Das freie Wort

Keine Demokratie ohne Kompromisse

Es gibt Stimmen, die – im Hinblick auf die Koalitionsverhandlungen – die Meinung vertreten, dass jeder Kompromiss einem Verrat an den eigenen Prinzipien gleichkommt und daher moralisch verwerflich ist. Es wird dabei – unter anderem – übersehen, dass wir alle fast täglich Kompromisse schließen müssen zwischen unserer Existenzbehauptung im Lebenskampf und der Nächstenliebe und Nächstenhilfe. Wir haben in Österreich das große Glück, dass wir in Sebastian Kurz und Werner Kogler zwei starke Persönlichkeiten besitzen, die in ihren Parteien das Ruder fest in der Hand halten. Beide Herren weisen mehr als genug Autorität und Vernunft auf, um zu der für unsere Heimat bestmöglichen Übereinkunft zu gelangen. Niemand kann wohl ernsthaft annehmen, dass nicht auch Kurz für eine gleichermaßen wirksame wie verträgliche Klimaschutzpolitik eintritt und auch Kogler nicht einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, der die Grundlage unseres Lebensstandards darstellt, zustimmt. Und keiner von beiden wird sich wohl gegen Maßnahmen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Migrationspolitik versperren. Wir alle haben im Verlaufe der Menschheitsgeschichte vielfach erlebt, wohin Kompromisslosigkeit führen kann – unter anderem zu entsetzlichen Bruderkriegen, bei denen zuerst unzählige Menschen sterben mussten, ehe man sich – ausgeblutet und erschöpft – am Ende zu einer gemeinsamen Linie durchringen konnte. Wir wünschen beiden Parteien einen von allen Beteiligten in gutem Einvernehmen getragenen Regierungspakt, bei dem selbstverständlich das Wohlergehen unserer Heimat über engstirnige Egoismen zu stellen ist – dies auch im Interesse des Ansehens beider Verhandlungspartner!

Dkfm. Eduard Musil, Wien

Erschienen am Sa, 4.1.2020

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