Der Papst war auf Besuch in Ungarn, traf sich auch mit Viktor Orbán. Bei einer Messe offenbarte er dann den Hauptgrund seines Ungarn-Besuchs. Da kritisierte er nämlich „die verschlossenen Türen gegenüber Fremden, den anderen, den Migranten, den Armen“, um dann zu sagen: „Bitte, öffnen wir die Türen!“ Der Papst hat leicht reden. Der kleine Vatikanstaat war bisher kein Ziel von Migranten und wird es auch in Zukunft nicht sein – und sollte wider Erwarten einer in den Vatikanstaat wollen, dann wäre wohl bei einem Schweizer Gardisten Endstation. Franziskus forderte also, die Türen zu öffnen für alle, die kommen wollen. War da letztens nicht zu lesen, dass in Ägypten etwa 6 Millionen Menschen sind, die in die EU wollen? Und in den anderen afrikanischen Mittelmeerstaaten sollen weitere Millionen auf eine Möglichkeit warten, in die EU zu kommen. Auch von der Türkei wird immer wieder berichtet, dass dort unzählige Flüchtlinge und Migranten sind, die auf ihrem Weg in die EU dort hängen geblieben sind und auf eine Möglichkeit zur Weiterreise warten. (Dass es aber z. B. in Syrien bis auf einige Stellen im Norden des Landes keinen Krieg mehr gibt und einer Rückkehr in die Heimat nichts mehr im Wege steht, wollen die „Flüchtlinge“ nicht wahrhaben). Und der Papst fordert, für alle die Türen zu öffnen. Ist dem eigentlich klar, was er da fordert? Er fordert nicht mehr und nicht weniger, als dass einige EU-Staaten, darunter Österreich, ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ruin freiwillig herbeiführen sollen. Es ist ja in der EU wegen „der Werte“ und aller möglichen Verpflichtungen nicht zulässig, Flüchtlinge so unterzubringen und zu versorgen, wie das beispielsweise im Libanon oder in der Türkei gehandhabt wird. Selbst ein Land wie Deutschland („Wir schaffen das“) ist mittlerweile mit Flüchtlingen und Migranten zumindest regional längst überfordert – und der Papst fordert Einlass für weitere Millionen. Nur; die Millionen kommen so oder so, weil Brüssel nichts dagegen unternimmt und einzelne Staaten sich nicht trauen, was dagegen zu unternehmen. Weil Brüssel dann mit „Maßnahmen“ droht. Es dauert bloß etwas länger, als der Papst das will. Aber der hat halt leicht reden.
Josef Höller, per E-Mail
Erschienen am Do, 4.5.2023
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