Das freie Wort

Das große Ganze

Es ist, als wäre man an einen Kinosessel gekettet und muss sich einen Film in Überlänge anschauen, den man gar nicht sehen will. Das, was sich schon viel zu lange in der heimischen Innenpolitik abspielt, ist alles andere als ganz großes Kino. Sie zanken sich nicht nur. Sie bellen und beißen. Einer den anderen. Das ist keine Schlammschlacht mehr, das ist ein ganz tiefer Sumpf. Unterdessen scheint Korruption auch bei uns das Hauptnahrungsmittel der Politiker zu sein. Die offen zur Schau getragene Abgehobenheit ist einfach ein Graus. Eigentlich sollte mir das alles schon egal sein. Denn bei mir sind spätestens seit Corona alle politischen Parteien und ihre Vertreter vertrauenstechnisch ganz tief im Minusbereich und damit völlig unten durch. Trotzdem regt mich dieser heimische Innenpolitik-Horror auf. Weil es nun mal immer noch um das große Ganze geht! Wir müssen uns noch immer gegen die Aus- und Nebenwirkungen einer Pandemie stemmen. Ein Schuldenberg, der mehrere Generationen mehr als herausfordert, ist traurige Gewissheit. Soziale Probleme werden nicht weniger, sondern mehr. Allein schon wegen der Inflation. Als wäre das nicht schon genug, klopft auch noch die nächste Flüchtlingskrise an die Tür. Ein Klimawandel lässt sich nicht verhindern, er ist und bleibt ein wiederkehrendes natürliches Ereignis. Aber die Folgen gilt es bestmöglich abzufedern. Und den Damen und Herren der heimischen Innenpolitik scheint trotz alledem ziemlich fad zu sein. Das ist nicht zu fassen!

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Di, 1.6.2021

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