Das freie Wort

Gedanken zum Welttierschutztag

Angesichts des aktuellen Weltgeschehens, geprägt von Krieg, Katastrophen und Flüchtlingsströmen, mag ein Welttierschutztag vielen als obsolet erscheinen. Aber gerade angesichts fehlender Perspektiven und zunehmender Resignation wirken Empathie und Idealismus als Antidot gegen die Hoffnungslosigkeit. Der Grad an Verrohung einer Gesellschaft lässt sich am Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern ablesen, und diese Tatsache stellt uns kein gutes Zeugnis aus. Unser Zugang zu Tieren bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Vermenschlichung und der Versachlichung der Tiere. Auf der einen Seite werden Tiere verhätschelt und weit besser behandelt als Menschen, während auf der anderen Seite Tiere unter lebensunwürdigen Bedingungen vor sich hin vegetieren, nur um mit maximalem Gewinn getötet zu werden. Tatsächlich sind Tiere in beiden Fällen meist nur Mittel zum Zweck – das gestylte Hunderl in der Handtasche genauso wie das massakrierte Schwein auf dem Teller. Einzig der Zweck ist unterschiedlich. „Tierschutz“ war erst dann erfolgreich, wenn er einem gesunden „Tierrespekt“ gewichen ist. Tiere einfach Tiere sein lassen, ohne Nutzen und Fremdzweck – gemäß dem Motto: Leben und leben lassen.

Ingrid Stracke, Tierschutzverein Purzel & Vicky, Vasoldsberg

Erschienen am Fr, 4.10.2019

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