Das freie Wort

Das Wirtshaus am Rande der Stadt

Auch wenn die Verantwortlichen das Problem schönreden, das Wirtesterben wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Natürlich werden wir nicht verhungern, irgendeine Pizzeria oder ein Fastfood-Lokal ist immer in der Nähe. Seit ich denken kann, gibt es in der Nähe unserer Kleinstadt ein beliebtes Restaurant. Die Gäste kommen von nah und fern, für traditionelle Hausmannskost zu einem vernünftigen Preis nehmen sie gern eine längere Anreise auf sich. Leider geht der Wirt demnächst in Pension, und dann ist Schluss mit lustig. Sein Sohn – übrigens ein tüchtiger Jungkoch – hat sich längst beruflich verändert, der Betrieb wird für immer verschwinden. Die ganze Liegenschaft wurde von einer Freikirche erworben, in Zukunft heißt es beten statt essen. Wenn wir Glück haben, wird uns Manna, das Himmelsbrot, angeboten. Solche Fälle häufen sich, sogar Herr Mahrer hat das erkannt, als er meinte: „Die österreichische Gastronomie ist im Umbruch.“ Kein Wunder, seit Jahren werden die Wirte von den Behörden schikaniert, wer soll sich da noch für so einen Beruf interessieren? Was bilden sich diese Bürokraten eigentlich ein, die Wirte sind doch nicht die Trottel der Nation!

Werner Schupfer, Attnang-P.

Erschienen am Do, 16.1.2020

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