Geschichten aus der Geschichte sammeln Historiker auch für das Bulletin des Geschichtsvereins, das zweimal im Jahr mit Fakten von seinerzeit überrascht; beispielsweise mit dem Unterhaltungsangebot der 1950er in Pörtschach.
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke am Wörthersee im Jahr 1864 kamen Gäste nach Kärnten; die Sommerfrische wurde en vogue. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Tourismus wieder einen Aufschwung. Auf das Unterhaltungsangebot dieser Zeit blickt Historikerin Heidi Rogy, die mit ihrem Kollegen Peter Wiesflecker das Redaktionsduo des Geschichtsvereins-Bulletins bildet.
Große Stars und Kärntner Unterhalter
Im Hotel Werzer-Astoria in Pörtschach wurden bereits in den 1950er viele Fotos geschossen und in Alben angelegt, die vom Verein Pörtschach Archiv verwahrt werden. Sie erzählen vom bunten Programm: „Zur musikalischen Unterhaltung der Gäste engagierte das Werzer-Astoria ein eigenes Ensemble. Zudem gab es eigene Conférenciers wie Zauberkünstler Bobby Lugano. Aufgetreten sind auch Berühmtheiten wie Vico Torriani, Ossy Kolmann, Fritz Muliar, Hugo Wiener, Cissy Kraner oder Maxi Böhm“, weiß Rogy durch ihre Recherchearbeit. Zum FÜnf-Uhr-Teee wurde nachmittags im Freien getanzt. Abends hatten die Gäste auch bei Partyspielen wie Luftballonaufblasen, Wettrodeln oder Regatta am Parkett Spaß.
Zu Kärntner Abenden wurden heimische Vereine wie die Klagenfurter Volkstanzgruppe Edelweiß eingeladen. „Bei der Jugend waren freilich eher Jitterbug, Boogie-Woogie, Samba, Raspa, Rumba und Rock’n’Roll angesagt. Auch dafür war das Strandcasino Werzer ein Hotspot“, berichtet die Historikerin.
Wer kann den Hula-Hoop-Reifen länger kreisen lassen?
Geboten wurden den Sommerfrischlern zudem Kostümfeste, Bälle, Modeschauen, Miss- und Misterwahlen, Rock’n’Roll-Competitions oder Hula-Hoop-Bewerbe. Viel los war vor allem auch im Bereich des Sports: Es gab hochrangige Tennisturniere, internationale Tanzbewerbe, Segelregatten, Wasserskibewerbe.
Die letzte entscheidende Niederlage des Ersten Weltkrieges erlitt die k.u.k.-Armee in der italienischen Stadt Vittorio Veneto. Am 3. November 1918wurde daher nahe Padua der Waffenstillstand zwischen Italien und Österreich-Ungarn unterzeichnet. Das Tischchen, auf dem das passierte, steht heute noch in einem Nebengebäude der Villa Giusti. Der Text auf einer Messingplatte erklärt die Geschehnisse von 1918.
Tags davor, am 2. November, hatte man Baron Hermann Kövess von Kövessháza zum neuen Armeeoberkommandanten ernannt, wie Historiker Manfried Rauchensteiner im Bulletin schreibt. „Damit wollte man die Fiktion schaffen, nicht der Kaiser, sondern der Feldmarschall habe den Waffenstillstand abgeschlossen“, erklärt der Historiker. Von seiner „Beförderung“ habe der Feldmarschall anfangs gar nichts mitbekommen.
Mehr im neuen Bulletin (10 Euro) des Geschichtsvereines: Buchhandel oder geschichtsverein.ktn.gv.at, wo auch Termine für Reisen und Kulturspaziergänge zu finden sind.
Mitglieder des Geschichtsvereines können zum Beispiel im September mit Kunsthistoriker Wilhelm Deuer in die italienische Region Veneto reisen. Am 6. Oktober führt Direktor Andreas Kuchler durch die neue Archäologie-Schau im Museum Villach und am 3. Oktober Andreas Kleewein zu bedeutenden Grabstätten am Veldener Friedhof. Nächstes Jahr im Mai können Mitglieder mit Roland Bäck auf Entdeckungsreise ins Burgenland gehen.
Am 14. Oktober (17 Uhr) wird Rauchensteiner übrigens im Kärntner Landesarchiv sein neuestes Buch vorstellen: „Sieben Soldaten und ein Todesfall“ (Böhlau Verlag) berichtet von Österreichs Verteidigung in den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik.
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