Der heimische Restaurantführer verteilte nicht nur seine heiß begehrten Hauben, sondern kürte auch den „Koch des Jahres”, der heuer aus Oberösterreich kommt und vergab ihren Lebenswerk-Preis an zwei Brüder, die nun den Kochlöffel an den Nagel hängen.
„Darf’s ein bisserl mehr sein?” ist eine Frage, die nicht nur an heimischen Supermarkt-Feinkosttheken eine lange Tradition hat, sondern auch in Österreichs Haubenküche lange als Antwort galt, frei nach dem Credo „mehr ist mehr”. Ein Trend der zusehends umzukehren scheint – im positiven Sinne, wie man sich der Präsentation des neuen „Gault&Millau“ einig war. Im Hotel Hilton am Wiener Stadtpark wurden abermals die besten Restaurants des Landes gekürt, die sich im Großen und Ganzen wieder auf die Quintessenz des Genusses konzentrieren, wie die „Gault&Millau“- Herausgeber Karl und Martina Hohenlohe beobachten. „Gastronomie scheint nach Jahren des ,höher, weiter, elaborierter’ wieder stärker zu sich selbst zu finden. Im Klartext: weniger Show um der Show willen, mehr Präzision, mehr Produkt, mehr Handschrift.”
Koch des Jahres 2027
Eine ganz besondere Handschrift hinterlässt seit vielen Jahren Philip Rachinger in der heimischen Gastroszene. Die fand er, nach (inter)nationalen Lehrjahren, am Ende im Haus seiner Familie, im oberösterreichischen Mühltalhof und profilierte sich im Ois nun als „Koch des Jahres 2027“. Nicht zuletzt auch dem Umstand geschuldet, dass er mit seiner „Wirtshausroas“ den leer stehenden Lokalen seines Ortes neues Leben einhaucht. Die Auszeichnng konnten die Hohenlohes bis zuletzt geheim halten, obwohl sie – zufällig – mit Rachinger gemeinsam mit dem Flieger aus Venedig kamen.
Lebenswerk: Abschied nach 47 Jahren
Ein neues Leben steht auch den Kochlegenden Karl und Rudi Obauer bevor, die nach 47 Jahren im Dienste des Genusses, wohlverdient und aus freien Stücken nächste Woche abdanken. Allerdings begehen sie ihre Zukunft nicht mit leeren Händen, sondern mit dem Preis fürs „Lebenswerk 2027”.
Apropos Zukunft: wie es um die kulinarische des Landes bestellt ist, sehen die Hohenlohes recht klar: „Nicht zwangsläufig in noch mehr Gängen, exotischeren Techniken oder spektakuläreren Inszenierungen. Sie liegt bei jenen Menschen, die wissen, was sie erzählen wollen – und was sie dafür weglassen können.” Das klingt vielversprechend…
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