Die „strengen Einsparungsvorgaben“, die ORF-Chefin Ingrid Thurnher bereits vor einiger Zeit angekündigt hat, nehmen langsam Gestalt an. In einer aktuellen Mitarbeiterinformation ist unter anderem davon die Rede, dass in der Marketing-Tochter OMC etwa der ORF-Shop und die Abteilung „ORF-Stars“ eingestellt werden müssen. Auch werde es künftig weniger Führungskräfte und „viel weniger Hauptabteilungen“ geben.
Um die Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen, seien bereits erste Maßnahmen gesetzt worden. „Die Zahlungen an die Pensionskassen werden ausgesetzt, bei Mehrdienstleistungen und Pauschalen müssen ganz harte Grenzen gesetzt werden, alle Zusatzzahlungen werden strikt evaluiert“, schreibt Thurnher. Und: „Wir werden auch über Nulllohnrunden nachdenken müssen.“ Nicht jeder, der gegenwärtig im ORF beschäftigt sei, werde seinen Job behalten können, bedauert die ORF-Generaldirektorin.
„Kürzungen werden ORF in seinen Grundfesten erschüttern“
Hintergrund ist, dass der ORF künftig 93 Millionen Euro pro Jahr weniger zur Verfügung hat, da die Bundesregierung die Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag gestrichen hat. „Ich habe von Anfang an gesagt: Diese Kürzungen werden den ORF in seinen Grundfesten erschüttern, und ja: das Publikum wird es spüren“, betont Thurnher erneut. Zunächst treffe es aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was aber „nichts mit der Qualität ihrer Arbeit zu tun“ habe.
Der Geschäftsführung ab 2027 unter Clemens Pig zeige man auch weitere Möglichkeiten für Einsparungen auf. Beschlossene Sache sei noch nichts. Man suche nach Antworten – etwa auf Fragen wie: „Wie führen wir ORF III als Sender weiter? Können wir uns das Orchester noch leisten? Welche Sendungen werden wir einstellen müssen? Wie viele Mitarbeiter:innen werden uns verlassen müssen?“ Das finale Budget für 2027 und eine Finanzvorschau für die folgenden Jahre wird am 26. November in einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats beschlossen.
Betriebsrat will Kündigungen bei Marketing-Tochter bekämpfen
Laut einem Artikel der „Salzburger Nachrichten“ werden durch das geplante Aus für den ORF-Shop und die Abteilung „ORF-Stars“ 20 Stellen abgebaut. Die Gewerkschaft GPA reagierte am Donnerstag in einer Aussendung empört. Die gesetzlich abgesicherten Rechte des zuständigen Betriebsrats seien ignoriert worden. Auch der Umgang mit den Beschäftigten sei inakzeptabel, kritisierte Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber. Man werde jede Kündigung bekämpfen, hielt OMC-Betriebsratsvorsitzende Isabella Switil fest.
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