deine Verantwortung ist es, sicherzustellen, dass die Versorgung wirklich gut ist und sich der Pflegebedürftige wohl fühlt. Und durch deine Fürsorge wirst du das schaffen.
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