Achtziger-Kult

Duran Durans "Red Carpet Massacre"

Musik
15.11.2007 17:53
"Sie sind wieder zurück", durfte man schon vor sechs Jahren texten, als sich Duran Duran in ihrer erfolgreichsten Besetzung zum Comeback anmeldeten. Doch die Reunion blieb nur von kurzer Dauer und außerdem hatte ja niemand gesagt, dass sie dableiben würden. Egal: Mit ihrem neuen Album "Red Carpet Massacre" melden sie sich jedenfalls wieder, äh... zurück. krone.at hat alles zum Album plus exklusive Streams der neuen Platte in voller Länge!
(Bild: kmm)

Insgesamt zwölf Musiker könnten mit Fug und Recht behaupten, dass sie Mitglied von Duran Duran waren und mit der Band Erfolge feierten. Nach drei Schaffensperioden seit 1980 (mit unterschiedlicher Besetzung aber gleichem Stil) hatte sich 2001 wieder das erfolgreichste Line-Up mit Simon Le Bon, Nick Rhodes, Roger Taylor, John Taylor und Andy Taylor zusammengerottet und mit dem Erfolgsalbum "Astronaut" die alten Fans mobilisiert. 2006 hat Andy Taylor die Band aber ein zweites Mal verlassen und die Fangemeinde auf Zerreißprobe gestellt - anlässlich der neuen Platte "Red Carpet Massacre" müssen die jetzt ihre Merchandising-Sammlung mit den Fünfer-Line-Up wieder neu überdenken.

Dafür lässt sich das neue Album in hervorragend in Kombination mit dem Reunionswerk "Astronaut" aus dem Jahr 2004 hören. Dem sehr elektronischen Stil der Comeback-Platte steht das unter Mitarbeit des derzeitigen "Gott der Produzenten" Timbaland hergestellte Werk in nichts nach.

Die vier Briten wussten den Beatmaster allerdings zu zügeln und echte Instrumente in die Beat-Mischung aus Schuhkarton-Klopfen und Samba-Percussion einzuarbeiten. Zum anderen waren da auch noch andere Produzenten wie Jimmy Douglass (Rolling Stones, Brian Ferry, Snoop Dog, Jay-Z) zur Stelle, die Timbalands Vorgaben exzellent mit dem Duran-Duran-Sound vermischten. 

Auch Justin Timberlake durfte sich auf "Red Carpet Massacre" einen Traum erfüllen und mit Duran Duran zusammenarbeiten. Unter seiner Regie entstand die sehr achtbare Single "Falling Down", eine für die in der Welle der "New Romantics" entstandene Band untypische "Halb-Ballade", die zum Tanzen zu langsam und zum Kuscheln zu schnell ist. "Nite Runner" verkommt unter der Oberbefehlsgewalt des Ex-Boygroup-Sängers jedoch zu einem Timberlake-Song mit vielen "Ah-Ha"s und Beat-Box-Drums, was Duran Duran weniger gut bekommt.

Den ingesamt vier Timbaland/Timberlake-Tracks stehen aber ohnehin acht Songs gegenüber, die die ursprüngliche Trademark transportieren. "Box full o' Honey" wird von Akustikgitarren getragen, über denen Nick Rhodes Synthesizer fliegen, "Tricked Out" klingt wie psychedelischer Elektro-Punk (!) und "The Valley" bietet sogar ein handfestes Bassgitarren-Solo, das sich jedoch mit dem Ausstieg von Gitarrist Andy Taylor und dem Verbleib von Bassist John Taylor als letztes Originalmitglied mit Saiteninstrument relativ leicht erklären lässt. Über all der musikalischen Vielschichtigkeit, die mit zwei-, dreimal durchhören längst nicht erfasst werden kann, thront schließlich als gewohnter Dauereffekt Simon Le Bon, der tiefgründige Texte mit vielen Metaphern über Liebe und andere Qualen singen darf.

Fazit: Relativ komplizierter, nicht gerade selbsterklärender Edel-Pop, dem die Erfahrung seiner Interpreten den Zuckerguss verleiht.

7,5 von 10 Achtziger-Kulten


Christoph Andert

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