"Glow"

Wolfgang Muthspiel und Dhafer Youssef: "Glow"

Musik
19.11.2007 21:26
Nach seiner bemerkenswerten Kollaboration mit dem amerikanischen Schlagzeuger Brian Blade widmet sich der österreichische Jazz-Gitarrist Wolfgang Muthspiel erneut einem faszinierenden Duo-Projekt: Zusammen mit dem Tunesier Dhafer Youssef hat der gebürtige Steirer das Album "Glow" eingespielt. Darauf verschmelzen nicht nur die Klänge von Jazzgitarre und dem arabischen Oud - auch die Mentalitäten der beiden weltoffenen Musiker.
(Bild: kmm)

Muthspiel ist der derzeit wohl angesagteste Jazz-Gitarrist zwischen Bregenz und Wien und leistet mit seinem Plattenlabel Material Records nebenbei noch Pflege für die doch sehr überschaubare Jazzer-Szene Österreichs. Dhafer Youssef ist gebürtiger Tunesier und wanderte Anfang der Neunziger nach Österreich aus, wo ihn seine Laufbahn zuerst als Tellerwäscher (!) von Graz nach Wien führte, wo er rasch in der Jazzszene Beachtung fand. Mittlerweile lebt der Sänger und Oud-Spieler (Oud = arabische Laute) in Paris.

"Glow" ist aber nicht nur Muthspiel meets Youssef, wenn auch sehr von den beiden Hauptakteuren geprägt. Matthias Pichler von Muthspiels Trio-Formation steht am Bass, Alegre Correa betreut Drums und Percussion, Trompete und Flügelhorn bedient der 61-jährige US-Musiker Tom Harrell. Rebekka Bakken brilliert neben Hauptstimme Dhafer Youssef als Vocalistin auf "Cosmology".

Die insgesamt zehn Stücke auf "Glow" sind ein betörender Mix aus Muthspiels relaxten Balladen und den hochemotionalen, aufwühlenden Kompositionen Dhafer Youssefs. Gar nicht so sehr als Oud-Spieler, vor allem als unbändiger Sänger mit gewaltigem Stimmumfang und unbeschreiblichem Ausdruck sticht der 40-Jährige auf "Glow" hervor. Fünf Stücke haben Muthspiel (42) und Youssef zusammen komponiert, vier weitere entstammen der Feder des Gitarristen, "Maya" steuerte der Tunesier als seine Solo-Komposition bei.

Vom quirligen "Babylon" über die Wahnsinnskomposition "Sand Dance", auf dem Youssefs gepresster Gesang dem Zuhörer durch Mark und Bein fährt, während Muthspiel mit bluesigen Riffs pariert; vom klassisch anmutenden "Lamento" über das psychedelische "Cosmology", dem Rebekka Bakken und Dhafer Youssef durch Sprechchöre und Flüstern eine mystische Aura verleihen bis zum melodiösen "Emmerich" - "Glow" überrascht den Zuhörer bei jeder Note.

Auch musikalisch wird stets Abwechslung dargeboten: Alegre Correa spielt auch mal indische Tabla, Darabukka oder rührt mit kräftigen Funk-Beats in den Trommeln. Muthspiels Effektspielereien reichen wie gewohnt von der oktavierten Jazzgitarre über trickreiche Loops bis hin zum Einsatz einer Midi-Gitarre, die digital zum Fender Rhodes Piano umfunktioniert wird. Dazwischen erzeugen Oud, Trompete und der unverfälschte Tiroler Bass ein erdiges Fundament.

Fazit: Eine erlebnisreiche, emotional mitreißende und musikalisch auf hohem Niveau angesiedelte Produktion. Schon beim Anhören kann man es nicht erwarten, die perfekte Synergie der aus so verschiedenen Teilen der Welt stammenden Musiker bald live zu erleben.

10 von 10 aufschimmernden Punkten


Christoph Andert

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