Do, 21. Juni 2018

Pränataldiagnostik

08.09.2017 06:00

"Ist mein Kind gesund?"

Eines vorweg: 96 bis 97 Prozent aller Babys entwickeln sich ohne Erkrankung oder Fehlbildung. Ist das nicht der Fall, können - dank moderner Untersuchungsmethoden - heute Störungen früh erkannt und manche Leiden schon im Mutterleib behandelt werden.

Zusätzlich zur normalen Schwangerschaftsvorsorge im Rahmen des Mutter-Kind-Passes gibt es vorgeburtliche Untersuchungen, die bestimmte Erkrankungen oder Gendefekte aufspüren. Diese Tests werden übrigens nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Nach dem ersten Drittel der Schwangerschaft, ab der 12. Woche hat das Ungeborene bereits alle Organe. Mit genauer Ultraschalluntersuchung können größere Auffälligkeiten und Fehlbildungen bereits entdeckt werden. Der Combined Test (Messung der Nackentransparenz in Verbindung mit einer Blutabnahme) bestimmt die Wahrscheinlichkeit für Chromosomenstörungen (z. B. Down Syndrom).

Ist dieser Befund auffällig, wird mit Hilfe einer Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Gewebe des Mutterkuchens) oder einer Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) eine Störung bestätigt oder ausgeschlossen. "Diese Methoden sind aber mit einem Eingriff und dadurch gewissen Risiken verbunden. Bei der Fruchtwasseruntersuchung kann es in 0,5 Prozent, bei der Chorionzottenbiopsie in etwa einem Prozent zu einem Abortus kommen", erklärt Prim. Univ.-Prof. DDr. Barbara Maier, Fachärztin für Frauenheilkunde, Wilhelminenspital in Wien.

Down Syndrom
Trisomie 21 (Down Syndrom) ist die häufigste diagnostizierte Chromosomenabweichung (etwa 50 Prozent aller auffälligen Befunde nach einer Fruchtwasseruntersuchung). Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter der Frau.

Im zweiten Drittel der Schwangerschaft erfolgt der Organ-Ultraschall. Dabei wird das Ungeborene "von Kopf bis Fuß" durchgecheckt. Zusätzlich ist es möglich, mittels Doppler-Ultraschall den mütterlichen Blutfluss zur Plazenta zu messen.

In der 30. bis 34. Woche untersucht man mittels Ultraschall die Entwicklung und das Wohlbefinden des Kindes. Außerdem wird festgestellt, ob die Versorgung durch die Plazenta noch gut funktioniert.

"Entdeckt man bei den ersten Untersuchungen Abweichungen, kommen meist Folgeuntersuchungen auf die werdende Mutter zu. Dadurch vermag das sogenannte "Bonding" für die Schwangere sehr schwierig zu sein. Sie kann oder will noch keine zu intensive Verbindung mit dem Ungeborenen aufbauen, weil sie noch nicht weiß, ob sie das Kind überhaupt austragen wird", betont Prim Maier. Das ist aber nur eine der Schattenseiten der Pränataldiagnostik. "Jede Frau sollte sich schon vor den Untersuchungen bewusst machen, dass sie sich möglicherweise und oft in kurzer Zeit einer Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch stellen muss."

Schwangerschaftsabbruch
Ein Abbruch nach pränataler Diagnostik erfolgt relativ spät, da erst ab etwa der 11. Schwangerschaftswoche invasive Tests möglich sind. Ab der 14. Woche ist dieser nicht mehr durch Absaugung oder Ausschabung unter Narkose durchführbar. Beim sogenannten "späten Schwangerschaftsabbruch" wird durch die Gabe von Wehenmitteln eine Geburt eingeleitet, Dieser Vorgang kann zwei bis drei Tage dauern und enorm belastend sein.

Bevor Eltern eine so schwierige Entscheidung treffen, sollten sie ausreichende Beratung und Betreuung erhalten. Kontaktadressen findet man unter www.pränatal-info.at.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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