Das freie Wort

Der Strom hat ein Mascherl

Überlegen wir einmal: Ein Tag in unserem schönen Österreich. Die Industrie verbraucht fast konstant viel elektrische Energie, und unsere Donaukraftwerke mit ihren schweren Turbinen liefern brav den „Strom“. Es wird Mittag, und wir werden hungrig. Fast gleichzeitig schalten wir Tausende E-Herde ein. Es entsteht dadurch im Netz eine Lastspitze. Die Donaukraftwerke sind jetzt einfach zu träge, sie sind auch für die „Grundlast“ zuständig. Für Lastspitzen brauchen wir zum richtigen Zeitpunkt die richtige Anzahl „Spitzenlastkraftwerke“. Unsere Austrian Power Grid (APG) sorgt perfekt dafür, dass immer genau die richtigen Kraftwerkstypen am Netz sind. Wir haben also in Österreich unterschiedliche Kraftwerkstypen, mit unterschiedlicher Regelbarkeit und unterschiedlichen Energie-Erzeugungskosten. Wir wissen auch, welche Leistung von welchem Kraftwerkstyp in Österreich installiert ist. Haben wir einmal von einem Kraftwerkstyp zu wenig Energie, wird diese Energie vom Ausland zugekauft. Die APG müsste daher zu jedem Zeitpunkt wissen, welcher österreichische Kraftwerkstyp mit seinen artspezifischen Erzeugungskosten wie viel Energie einspeist. Und wie viel Energie importiert wird. Die Idee: Jeder österreichische Kraftwerkstyp bekommt seinen artspezifischen Erzeugungskostensatz. Eine „Austrian Order“ (Mischkalkulation) dient dann der Preisfindung. Der ausländische Energieanteil wird auf Basis der „Merit Order“ eingebunden. Und schon hat der „Strom“ ein Mascherl – und wir wieder einen realistischen Strompreis!

Friedrich Reitböck, Alkoven

Erschienen am Do, 21.7.2022

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