Die öffentliche Demontage eines Parteivorsitzenden mag Schlagzeilen produzieren – Vertrauen schafft sie nicht. Gerade eine Partei, deren zentraler Begriff Solidarität lautet, sollte Führungsfragen anders klären. Gerhard Zeiler hat eine beeindruckende internationale Karriere vorzuweisen und zweifellos das Format, Verantwortung zu übernehmen. Andreas Babler wiederum ist demokratisch gewählter Parteivorsitzender, Vizekanzler und Minister. Ob Zeiler tatsächlich die bessere Wahl an der Parteispitze wäre, sollte zunächst intern, vertrauensvoll und ohne mediale Kulissenschieberei geführt werden. Umfragen, zugespielte Ablösegerüchte und öffentliche Loyalitätstests ersetzen weder politische Inhalte noch einen respektvollen Entscheidungsprozess. Die SPÖ braucht kein feindliches Übernahmeangebot, sondern eine gemeinsame Antwort auf ihre schwierige Lage. Entscheidend ist nicht, wer den anderen besiegt, sondern ob beide bereit sind, ihre Fähigkeiten in den Dienst einer gemeinsamen Sache zu stellen. Eine Solidargemeinschaft beweist sich gerade im Konflikt. Am Ende sollte daher nicht nur einer politisch überleben. Eine starke SPÖ müsste groß genug sein für beide.
OStR Mag. Max Ebenführer, MSc, Scharnstein
Erschienen am So, 27.9.2026
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