Grantiger Grunge

Laut ist geil: Pearl Jam lassen's wieder krachen

Musik
06.05.2006 18:48
Laut, lauter – Pearl Jam. Schon Wayne Campbell aka Mike Myers beschrieb es mit einem „Schwiiiiing“ und treffender kann man’s gar nicht formulieren. Schließlich sind Pearl Jam – seit es Nirvana nicht mehr gibt – die einzigen legitimen Vertreter des world famous Seattle-Grunge. Und genau das gibt’s auf ihrem neuen Album, das schlicht „Pearl Jam“ heißt. Arzt und Apotheker empfehlen: nicht unter der Lautstärke eines Airbus genießen!
(Bild: kmm)

Seit 2002 hat man von der Band um Frontmann Eddie Vedder außer einem B-Seiten-Album und einer mehr oder weniger unnützen Best-Of-Compilation in Sachen CDs nichts Neues erblickt.

Jetzt sind sie zurück aus der Reserve. In gewohnter Manier und mit einem Koffer voll mit Botschaften und genau den Grooves, die man von Post-Millennium-Bands nie serviert kriegt.

Albumcover mit „Innenleben“
Die kritische Single „World Wide Suicide“ geht voll und ganz konform mit den Bildern im Inneren des Albumcovers: Da gibt’s nämlich keine halbe Avocado (siehe oben) mehr, sondern als erstes einen undefinierbaren Berg aus blutigen Extremitäten, in dem irgendwo die mehr oder weniger zerfetzten Köpfe der fünf Bandmitglieder plus einem unidentifizierten sechsten stecken. Sehr metaphorisch...

Logisch: Bush-bashing mit der Single
Textlich passt dazu die Zeile „The whole world,… world over. It’s a worldwide suicide!“ wie die Faust aufs sprichwörtliche Aug’. Gegen wen und gegen welche Vorgänge in einem nicht allzu fernen Land östlich unserer Grenzen das geht, muss man nicht dazu nennen…

Durchmarsch in bewährter Manier
Und so geht’s auf „Pearl Jam“ dahin. Die ersten fünf Nummern sind Grunge pur. Fette Gitarren, direkte Appelle und ein geradliniger Durchmarsch, bis beim sechsten Track „Parachutes“ zum ersten Mal etwas Ruhe einkehrt. Aber schon drei Minuten fünfunddreißig später klopfen die Gitarristen wieder kräftig aufs Griffbrett. Da werden Akkorde in dreckiger, aber melodiöser Weise in ihre Einzeltöne zerlegt und man möchte meinen, Eddie Vedder hat sich im Studio das Mikro vor den Hals statt vors Sprechorgan gehalten, so kehlig klingt das.

„Vedder than ever“
Und aufregen tut er sich, meine Herrschaften! Über Arbeitslosigkeit, den Mangel an „Weltfrieden“ – falls es für Pearl Jam so was überhaupt geben kann – und über all die anderen Kleinigkeiten und die großen Politiker-Kotzbrocken, die unser Gewissen plagen (sollten)...

Kritik?
Und obwohl das wie die ärgste Lobhudelei klingt, einziger Kritikpunkt an „Pearl Jam“ ist allerhöchstens der etwas schlichte Name des Albums, sofern man so was kritisieren kann. Ach ja, die dreizehn Songs sind zu schnell vorbei – obwohl die Gesamtspielzeit gut 50 Minuten beträgt. Muss wohl am durchwegs zügigen Tempo der Songs liegen…

Fazit: Play it loud, hear it loud – und ja aufpassen, dass man während der ganzen Headbangerei nicht auf’s Nachdenklichsein vergisst.

9 von 10 Mahnungen an ungenannte Adressaten

Pearl Jam gastieren während ihrer Europa-Tour auch in Österreich. Standesgemäße Beschallung wird beim Konzert am 25. September in der Wiener Stadthalle garantiert. Tickets gibt's in der Infobox!


Christoph Andert

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