Olympia-Knall um die Nordische Kombination! Wie das Internationale Olympische Komitee am Dienstag nach einer Sitzung seiner Exekutive bekannt gegeben hat, fliegt der Traditionssport aus dem Programm. Aus Österreich folgen empörte Reaktionen ...
Das Olympia-Aus für die Nordische Kombination ist nun offiziell besiegelt. Lange wurde über die Zukunft des Traditionssports spekuliert, nun gibt es zumindest in olympischer Hinsicht einen bitteren Rückschlag. Denn das IOC hat am Dienstag entschieden, dass die traditionsreiche Mischung aus Skispringen und Langlaufen schon bei den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen nach mehr als 100 Jahren nicht mehr im Programm stehen wird.
Weiterhin im Programm bleiben aber die Alpin-Snowboarder mit dem Parallel-Riesentorlauf. Ein Olympia-Debüt werden Freeride (Ski bzw. Snowboard) sowie Synchro9 (Eiskunstlauf) feiern.
Gesamtweltcupsieger Lamparter niedergeschlagen
„Die heutige Entscheidung des IOC ist eine Hiobsbotschaft für den österreichischen Wintersport und ein schwerer Schlag für die Nordische Kombination“, sagte ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher in einer Mitteilung. Kaum eine andere Disziplin stehe so sehr für Tradition und eine österreichische Erfolgsgeschichte wie diese. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass die sichtbare Weiterentwicklung dieser Sportart nicht ausreichend berücksichtigt wurde.“ Insgesamt brachten es die rot-weiß-roten Kombinierer auf 19 Medaillen: 3 in Gold, 4 in Silber und 12 in Bronze.
Auch Johannes Lamparter, der bei den Winterspielen in Italien im Februar zweimal Silber sowie einmal Bronze gewonnen hatte, war betrübt. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Die Entscheidung haben wir alle nicht so erwartet“, sagte der Gesamtweltcupsieger. „Wie in jeder Sportart ist Olympia das Große. Die Begründung verstehe ich nicht. Das tut gerade ein bissl weh.“ Der 24-jährige Tiroler sprach von einem Traum, „der uns genommen wird“. Man fühle sich innerlich leer, ergänzte er. „Jetzt ist die Frage, wie es mit der Sportart weitergeht. Das weiß niemand.“ Für die Vorbereitung auf die kommende Weltcup-Saison inklusive WM in Falun bleibe bei Lamparter aber alles gleich.
Die Nordische Kombination sei laut Studien beim Publikum die unbeliebteste Sportart der Winterspiele 2014, 2018, 2022 und 2026 gewesen, begründete das IOC seine Entscheidung. „Bei den letzten Olympischen Winterspielen war sie in elf der 14 bewerteten Beliebtheitsindikatoren die Sportart mit den niedrigsten Werten“, hieß es in einer Erklärung. In Italien durften nur die männlichen Kombinierer starten. Darüber hinaus konzentriere sich die Sportart zu sehr auf nur wenige Länder, erklärte das IOC. „Wir wissen und können vollkommen nachvollziehen, dass das eine Enttäuschung sein mag“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und fügte hinzu, sie habe den Verantwortlichen der Nordischen Kombination mitgeteilt, dass „die Möglichkeit für 2034 immer offen ist“.
„Herber Schlag“ laut Nussbaumer
ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer bedauerte die Entscheidung ebenfalls. „Wir haben bis zuletzt gemeinsam mit Ski Austria auf allen Ebenen gekämpft, hatten erst letzte Woche einen gemeinsamen Austausch mit dem neuen FIS-Präsidenten und haben uns auch bei unserem Besuch bei IOC-Präsidentin Kirsty Coventry Mitte Juni stark gemacht“, sagte er. Dass dieser Einsatz vergeblich war, sei ein herber Schlag für die Athletinnen und Athleten. „Klar ist, dass wir gemeinsam mit Ski Austria die Nordische Kombination in dieser schwierigen Phase unterstützen werden, um den Weg zurück ins Olympia-Programm zu finden“, ergänzte Nussbaumer.
FIS-Präsident Alexander Ospelt sprach ebenfalls von einer großen Enttäuschung. Man werde „alles in unserer Macht Stehende tun“, um die vom IOC aufgezeigten Herausforderungen zu bewältigen, „und wir werden hart daran arbeiten, die Nordische Kombination 2034 wieder bei den Olympischen Winterspielen zu sehen“, betonte Ospelt.
Erstmals Geschlechterparität bei Olympia
„Unsere Athletinnen und Athleten haben enorme Fortschritte gemacht, die leider nicht jene Anerkennung finden, die sie verdienen“, monierte Stecher. Die Auswirkungen dieser Entscheidungen würden weit über die Nordische Kombination hinausreichen. „Auch das Skispringen ist unmittelbar betroffen, denn ohne olympische Perspektive wird es mittelfristig schwieriger werden, Schanzenanlagen zu erhalten und den Nachwuchs nachhaltig zu fördern“, erklärte der frühere Kombinierer. „Am schwersten wiegt jedoch eines: Vielen Talenten wird mit einem Schlag eine Zukunftsperspektive genommen. Kinder und Jugendliche, die mit Leidenschaft trainieren, verlieren ihr großes Ziel – den olympischen Traum.“
Das IOC teilte zudem mit, dass bei den Winterspielen 2030 erstmals Geschlechterparität herrschen wird. Die Startplätze werden zu gleichen Teilen zwischen Männern und Frauen verteilt, etwa 3.046 Athleten werden in 126 Bewerben antreten. Auch Skibergsteigen bleibt – wie bereits im Juni festgelegt – olympisch. Außerdem wurden mehrere neue Disziplinen ins Programm aufgenommen: Darunter ein Super-Team-Bewerb im Frauen-Skispringen, ein Mixed-Team-Bewerb im Skicross, ein Parallel-Mixed-Team-Bewerb bei den alpinen Snowboardern sowie ein Single-Mixed-Bewerb im Biathlon.
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