Das freie Wort

Gelbwesten-Geburtstag

Die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich meldete sich am ersten Jahrestag ihrer Proteste wieder mit kräftigen Lebenszeichen zurück. All jene, die meinten, die Bewegung habe sich abgenutzt und totgelaufen, wurden deutlich vom Gegenteil überzeugt. Es gab sie ja noch immer, ihre landesweiten Demos am Samstag, aber nicht mehr so intensiv wie in den ersten Wochen und Monaten des Bestehens, und auch die Medien wurden mit der Berichterstattung über die Demos zunehmend zurückhaltender. Ob das Thema aus journalistischer Sicht „ausgelutscht“ war, oder ob es dezente Hinweise aus der Politik für ein „Totschweigen“ gab, ist nicht bekannt. Zum Jahrestag meldeten sich die Gelbwesten und mit ihnen auch großteils vermummte, gewaltbereite Chaoten mit einem kräftigen Lebenszeichen in den Medien zurück. Autos und Barrikaden brannten nicht nur in Paris, Pflastersteine flogen, Straßen wurden blockiert. Und Frankreichs Präsident Macron wurde deutlich daran erinnert, dass die Gelbwesten noch da sind. Wegen Präsident Macron entstand ja die Gelbwesten-Bewegung. Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten verordnete Macron einige Maßnahmen und Reformen, die viele Franzosen erzürnten und den Ruf des Präsidenten ruinierten. Er hatte seine Landsleute unterschätzt, weil er sie zu wenig kannte. Er war kein „Mann des Volkes“. Seine Welt waren die Banken und die Banker. Und wegen seiner geplanten Maßnahmen, wie z. B. Erhöhung der Treibstoffpreise erhob sich das Volk gegen ihn. Wie ein Flächenbrand griffen die Demos auf ganz Frankreich über, und die Demonstranten forderten nicht weniger als den Rücktritt von „Jupiter“ Macron. Der Präsident ist nach einem Jahr der Unruhen immer noch Präsident, aber die Gelbwesten und den Widerstand gegen den Präsidenten gibt es ebenfalls noch. Nach den ersten massiven Demonstrationen, als die Auseinandersetzungen an Heftigkeit zunahmen, als die Innenstadt von Paris brannte, als landesweit Hunderttausende Franzosen auf die Straße gingen, machte Präsident Macron Zugeständnisse. Zugeständnisse, die dem schwer verschuldeten Frankreich etwa 10 Milliarden Euro kosten. Das reichte den Demonstranten aber nicht. Sie machten weiter, bis heute, und sie werden weitermachen, obwohl es bis jetzt schon viele Tote und Tausende Verletzte gab. Frankreichs Polizisten sind nicht zimperlich, und Macron schickte auch schon Sondereinheiten des Militärs gegen die Demonstranten auf die Straße. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Die Demonstranten machen weiter, wollen nicht aufgeben, und sie haben immer noch viel Rückhalt in der Bevölkerung, obwohl die Teilnehmerzahlen bei den Demos zurückgegangen sind. Macron setzt auf den Faktor Zeit und hofft, dass sich die Bewegung totläuft. Er will nicht noch mehr Zusagen machen, möchte nicht weiter der Verlierer sein.

Josef Höller, per E-Mail

Erschienen am So, 24.11.2019

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