Gerhard Zeiler mag eine Alternative sein – aber warum sollte er automatisch die Zukunftshoffnung der SPÖ sein? Selbst ÖGB-Chef Wolfgang Katzian sagt inzwischen: Mit dem Austausch einer Person werde sich kein einziger Umfragewert verbessern. Na dann: Worüber reden wir eigentlich? Seit Monaten hören wir dieselben Floskeln: Man müsse den Menschen besser zuhören, Vertrauen zurückgewinnen und die Lebenshaltungskosten bekämpfen. Auch Andreas Babler sprach im August davon, Wählervertrauen zurückzugewinnen. Nur stellt sich irgendwann die einfache Frage: Warum hören die Menschen der SPÖ nicht mehr zu? Arbeiter, Pensionisten und Jugend werden gerne als klassische sozialdemokratische Zielgruppen aufgezählt. Doch es reicht nicht, sie in Sonntagsreden zu erwähnen. Man muss ihre Probleme auch glaubwürdig vertreten – und erklären, warum gerade die SPÖ dafür die richtige Adresse sein soll. Stattdessen beschäftigt sich die Partei lieber mit Personaldebatten und der eigenen Nabelschau. Während darüber diskutiert wird, wer die SPÖ führen soll, fragen sich viele längst, wohin sie überhaupt geführt werden soll. Und „Alle gegen Kickl“ ist noch lange kein eigenes politisches Programm. Abgrenzung kann eine Strategie sein – aber irgendwann sollte eine Partei auch sagen, wofür sie selbst steht. Gerhard Zeiler mag dafür die Lösung sein oder auch nicht. Einen Personalwechsel als Reparatur für eine inhaltliche Krise zu verkaufen, wäre jedenfalls zu einfach. Vielleicht braucht die SPÖ weniger Personalroulette und mehr ehrliche Selbstkritik. „Hier steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug wie zuvor.“ Goethe hätte es kaum treffender formulieren können. Nur dass die SPÖ aus „als wie zuvor“ offenbar ein politisches Dauerprogramm gemacht hat. Weiter so – und Freundschaft!
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am Mo, 28.9.2026
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