Welttheater Art Carnuntum: Jubel für Dominique Horwitz, der im Alleingang als Doktor Faust in Torsten Fischers Monolog „Herr Teufel Faust“ (nach Goethe) beeindruckt.
Er hat eine Schwäche fürs Diabolische. Schon 1990 begeisterte Dominique Horwitz Wiens Festwochenpublikum als „Stelzfuß“ in Robert Wilsons legendärem „Black Rider“ (Thalia-Theater Hamburg). Nun überraschte er beim Welttheater Art Carnuntum im antiken Amphitheater mit der One-Man-Show „Herr Teufel Faust“, die Torsten Fischer 2024 im Berliner Renaissancetheater uraufgeführt hat.
Kein Goethe-Flickwerk
Readers Digest-Fassungen von Klassikern gegenüber ist Skepsis berechtigt. Aber Fischer komprimiert Goethes „Faust I“ zum packenden Eindreiviertelstunden-Monolog (Raum: Vasilis Triantafilopoulos, Herbert Schäfer), der einem Goethe-Flickwerk oder Zitaten-Marathon ausweicht und keine Längen hat. Schlüsselszenen fügen sich zum Mosaik aus Rollenspiel, Sprache, Pantomime.
Dominique Horwitz (69), der französisch-deutsche Schauspieler, Brecht- und Jacques-Brel-Sänger & Krimiautor, ist ein Verwandlungskünstler. Ein Seiltänzer und Magier der Sprache. Mit enormer Energie, messerscharfer Diktion, voll Liebedienerei und Verächtlichkeit im Ton treibt er Szenen voran: Zynisch und gurrend, wenn Mephistofeles vor Gott dienert. Urkomisch als schnüffelnder schwarzer Pudel. Als zotige Hexe verjüngt er den müden Weltverächter. Als erbarmungsloser Seelenjäger führt er Faust und Gretchen zusammen und stößt sie ins Unglück: Sie wird Mutter- und Kindermörderin, er zum Mörder ihres Bruders.
Aufbruch in den Kosmos
Horwitz steigert sich zum Phantasten und Visionär. Sein Faust brennt nur noch für Eines: Macht, Land, Besitz. Und die Domestizierung der Menschheit! Er beschwört Homunculus, sein Geschöpf im Reagenzglas (aus „Faust II“). „Stirb und Werde“, schreibt Goethe in seinem Gedicht „Selige Sehnsucht“. Faust bricht in den Kosmos auf. Der Sonne und Erlösung entgegen.
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