05.07.2006 16:51 |

Traum geplatzt

Italien zieht mit zwei späten Toren ins Finale ein

Fußball-Deutschland trauert - der Traum vom vierten WM-Titel ist geplatzt. Nach leidenschaftlichem Kampf verlor die deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend in Dortmund den Fußball-Klassiker gegen Italien mit 0:2 (0:0) nach Verlängerung und scheiterte zum vierten Mal nach 1934, 1958 und 1970 im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Fabio Grosso (119. Minute) und Alessandro del Piero (120.+1) erzielten die Tore für die "Azzurri", die die deutschen Hoffnungen beendeten und Italien zum sechsten Mal in ein WM-Endspiel brachten. Dort ist am Sonntag (20.00 Uhr) in Berlin der Gewinner des zweiten Halbfinals zwischen Frankreich und Portugal der Gegner.

Exakt 52 Jahre nach dem "Wunder von Bern" verpasste die deutsche Mannschaft dagegen den ganz großen Wurf und muss sich nun mit dem kleinen Finale um den dritten Platz gegen den Verlierer des Mittwoch-Duells in München begnügen.

Nach von großer taktischer Disziplin geprägten 90 Minuten hatte die DFB-Auswahl zu Beginn der dramatischen Verlängerung gleich zwei Schrecksekunden zu überstehen. In der 91. Minute setzte sich der eingewechselte Alberto Gilardino gegen Michael Ballack durch und traf die Innenstange. 60 Sekunden später jagte Gianluca Zambrotta den Ball aus 16 Metern an die Oberkante der Latte. In der 105. und 112. Minute verpasste Lukas Podolski zwei Mal das deutsche Siegtor.

Abgeklärte Italiener
Vier Tage nach dem 120-minütigen Krimi gegen Argentinien unterstrich die deutsche Mannschaft bei Temperaturen von fast 30 Grad auch im Duell der dreimaligen Weltmeister, wie sehr sie im Turnierverlauf zu einer Einheit zusammengewachsen ist. In einem Geduldsspiel ließ sich die "Squadra Azzurra" aber von der stimmungsvollen Kulisse kaum beeindrucken und stellte in einer intensiv geführten Partie die abgeklärtere Mannschaft, ehe die Gastgeber nach der Halbzeit entschlossener aufs Tor drängten.

Kapitän Michael Ballack war in seinem 70. Länderspiel Chef in einem deutschen Mittelfeld, das in dieser Besetzung noch nie zusammen gespielt hatte. Den Platz des wegen einer Tätlichkeit nach dem Argentinien-Spiel gesperrten Torsten Frings nahm Sebastian Kehl ein, aber auch der als Alternative genannte Tim Borowski kam überraschend in der Startelf zum Zuge. Er ersetzte im Mittelfeld Bastian Schweinsteiger, dem Co-Trainer Joachim Löw bescheinigte, er habe zuletzt "nicht ganz die Form" gehabt.

Frische Kräfte nach Spielertausch
Die Hereinnahme der beiden frischen Kräfte machte sich durchaus bezahlt. Denn während Ballack trotz seiner Bedeutung als Ballverteiler nicht so spritzig wie zuletzt wirkte, war Borowski auf der linken Seite in die meisten Offensivaktionen einbezogen. In der 40. Minute sah der Bremer für ein Foul an Francesco Totti allerdings die Gelbe Karte. Kehl, der bis zum Halbfinale erst auf 25 WM-Minuten gegen Costa Rica und Schweden gekommen war, fügte sich glänzend in den Defensivverbund ein.

Deutsche Abwehr stark
Christoph Metzelder hielt im Zusammenwirken mit Per Mertesacker Italiens Torjäger Luca Toni sicher in Schach. Einzig Philipp Lahm hatte mit Mauro Camoranesi auf der linken Abwehrseite große Schwierigkeiten. In der Spitze hatten Miroslav Klose und Podolski gegen die auch ohne den verletzten Alessandro Nesta sicher stehende Abwehr der Italiener einen ganz schweren Stand. Seine bis dahin beste Szene hatte der fünffache Turnier-Torschütze in der 50. Minute, als sein Solo im letzten Moment von Gennaro Gattuso gestoppt wurde. Im übrigen erwies sich Fabio Cannavaro in seinem 99. Länderspiel als Turm der Abwehr.

Es dauerte fast eine Viertelstunde, ehe beide Mannschaften die Nervosität abgestreift hatten. Die erste gelungene Kombination über Borowski und Klose hätte beinahe Podolski (15.) in Schussposition gebracht, doch er kam den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Im direkten Gegenzug verhinderte Jens Lehmann mit seinem entschlossenem Herauslaufen gegen den gefürchteten Toni Unheil.

"Azzurri" vor allem über die Flügel gefährlich
Die "Azzurri" wurden immer dann gefährlich, wenn sich Gianluca Zambrotta und Mauro Camoranesi auf den Flügeln ins Offensivspiel einschalteten. Aber auch bei den Standardsituationen der von Andrea Pirlo glänzend dirigierten Gäste musste die Innenverteidigung auf der Hut sein. Die größte deutsche Chance zur Führung verpasste in der 34. Minute Bernd Schneider. Nach Zuspiel von Klose jagte er den Ball aus bester Schussposition über das Tor von Gianluigi Buffon und machte damit deutlich, warum er erst ein Länderspiel-Tor zu Buche stehen hat.

Das Warten auf den einen, entscheidenden Fehler des Gegners setzte sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten fort. Dabei wurde Schneider nun wesentlich häufiger in die Angriffe einbezogen. In der 63. Minute reagierte der im Turnierverlauf bisher nur von seinem Teamkollegen Christian Zaccardo bezwungene Buffon gegen Podolski glänzend, den Nachschuss setzte Arne Friedrich über das Tor. Fünf Minuten vor Schluss bewahrte Lehmanns Kamikaze-Abwehr die DFB-Elf gegen Simone Perrotta vor der drohenden Niederlage.

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