27.04.2017 08:42 |

Wollte Waffe werfen

Bluttat in Wien: Es war kein gezielter Kopfschuss

Der 26-jährige Angestellte, der am Ostersonntag auf offener Straße in Wien-Brigittenau erschossen wurde, ist offenbar nicht an einem gezielten Kopfschuss gestorben. Darüber hinaus liegen Aussagen vor, welche die "Unfallversion" des Schützen untermauern, der sich wegen Mordverdachts in U-Haft befindet. Er hat die "Schusswaffe wie ein Wurfgeschoss gehalten", sagte einer der Zeugen.

Der Verdächtige hatte sich - wie berichtet - am 16. April mit dem später Getöteten zu einer Aussprache verabredet. Das Treffen im Café "Blanco" in der Jägerstraße verlief zunächst friedlich, ehe sich vor dem Lokal eine Auseinandersetzung um eine gemeinsame Bekannte der beiden Männer entwickelte. Der 26-Jährige - angeblich ein Kampfsportler - soll dem gebürtigen Kosovaren einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben, worauf dieser zunächst zu einem Pfefferspray und - als er damit sein Ziel verfehlte - einer geladenen Schusswaffe griff, die er eingesteckt hatte. Seiner Darstellung zufolge wollte er die Waffe seinem Kontrahenten bloß auf den Kopf schlagen. Plötzlich habe es gekracht.

Projektil ging durch Arm und Wange
Laut Polizeibericht sei der Schuss zunächst in den rechten Oberarm eingedrungen, "welchen das Opfer offenbar gehoben hatte". Danach ging das Projektil durch die Wange und trat "im oberen Kopfbereich wieder aus". Der 27-Jährige hatte sich unmittelbar nach der Tat in einer nahe gelegenen Polizeiinspektion freiwillig gestellt und erklärt, er habe sich gegen den Mann mit bosnischen Wurzeln gewehrt. Dabei sei der Schuss unabsichtlich losgegangen. 

Zeugen stützen "Unfallversion"
Zwei völlig unbeteiligte Zeugen haben dazu Wahrnehmungen gemacht, die gegen einen zielgerichteten Kopfschuss sprechen. Bei den beiden handelt es sich um einen 24-Jährigen und eine Bekannte des Mannes, die am Gaußplatz mit seinem Hund unterwegs waren. Die zwei bekamen aus einer Entfernung von 30 bis 40 Metern zufällig den Streit mit, an dem möglicherweise bis zu fünf Männer beteiligt waren.

"Jedenfalls wirkte es so, als ob sich der Mann, der die Waffe gehalten hat, nicht wirklich mit der Handhabung der Waffe ausgekannt hat. Er wirkte eher unbeholfen und hat mit der Hand, in welcher er die Waffe gehalten hat, weit ausgeholt. Er hat die Waffe nicht gezielt im Anschlag in der Hand gehalten", gab der 24-Jährige in seiner polizeilichen Befragung zu Protokoll.

Seine Bekannte betonte gegenüber den Kriminalisten, sie habe zum Zeitpunkt der Schussabgabe "genau in Richtung der Männer geschaut". Die Frau erklärte als Zeugin unter Wahrheitspflicht: "Jener Mann, der die Waffe in der Hand gehalten hat, hat seinen Arm, mit dem er die Waffe in der Hand gehalten hat, unkoordiniert schräg von unten nach oben bewegt und hat dabei dann einen Schuss abgefeuert." Sie könne nicht sagen, "ob dies mit Absicht oder versehentlich passiert ist".

"Schusswaffe wie ein Wurfgeschoss gehalten"
Mittlerweile formell als Zeuge vernommen wurde auch jener Bekannte des Schützen, der mit seinem Pkw gerade die Jägerstraße entlangfuhr, als der Streit eskalierte. Er hatte den 27-Jährigen unmittelbar nach dem tödlichen Schuss zur Polizei chauffiert. Dieser hätte die Waffe "komisch gehalten", legte dieser Zeuge dar: "Er wollte ziemlich sicher mit der Waffe zuschlagen, denn würde man schießen wollen, würde man eine Schusswaffe anders halten. Er hat diese Schusswaffe wie ein Wurfgeschoss gehalten."

Entscheidende Bedeutung im weiteren Verlauf des Ermittlungsverfahrens wird den Sachverständigengutachten zukommen. Neben dem schriftlichen Obduktionsgutachten des Gerichtsmediziners wird mit Spannung auf die Auswertung eines Chemikers zu den Schmauchspuren gewartet. Ein Ballistiker soll wiederum anhand des Schusskanals den Tathergang rekonstruieren und vor allem klären, inwieweit sich die Darstellung des Schützen mit der Machart und Funktionsweise der sichergestellten Waffe in Einklang bringen lässt.

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