Das freie Wort

Der Triel legt sich quer

Ein gar nicht so kleiner, aber weitgehend unbekannter Vogel, dem das Aussterben droht, scheidet die Geister. Ein Tier, das bisher kaum in unser Bewusstsein gedrungen ist, wird zum Streitpunkt. Es stellt sich aber vor allem die Gretchenfrage, brauchen wir für unsere Lebensqualität wirklich noch mehr Straßen, noch mehr Verkehr, noch mehr zubetonierte Flächen? Eigentlich will diese Frage wohl jeder mit Nein beantworten. Eine intakte Natur hingegen, ja, die brauchen wir alle wie unser täglich Brot, das im Übrigen auch nicht auf Asphalt oder Beton gedeiht. Bitte fangen wir endlich damit an, nicht nur in Gewinnspannen und Gewinnmaximierung zu denken. Möglich, dass der Bau der Marchfeld-Schnellstraße S 8 monetäre Vorteile brächte. Noch mehr Transporter wären noch schneller an ihrem Ziel. Auch würde uns zugegebenermaßen unmittelbar das Sterben einer weiteren Art, wo doch weltweit ohnehin etwa im Viertelstundentakt eine Spezies ausstirbt, nicht weiter auffallen. Dennoch, wir sollten wenigstens versuchen, das, was in unserer Macht steht, zu tun, um diese Todesspirale aufzuhalten, umkehren können wir sie ohnehin nicht mehr. Die Befürworter einer weiteren Straße würden den Triel, genauso wie die meisten unter uns, nicht vermissen, weil er uns ja bisher nicht so gegenwärtig war wie Meise oder Spatz. Dennoch, ein Geschöpf weniger sollte doch mehr schmerzen als eine Straße, die nicht gebaut wird und die bisher ebenso niemand vermisste. Jeder muss sich wohl künftig die Gewissensfrage stellen, ob das Leben mit immer weniger Natur auch wirklich ein lebenswertes ist und ob auch wir nur eine weite-re Spezies sind, die eines Tages von diesem Planeten verschwindet. Wir waren nicht die Ersten und werden auch nicht die Letzten sein.

Eva Schreiber, Traiskirchen

Erschienen am Di, 28.1.2020

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