Ist das noch Protest?
Vermummte plündern Luxusgeschäfte in Frankreich
Rund eine halbe Million Menschen sind laut Behördenangaben am Samstag auf Frankreichs Straßen gegangen, um gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem zu protestieren. Doch nicht alle Teilnehmer des Protesttages hatten dasselbe im Sinn. Unter die Demonstranten mischten sich auch zahlreiche kriminelle Banden und Plünderer. Sie hatten es inmitten des Chaos auf Luxusmarken abgesehen. Zahlreiche Geschäfte sind zum Teil leer geräumt worden, der Schaden geht in die Hunderte Millionen Euro.
Besonders dreist gingen die Randalierer in Marseille vor: Vermummte Angreifer rammten ein Metalltor in die Glasfront einer Louis-Vuitton-Filiale, schlugen die Scheiben ein und räumten das Geschäft leer. Auch teurer Schmuck und Designerkleidung wurden gestohlen. In Paris wurde eine Filiale von Christian Dior verwüstet, in Marseille verschwanden Rolex-Uhren aus ihren Verpackungen. Bilder der Plünderungen verbreiteten sich in sozialen Netzwerken. An den zerstörten Fassaden fanden sich zudem politische Parolen und Graffiti. Emmanuel Grégoire, Bürgermeister von Paris, sprach von neuen „unerträglichen Szenen“.
Weder die vollkommen überforderte Polizei noch private Sicherheitsdienste, die alarmiert wurden, konnten den Mob aufhalten. Unten sehen Sie das Video einer verzweifelten Demonstrantin, die versucht, das Treiben zu stoppen, indem sie an das Gewissen der Täter appelliert. „Hört auf! Warum tut ihr das? Das ist nicht der Grund“, schreit sie. Ein anderer Demonstrant versucht sie mit den Worten zu trösten: „Sie hören nicht auf vernünftige Argumente.“
2400 Festnahmen, rund 1000 Polizisten verletzt
Gleichzeitig eskalierte die Gewalt: Autos brannten, Polizisten wurden angegriffen und zahlreiche Geschäfte geplündert. Innenminister Laurent Nuñez räumte ein, dass die Sicherheitskräfte in mehreren Großstädten zeitweise die Kontrolle verloren hatten. Die Bilanz fällt entsprechend schwer aus: Am Wochenende wurden laut dem Bericht fast 2400 Menschen festgenommen und rund 1000 Polizisten verletzt, sieben davon schwer. Allein in Paris gab es in der Nacht auf Montag 350 Festnahmen. Nuñez bot Präsident Emmanuel Macron seinen Rücktritt an, doch dieser lehnte ab und betonte, dass er auf Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte setze.
Warnung vor geplünderter Ware auf Online-Plattformen
Handelsminister Serge Papin beriet am Montag mit Vertretern von Handel, Banken und Versicherungen über Hilfen beraten. Bei dem Treffen wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass „Artikel, die an diesem Wochenende gestohlen wurden, bereits auf einigen Online-Plattformen zum Verkauf angeboten werden“. „Wir erwarten von diesen Plattformen, dass sie die betreffenden Angebote unverzüglich entfernen“, so der Minister, der zudem die Hehler ausfindig machen will. Zu den eingeladenen Plattformen gehören unter anderem Vinted, Amazon, Leboncoin und TikTok.

Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau kündigte unterdessen eine konsequente Verfolgung der Verantwortlichen an. „Wir werden nicht locker lassen“, sagte sie dem Sender TF1. Auch Blutspuren, Fingerabdrücke und Videoaufnahmen sollten ausgewertet werden, um Plünderer und Gewalttäter zu identifizieren. Die Polizei richtete dafür eine Sonderermittlungsgruppe ein.
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