Gemischte Gefühle

“Hicke” sieht in 3:4-Schlappe auch Positives

Fußball
28.03.2008 12:35
Das 3:4 des österreichischen Nationalteams am Mittwoch gegen die Niederlande hat bei Teamchef Josef Hickersberger Spuren hinterlassen. "Ich bin wahnsinnig enttäuscht, weil ich die Auswirkung auf die Mannschaft spüre", erklärte der 59-Jährige angesichts der Niederlage trotz einer 3:0-Führung. Grund zur Beunruhigung sieht "Hicke" nach zuletzt vier Partien ohne Sieg aber nicht, "denn ich sehe eine Entwicklung, die man auch im Ausland registriert".

Die Partie gegen die "Oranjes" verglich Hickersberger mit dem Wetter am Vortag des Spiels, als sich Sonne und Schneeschauer abwechselten. "In der ersten Hälfte hatten wir Sonnenschein, in der zweiten Hälfte hat es uns etwas reingeregnet", resümierte der Niederösterreicher und verglich seine Spieler in der zweiten Hälfte mit einem angeschlagenen Boxer, "der in den Seilen hängt. Wir haben die Hände nicht mehr hochgebracht, um uns zu verteidigen".

Körperlich am Ende
Tatsächlich machten die Österreicher gegen den Europameister von 1988 nach dem Seitenwechsel phasenweise den Eindruck, als seien sie stehend K.o. "Wir haben 55, 60 Minuten sehr gut gespielt, sind dann aber nicht mehr in der Lage gewesen, den Vorsprung zu retten. Nach dem 2:3 war es absehbar, dass uns das auf diese Art und Weise nicht gelingen wird. Es ist uns nicht gelungen, höher zu verteidigen, noch dazu haben wir einige Fehler gemacht, und mit solchen Fehlern ist es schwierig, gegen eine Mannschaft wie die Niederlande zu gewinnen", resümierte Hickersberger. Der physische Rückfall nach der Pause liegt laut Teamchef auch daran, dass sich manche Kicker in der Anfangsphase zu viel zumuteten.

Die körperlichen Mangelerscheinungen, die schon beim 0:3 gegen Deutschland im Februar offensichtlich waren, seien kein konditionelles Problem, "sondern vielmehr eines der Ökonomie. Die Spieler können sich ihre mentalen und physischen Kräfte nicht so einteilen, dass sie über die volle Distanz kommen", konstatierte Hickersberger, der auf ein Ausschöpfen des Austauschkontingents verzichtete und nur drei neue Spieler brachte, während sein gegenüber Marco van Basten fünf Mal wechselte. Hickersberger wollte damit nach eigenen Angaben die EURO-Situation simulieren, denn auch bei der EM darf nur dreimal getauscht werden. Um bei der Heim-EM Erfolg zu haben, müsse seine Mannschaft lernen, den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten und dadurch Kräfte zu sparen.

Positive Entwicklung sichtbar
Hickersberger war aber auch bemüht, die positiven Seiten des 3:4 hervorzuheben. So freute er sich über die Effizienz bei der Chancenauswertung, die gegen Deutschland noch gefehlt hatte. "Ich möchte schon registrieren, dass eine junge österreichische Mannschaft gegen Deutschland gut gespielt hat und gegen die Niederlande drei Tore geschossen hat. So etwas passiert den Niederländern auch nicht immer. Das ist eine Entwicklung, die Hoffnung macht."

Absage an Scharner-Rückkehr
Entwickelt hat sich tatsächlich eine bemerkenswerte Altersstruktur im ÖFB-Team: In der Anfangsformation stand kein Spieler über 30 Jahre, der Alterschnitt der zu Beginn einlaufenden Feldspieler betrug sogar nur 22,7 Jahre. Zwar nicht direkt auf Paul Scharner angesprochen, erteilte "Hicke" dennoch einer Rückkehr des Wigan-Legionärs eine wohl klare Absage. "Ich glaube nicht, dass der eine oder andere Spieler unsere Probleme lösen könnte, zumindest nicht, ohne negative Folgeerscheinungen nach sich zu ziehen."

Das Team geht nun in eine mehrwöchige Pause. Wenige Tage vor der letzten Liga-Runde am 26. April wird Hickersberger einen EM-Groß-Kader von rund 30 Spielern bekanntgeben. Wohl ausschließlich die darin aufscheinenden Kicker der österreichischen liga heben am 5. Mai zu einem fünftägigen Trainingslager nach Sardinien ab, alle Legionäre (außer Ivanschitz oder Macho werden in Griechenland Meister) stoßen erst Mitte Mai zum Team.

Die letzten beiden Testspiele vor der EURO steigen am 27. Mai gegen Nigeria und am 30. Mai gegen Malta jeweils in Graz, am 28. Mai nominiert Hickersberger das definitive 23-Mann-Aufgebot für die Heim-EM.

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