Stift St. Lambrecht

Seit 950 Jahre eine ganz besondere Gemeinschaft

Steiermark
09.08.2026 12:00

Das Stift St. Lambrecht feiert heuer Jubiläum. Vieles hat sich im Lauf der Geschichte getan, viele Krisen gab es zu durchstehen – doch im Zentrum steht bis heute der Glaube und die Gemeinschaft. Die „Krone“ war zu Besuch im obersteirischen Kloster.

„Ich habe als Kind schon gewusst, dass ich Teil der Gemeinschaft in St. Lambrecht werden möchte“, sagt Alfred Eichmann. In Mariahof, nur wenige Kilometer von der Abtei entfernt, ist er aufgewachsen. Direkt nach der Matura ist er 1995 als Novize in den Orden eingetreten. Vor gut einem Jahr wurde er im prunkvollen Prälatensaal von seinen Mitbrüdern zum neuen Abt des Klosters gewählt und darf es durch das heurige 950-Jahre-Jubiläum führen. „Es ist schon eine besondere Geschichte, die unser Haus hier hat.“

Weltweit das einzige Lambertikloster
Das Jahr 1076 wird als Gründungsjahr des Benediktinerstifts geführt, dabei dürfte die Gründung schon früher passiert sein. „Die Quellen verraten uns leider nicht, wann genau. Also gilt der Todestag unseres Gründervaters, des Kärntner Marktgrafen Markwart von Eppenstein, am 16. Juni 1076 als offizieller Gründungstag“, erzählt er. Weil die Eppensteiner Lambert als Hausheiligen hatten, wurde er zum Namensgeber. „Wir sind weltweit das einzige Lambertikloster.“

St. Lambrecht in einer Darstellung von 1681
St. Lambrecht in einer Darstellung von 1681(Bild: Topographia Ducatus Stiriae)

Ob es nun an diesem Alleinstellungsmerkmal liegt oder an der malerischen Abgeschiedenheit des Klosters: „Der Zusammenhalt war hier schon immer besonders“, sagt Eichmann. Vielleicht sind es aber auch die Schicksalsschläge, die das Kloster durchleben musste, die den Gemeinschaftssinn förderten. Gleich zweimal (1262 und 1471) kam es zu verheerenden Bränden.

Die Gemeinschaft trotzte großen Krisen
Und damit nicht genug: „Es waren mehr als 100 Brüder im Haus, als am 4. Januar 1786 im Zuge der josephinischen Kirchenreform das Stift per Dekret aufgehoben wurde“, schildert der Abt. Viele der Schätze des Klosters wurden zum Verkauf angeboten. „Die Peterskirche ging an einen Schreiner im Ort, der sie als Holzlager nutzte“, nennt Eichmann ein Beispiel. Doch auch diese Krise konnte die Gemeinschaft nicht zerbrechen: „Als Kaiser Franz II. die Aufhebung 1802 rückgängig machte, kamen alle Brüder, die noch lebten, zurück nach Lambrecht und füllten das Haus wieder mit Leben.“

Abt Alfred Eichmann vor dem Kloster.
Abt Alfred Eichmann vor dem Kloster.(Bild: Christoph Hartner)

Dabei war auch die Missionierung, die seelsorgerische Betreuung der ganzen Region, zu den Kernaufgaben der Gemeinschaft. Im Jahr 1150 etwa sandte der damalige Abt Otker den Mönch Magnus als Seelsorger zu den Hirten. „Im Gepäck hatte er eine Marienstatue, die er aus einem Stück Holz von einem Lindenbaum in unserem Kloster gefertigt hatte – so zumindest will es die Legende“, erzählt Eichmann. In einer Zelle im Wald ließ er sich am 21. 12. 1157 nieder – es ist die Geburtsstunde von Mariazell.

Im Krieg übersiedelte der Konvent nach Mariazell
Der Wallfahrtsort gehört bis heute zum Benediktinerstift – diente in einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte sogar als Exil. Nach dem Anschluss an Nazideutschland im Jahr 1938 war St. Lambrecht das erste Kloster, das beschlagnahmt wurde. Der Konvent übersiedelte nach Mariazell, erst 1946 kehrten die Benediktiner nach Lambrecht zurück. „Wir feiern also heuer auch 80 Jahre unserer letzten Rückkehr“, sagt der Abt.

Gotische Struktur trifft auf barocke Pracht: Die Stiftskirche erstrahlt zum Jubiläum in neuem ...
Gotische Struktur trifft auf barocke Pracht: Die Stiftskirche erstrahlt zum Jubiläum in neuem Glanz.(Bild: Christoph Hartner)

Aktuell gehören elf Brüder zur Gemeinschaft in Lambrecht: „Drei davon sind in Mariazell“, erklärt der Abt. Rund neun Hektar Wald- und Landwirtschaft gehören zu dem Kloster und mit Konzepten wie „Kloster auf Zeit“ kann man auch touristisch von der besonderen Lage und Schönheit des Klosters profitieren

Zum Jubiläum hat das Stift sich herausgeputzt
Zum heurigen Jubiläumsjahr erstrahlt das Haus in neuem Glanz: Die Restaurierung des Innenraums der Stiftskirche wurde im Vorjahr abgeschlossen, auch einer der Innenhöfe wurde neu gestaltet. Der barocke Prunkgarten wird von einem eigenen Sozialprojekt betreut und das ganze Stiftsareal von der Wandelbühne mit Stücken wie „Der Name der Rose“ oder auch Schillers „Die Räuber“ bespielt.

Die „Strahlenkranz-Madonna“ ist zum heurigen Jubiläum nach St. Lambrecht zurückgekehrt.
Die „Strahlenkranz-Madonna“ ist zum heurigen Jubiläum nach St. Lambrecht zurückgekehrt.(Bild: Christoph Hartner)

Und auch das Stiftsmuseum mit seiner tollen kunsthistorischen Sammlung wurde neu aufgestellt: „Dabei dürfen wir uns vor allem über eine ganz besondere Rückkehr freuen“, sagt der Abt. In der Finanzkrise der späten 1920er Jahre ging die sogenannte „Strahlenkranz-Madonna“ an das Joanneum in Graz. Zum Jubiläum kam sie nun zurück. Das gotische Tafelbild aus der Zeit um 1420 war ursprünglich Teil eines größeren Ensembles. „Zumindest zwei Teile davon können wir nun wieder im originalen Zusammenhang zeigen“, freut sich der Abt. Die Geschichte lebt also weiter in St. Lambrecht – und wird so zum Teil der Zukunft.

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