Fallen tot vom Himmel

Unsere Störche kaltblütig im Libanon abgeschossen

Tierecke
19.10.2026 20:30
Porträt von Katharina Lattermann
Porträt von Tierecke
Von Katharina Lattermann und Tierecke

Bei uns streng geschützte Ehrengäste – im Libanon Zielscheibe für Schießübungen. Auf ihrem Zug in die Winterquartiere werden Weißstörche dort gnadenlos und gewaltsam vom Himmel geholt. Traurig: Auch viele Störche aus Ostösterreich dürften von dieser Gräueltat betroffen sein. 

Ein gerade in sozialen Netzen kursierendes Video ist höchst verstörend! Darauf ist zu sehen, wie ein Zugverband von Weißstörchen friedlich über Dächern kreist. Plötzlich sind laute Maschinengewehrsalven zu hören, nach und nach geraten die Störche ins Trudeln und gehen zu Boden. Wer ist denn bitte zu so etwas fähig?

Das deutsche „Komitee gegen den Vogelmord“ bestätigt die Echtheit des Videos und mehrere massive Abschüsse, insbesondere aus den Bergen östlich der nordlibanesischen Stadt Tripoli und an der Grenze zu Syrien.

Jährliches Spektakel
„Dort werden jedes Jahr unzählige Störche abgeschossen. Wir finden viele Vögel mit herausgelöstem Brustfleisch, sie werden also zum Teil auch verzehrt“, erklärt Axel Hirschfeld, der selbst bis letzte Woche für das Komitee im Libanon war.

Besonders verstörend: Manche Wilderer veröffentlichen trotz aller Verbote selbst Fotos ihrer getöteten Beute im Netz. Videos auf ihren Profilen dokumentieren zudem den Einsatz automatischer Schnellfeuerwaffen wie Kalaschnikows.

Regelrechte Massaker
Wie dramatisch die Lage in diesem Gebiet ist, zeigen die Beobachtungen der Vogelschützer bei ihren Einsätzen. Immer wieder werden sie im Libanon Zeugen regelrechter „Weißstorch-Massaker“. Die dort entstandenen Bilder stehen exemplarisch für die Verfolgung dieser Zugvögel im Nahen Osten. Doch selbst Störche, die einen Abschuss überleben, sind laut Angaben des Komitees nicht unbedingt gerettet:

Manche werden mit schwersten Verletzungen unter schlechten Bedingungen als lebende Lockvögel gehalten. Angebunden sollen sie weitere Artgenossen in Schussweite locken. Andere Tiere werden aus bloßem Vergnügen getötet oder landen eben als vermeintliche Delikatesse im Kochtopf.

Einer der Tierschützer mit einem angeschossenen Storch.
Einer der Tierschützer mit einem angeschossenen Storch.(Bild: Komitee gegen den Vogelmord e. V., Krone KREATIV)

Tierschützer werden tätig 
„Uns wurde zugetragen, dass offenbar auch das Militär in diese Vorfälle involviert ist. Wir versuchen nun, in Kontakt mit der ansässigen Behörde zu treten. Unseres Wissens nach ist der Abschuss der Störche dort ebenfalls verboten, aber offenbar wird das sogar von Soldaten ignoriert“, zeigt sich auch Michaela Lehner, Juristin bei Tierschutz Austria, empört. Für die Tierfreundin ist das alles nicht nachvollziehbar: „Bei uns wird jeder verletzte Storch liebevoll aufgepäppelt, auf seinem Flug Richtung Afrika schießt man ihn einfach ab – unvorstellbar!“

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