Wie aus dem medialen Blätterwald ersichtlich, ist die Skandaldemo von vergangenem Samstag in aller Munde. In aller Munde? Nein, aus unserer Präsidialkanzlei kommt kein Sterbenswörtchen. Offenbar findet es unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen nicht der Mühe wert, jene Politiker zur Ordnung zu rufen, die glauben, durch ihr Nationalratsmandat hätten sie Narrenfreiheit. Ja, nur der Narr durfte im Mittelalter die sonst üblichen Grenzen des Anstandes und der Höflichkeit dem Regenten (hier dem Volk) gegenüber überschreiten. So ist es wohl nur rechtens, wenn man jenen, die auf ihre Fahnen „Freiheit“ schreiben und unter Inanspruchnahme dieser (Demo-)Freiheit glauben, tun und lassen zu können, was sie wollen, nicht seriöse Politiker, sondern nur Narren erkennt. Dazu passt wohl auch sehr gut ein Zitat von Heiner Geißler (deutscher Politiker, Minister und Generalsekretär der CDU): „Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.“ Trotzdem erwarte ich mir vom österreichischen Bundespräsidenten klare Worte. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei ehemaligen Politikern (vom ehemaligen Bundespräsidenten abwärts), welche sonst bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit meinen, sich äußern zu müssen, Schweigen im Walde herrscht.
Harald Neschkudla, Wien
Erschienen am Do, 11.3.2021
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