Das freie Wort

Was tun, sprach Zeus?

Obwohl es für Sebastian Kurz theoretisch drei Koalitionsvarianten gibt, ist von den dafür infrage kommenden Parteien keine besonders erfreut, mit den Türkisen eine Regierungsbeteiligung einzugehen. Die skandalgeschüttelte FPÖ sieht in ihren massiven Verlusten keinen Regierungsauftrag und möchte daher eher in Opposition gehen, um sich dort in Ruhe wieder neu ordnen zu können. Die SPÖ ist zwar glücklich, die zweitstärkste Kraft im Land zu sein, sieht sich aber ebenfalls als Verlierer, nicht unbedingt als Koalitionspartner. Deckt sich doch ihr Parteiprogramm mit seinen Inhalten nur sehr schwer mit dem der ÖVP. Sehr selbstherrlich und fordernd gibt sich Werner Kogler mit seinen aufstrebenden Grünen. Hat man doch beachtliche 10% zugelegt und mit 14% Wähleranteil das beste Ergebnis in der Geschichte der Grünen erzielt. Sicherlich hat zu ihnen da auch ganz wesentlich die genau zum richtigen Zeitpunkt vor der Wahl eintretende Klimabewegung der Greta Thunberg in die Hände gespielt. Dementsprechend hoch legen sie auch die Latte für Koalitionsgespräche. Nämlich gleich viel zu hoch. Aber so, wie sich auch jeder Truthahn noch so aufplustern mag, wird er deswegen nicht mehr, denn er hat ja nur jede Menge Luft zwischen den Federn. Geht man dagegen in Opposition, braucht man nur zu kritisieren und keine unangenehmen Wahlversprechen halten. Um Wahlversprechen wenigstens teilweise einzulösen, bräuchte es allerdings Regierungsbeteiligung. Aber mit Regierungsverantwortung und Wahlversprechen ist das so eine Sache. Daher sieht es für Sebastian Kurz und seine Koalitionsgespräche eher schlecht aus, und wir sind vielleicht auf dem besten Weg zu einer Minderheitsregierung. Da wären auch die regelmäßigen Donnerstagsdemos gesichert.

Franz Zillinger, Reyersdorf

Erschienen am Sa, 5.10.2019

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