Die neue Arc’teryx Sperro SV Hardshell-Jacke kostet so viel wie ein kleiner Bergurlaub. Die „Bergkrone“ hat sie ausprobiert, wo sich schnell zeigt, ob Outdoor-Ausrüstung ihr Geld wert ist: beim Bergsteigen in den Karnischen Alpen.
Zugegeben: Als ich den Preis von 1.200 Euro gesehen habe, musste ich zweimal hinschauen. Für eine Jacke. Kein Zelt, keine komplette Hochtourenausrüstung – eine Jacke.
Also durfte die neue Arc’teryx Sperro SV gleich mit hinauf in die Karnischen Alpen. Und dort merkt man schnell, was sich die kanadischen Entwickler für die Sperro SV gedacht haben: Die Jacke ist keine ultraleichte Notfall-Hardshell, die möglichst klein im Rucksack verschwindet, sondern eine robuste Bergjacke für Menschen, die viel draußen unterwegs sind.
Das Material fühlt sich dabei kräftig, robust an, jedoch ohne unangenehm steif zu wirken. Rund 500 Gramm bringt die Sperro damit auf die Waage. Für alle Technik-Interessierten: Verarbeitet wird dreilagiges 70D GORE-TEX PRO mit ePE-Membran, also ein Stoff, den der von Gore-Tex-bekannte GORE-Konzern frei von umweltschädlichen Chemikalien entwickelt hat.
Für den Outdoor-Sportler bedeutet das: Wind bleibt draußen, Nässe bleibt draußen, während die Jacke trotzdem genügend Bewegungsfreiheit bietet und auch Platz für eine wärmende Jacke darunter.
Sitzt, passt, funktioniert
Was mir beim Bergsteigen besonders aufgefallen ist, war der Schnitt. Arme hoch, am Fels greifen, Rucksack schultern: Die Jacke wandert nicht ständig nach oben und engt auch nicht ein. Genau so soll es sein.
Auch die Details passen: Die Kapuze funktioniert mit Helm, die Taschen bleiben trotz Rucksack-Hüftgurt erreichbar und über große Reißverschlüsse unter den Armen kann schnell gelüftet werden. Denn wer beim Aufstieg ordentlich schwitzt, wird auch mit der besten Membran irgendwann feucht. Deshalb hilft Aufzippen mehr als jedes technische Versprechen.
Positiv aufgefallen ist mir bei der Testtour die Robustheit der Arc’teryx Sperro SV. Bei vielen extrem leichten Jacken hat man fast Angst, einmal kräftiger am Fels entlangzustreifen. Bei der Sperro denkt man darüber deutlich weniger nach. Sie fühlt sich wie Ausrüstung an, die tatsächlich etwas aushalten soll.
Die kleine Null
Das eigentlich Interessante an der Sperro ist aber nicht einmal das Gore-Tex Material oder das Design. Auf der Jacke findet sich eine kleine „0“. Sie steht für System 0 – und dahinter steckt ein neuer Ansatz von Arc’teryx.
Die Jacke wurde nämlich bereits bei der Konstruktion so geplant, dass sie später möglichst gut repariert, zerlegt und wiederverwertet werden kann. Reißverschlüsse und andere klassische Verschleißteile sollen laut Hersteller leichter austauschbar sein. Über das hauseigene ReBIRD-System von Arc’teryx sollen so zahlreiche Reparaturen möglich sein und damit die Lebensdauer der Jacke verlängern.
Und ist die Jacke irgendwann tatsächlich nicht mehr zu retten, sollen ihre Bestandteile möglichst sauber voneinander getrennt und wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden.
Kurz gesagt: System 0 beginnt nicht beim Recycling, sondern schon beim Entwurf. Das gefällt mir. Denn echte Nachhaltigkeit heißt für mich bei Bergbekleidung nicht, jedes zweite Jahr eine neue „grüne“ Jacke zu kaufen. Sondern eine gute möglichst lange zu tragen.
Aber 1.200 Euro bleiben 1.200 Euro
Natürlich kann man den Preis nicht wegdiskutieren. Für 1.200 Euro bekommt man auch sehr gute Bergjacken anderer Hersteller – und hat noch Geld übrig.
Wer nur gelegentlich wandert, braucht eine Sperro SV wohl kaum. Wer aber viele Tage im Jahr am Berg verbringt, bei jedem Wetter draußen ist und seine Ausrüstung intensiv beansprucht, für den wird die Sache interessanter.
Die Arc’teryx Sperro SV sitzt gut, schützt zuverlässig, fühlt sich robust an und besitzt durchdachte Details. Jetzt muss sie nur noch beweisen, dass sie auch lange genug durchhält.
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