Hängende Köpfe

Österreich verliert gegen die Niederlande 3:4

Fußball
27.03.2008 15:16
Österreichs Nationalmannschaft ist am Mittwochabend wieder einmal gescheitert. Obwohl die Truppe von Teamchef Josef Hickersberger in der ersten Halbzeit vor 40.500 Zusehern im Wiener Ernst-Happel-Stadion groß auftrumpfte, die Niederlande an die Wand spielte und bereits 3:0 in Führung lag, gab es am Ende wieder nur lange Gesichter. In der zweiten Hälfte klappte nämlich gar nichts mehr, und die Niederländer verwandelten ihren 0:3-Rückstand noch in einen 4:3-Sieg. Kapitän Andreas Ivanschitz bringt die Stimmung nach dem verpatzten Test auf den Punkt: "Das ist bitter für die Mannschaft, die Fans und die Moral!" (siehe Video!)

Dabei präsentierten sich Ivanschitz und Co. wie schon beim 0:3 gegen Deutschland im Februar in der ersten Hälfte im Vergleich zu den Testspielen des Vorjahres stark verbessert. Und im Gegensatz zum Duell mit der DFB-Elf zeigten sich die Österreicher diesmal auch äußerst effizient im Abschluss. Denn bereits die erste Chance der Hausherren führte in der 6. Minute zum 1:0, dem ersten ÖFB-Tor nach zuletzt drei trefferlosen Matches. Harnik bediente mit einem idealen Wechselpass Ivanschitz, der Heitinga mühelos stehen ließ und ins lange Eck traf, wobei "Oranje"-Goalie Timmer den Ball noch berührte.

Bilder, Reaktionen und Pressestimmen zum Spiel findest du in der Infobox!

Nach einer engagierten Anfangsphase der ÖFB-Elf bekamen die Niederländer die Partie zwar dank ihrer Ballsicherheit langsam in den Griff, vermochten sich aber gegen die gut organisierten Österreicher, die mit Linz als einziger echter Spitze, Harnik als rechtem Flügel und mit Säumel als einzigem klassischen "Sechser" agierten, vorerst nicht entscheidend in Szene zu setzen.

Doppelpack von Prödl
Dafür wurden sie bei zwei Standard-Situationen kalt erwischt. In der 18. Minute zirkelte Ivanschitz von rechts einen Eckball zur Mitte, Prödl gewann das Luftduell mit Mathijsen und erzielte in seinem achten Länderspiel sein erstes ÖFB-Tor. Wie ein Spiegelbild seines Debüt-Treffers mutete auch das 3:0 durch den Sturm-Graz-Innenverteidiger in der 35. Minute an. Wieder brachte Ivanschitz einen Corner von rechts zur Mitte, wieder war Prödl per Kopf zur Stelle und wie bei beiden vorangegangenen Toren machte die niederländische Defensive inklusive Goalie Timmer einen alles andere als sattelfesten Eindruck.

Doch während die Österreicher die Deutschen in der ersten Hälfte förmlich an die Wand gespielt hatten, hatten die Niederländer schon vor dem Seitenwechsel mehr vom Spiel. Die erste Groß-Chance der "Elftal" machte Prödl mit einem Tackling gegen den einschussbereiten Huntelaar noch zunichte (23.), in der 37. Minute aber brachte der Ajax-Stürmer die Gäste mit einem Kopfball nach Sneijder-Eckball wieder heran. Der chancenlose ÖFB-Goalie Payer, der diesmal laut Rotation den Vorzug bekam, hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Ball zu halten bekommen.

Nach der Pause spielten die Niederländer
Nach dem Seitenwechsel spielte sich die Partie fast zur Gänze in der Hälfte der Österreicher ab. Dennoch schien die ÖFB-Abwehr den niederländischen Angriffen zunächst standzuhalten, erst ein unglückliches Gegentor in der 67. Minute brachte die Wende. Nach einem hohen Ball in den Strafraum riskierte Van der Vaart, dem das Leder zuvor allerdings an die Hand gefallen sein dürfte, einen Fersler, Prödl schlug anstatt zu klären ein Luftloch und Heitinga schoss aus rund fünf Metern ein.

Die "Oranjes" erhöhten weiter den Druck und kamen dem Ausgleich erstmals in der 69. Minute nahe, als Payer vor dem allein heranstürmenden De Cler rettete. Das 3:3 ging dann aber zumindest zum Großteil auf die Kappe des Rapid-Goalies. Nachdem Pogatetz am Fünfer eine Kerze fabriziert hatte, war Huntelaar mit dem Kopf vor Payer mit den Fäusten am Ball und der kurz zuvor eingewechselte Vennegoor of Hesselink erzielte aus kurzer Distanz das verdiente 3:3 (82.). Zwei Minuten später drehte Payer einen Hesselink-Kopfball noch über die Latte, wieder zwei Minuten danach aber fiel der Siegestreffer für den Europameister von 1988. Huntelaar gewann im Strafraum den Zweikampf mit Prödl und schoss zum Endstand ein.

Keine Probleme rund ums Match

Sowohl der Zu- als auch der Abstrom der Besucher verlief ruhig und in angemessener Zeit. Die zum Praterstern führende Straßenbahnlinie 21 gab eine gelungene Abschiedsvorstellung. "Den großen Schwung hatten wir eine halbe Stunde nach Spielende abtransportiert", sagte Johann Ehrengruber, Sprecher der Wiener Linien. Ein schadhafter Zug verursachte jedoch kurzfristig einen Stau in der Ausstellungsstraße, sonst kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Zahlreiche Matchbesucher wanderten diesmal auch in Richtung Landstraße zur U3 ab.


Kaum Arbeit für die Polizei

Wenig Arbeit hatte die Polizei: Es gab kaum negative Emotionen, keine Zwischenfälle oder Aggressionen unter den Fans. Damit fiel die Bilanz der Exekutive durchwegs positiv aus. "Es war ein Fußballfest", sagte Oberstleutnant Christian Stella vom Landespolizeikommando Wien. Es sei eine Probe gewesen und diese habe wunderbar funktioniert. Man sollte das Spiel aber nicht als Maßstab für die EURO nehmen, so Stella. Denn für die Exekutive war es nicht wirklich eine Herausforderung.

Keine "richtigen" Verletzten
Ohne einen "richtigen" Verletzten versorgen zu müssen, beendete das Wiener Rot Kreuz-Team die letzte "Generalprobe" vor der EM. Insgesamt habe es nur drei Interventionen gegeben: eine Abschürfung und zwei Kratzer, erklärte das Einsatzteam. Die Patienten konnten gleich nach der Verarztung das Match weiterverfolgen. "Das Spannendste am heutigen Abend war das packende Spiel", scherzte Einsatzleiter Harald Ladislav. Insgesamt waren die Helfer mit 74 Sanitätern und drei Notärzten sowie sieben Wägen im Einsatz. Die 100 Bereitschaftskräfte aus dem EM-Sanitätsteam durften zu Hause bleiben.

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