Karim Allouche und seine 19-jährige Tochter Mia wollen mit „move2pay“ Bewegung in Kaufkraft verwandeln. Die „Bergkrone“ traf den Gründer in Klagenfurt, wo er erklärte, warum Laufen, Wandern und Radfahren künftig mehr sein sollen als nur gesunde Hobbys.
Es ist ein Satz, der hängen bleibt: „10.000 Schritte bringen rund drei Euro.“ Karim Allouche sagt ihn nicht wie ein Werbespruch, sondern wie jemand, der fünf Jahre lang an einer Idee gefeilt hat, an die anfangs wohl nicht alle geglaubt haben.
Die „Bergkrone“ traf den Vorarlberger Unternehmer in Klagenfurt. Dort stellte er seine App „move2pay“ vor – ein digitales Belohnungssystem, das körperliche Bewegung in Guthaben verwandelt. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist bereits auf Smartphones in Österreich und Deutschland angekommen.
Hinter der App steht kein Silicon-Valley-Konzern, sondern ein Vater-Tochter-Projekt aus Vorarlberg. Karim Allouche, Ex-Profisportler und Gründer der SVAX GmbH in Lustenau, hat „move2pay“ gemeinsam mit seiner 19-jährigen Tochter Mia aufgebaut. Das Duo beschreibt sich selbst als Familie mit einer Mission: Bewegung soll endlich jenen Wert bekommen, den sie verdient.
„Wenn man das Gesundheitssystem wirklich verändern möchte, dann muss jemand, der sich regelmäßig bewegt, auch dafür belohnt werden“, sagt Karim. Der Gedanke dahinter ist einfach – und radikal zugleich: Wer sich bewegt, spart langfristig nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft Kosten. Warum also soll Bewegung nicht auch einen direkten Gegenwert haben?
Die App zählt nicht nur Schritte
„move2pay“ verbindet sich dabei mit bestehenden Fitness- und Gesundheitsplattformen wie Apple Health, Google Fit, Garmin, Polar, WHOOP oder Oura. Eine teure Sportuhr ist laut Karim nicht zwingend notwendig. Schritte werden automatisch erfasst, Trainingseinheiten können über kompatible Geräte oder Apps übermittelt werden.
Der entscheidende Punkt: Es geht nicht nur ums bloße Schritte-Sammeln. Die App bewertet Bewegung über den sogenannten MET-Wert. Diese Maßeinheit beschreibt, wie intensiv eine körperliche Aktivität ist. Ein gemütlicher Spaziergang zählt daher anders als ein Lauf, eine Bergtour oder eine schnelle Radfahrt.
Vergütet werden laut Karim vor allem Aktivitäten, die mindestens zehn Minuten dauern und eine gewisse Intensität erreichen. Normales Herumschlendern oder Einkaufen reicht oft nicht. Wer aber bewusst trainiert, läuft, wandert oder radelt, sammelt Guthaben.
Karim spricht in Klagenfurt von durchschnittlich 130 bis 150 Euro monatlich, die aktive Nutzer über die App erreichen könnten. Wichtig ist dabei: Das Geld wird nicht bar ausbezahlt. Es landet als Guthaben in der App und kann im integrierten Marktplatz verwendet werden.
Das Geld kommt aus der Handelsspanne
Die entscheidende Frage stellt sich sofort: Wer bezahlt das alles?
Der Vorarlberger erklärt das Modell so: „Wir verzichten im Prinzip auf unsere Handelsspanne.“ Im Shop der App werden Produkte angeboten – etwa aus den Bereichen Sport, Ernährung, Outdoor, Kaffee, Nahrungsergänzung oder Bekleidung. Normalerweise kauft ein Händler Ware günstiger ein und verkauft sie mit Marge weiter. Bei „move2pay“ soll ein Teil dieser Marge an die Nutzer zurückfließen.
Bis zu 50 Prozent des Produktpreises können laut Karim mit Bewegungsguthaben bezahlt werden. Der Rest wird klassisch per Kredit- oder Debitkarte beglichen. Zusätzlich fällt eine kleine Service- und Versandpauschale an.
Damit ist „move2pay“ kein Programm, mit dem man sich einfach Geld aufs Konto laufen kann. Es ist eher eine neue Form von Rabatt- und Belohnungsökonomie – allerdings mit einem starken Gesundheitsgedanken: Bewegung wird zur Kaufkraft.
„Gesund leben kostet oft mehr!“
Gerade dieser Punkt ist Karim wichtig. Ein gesunder Lebensstil sei für viele Menschen teurer als ein ungesunder. Gute Sportausrüstung, hochwertige Ernährung, funktionelle Bekleidung oder Nahrungsergänzungsmittel kosten Geld.
„Wir wollen dazu beitragen, dass gesundes Leben leistbarer wird“, sagt der Gründer. Wer sich regelmäßig bewegt, soll sich über die App Produkte günstiger leisten können. Die Botschaft: Nicht der Rabatt steht im Mittelpunkt, sondern die Aktivität davor.
Das klingt gut – muss sich aber am Markt beweisen. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Idee, sondern auch das Angebot im Shop, die tatsächlichen Preise, die Verfügbarkeit der Produkte und die Frage, ob Nutzer den Gegenwert wirklich als fair empfinden.
50.000 Nutzer in neun Monaten
Nach Angaben des Unternehmens nutzen bereits rund 50.000 Menschen die App. Etwa 7000 sollen täglich ihre Aktivitäten synchronisieren. In den vergangenen drei Monaten seien über Bewegung rund 1,2 Millionen Euro Kaufvolumen entstanden, erklärte Karim in Klagenfurt.
Österreich und Deutschland seien derzeit die stärksten Märkte. Für ein heimisches Startup ist das beachtlich – vor allem, weil die App erst seit wenigen Monaten in der aktuellen Form am Markt ist.
Auch in den App-Stores von Apple und Google ist das System verfügbar. Die App ist kostenlos, laut Anbieter ohne Abo und ohne monatliche Grundgebühr. Persönliche Bewegungsdaten würden nicht verkauft. Die App verarbeitet laut Unternehmen nur jene Daten, die zur Bewertung der Aktivität notwendig sind.
Dass seine Tochter Mia an dem Projekt beteiligt ist, macht die Geschichte besonders. Sie ist 19 Jahre alt – und damit genau in jener Generation, die mit Apps, Fitnessdaten, Online-Shops und digitalem Bezahlen selbstverständlich aufgewachsen ist.
Karim Allouche bringt die Unternehmer- und Sporterfahrung mit, Mia den Blick für junge Zielgruppen, Trends und Marken. Gemeinsam wollen sie mehr als nur eine Fitness-App bauen. Es geht um eine Community, um Motivation, um ein System, das Menschen in Bewegung bringt.
In einer Zeit, in der viele Menschen zwar Fitnessuhren tragen, aber trotzdem zu wenig aktiv sind, setzt „move2pay“ auf einen simplen psychologischen Hebel: Belohnung. Wer sieht, dass sich Bewegung unmittelbar auszahlt, geht vielleicht doch noch eine Runde. Oder nimmt die Stiege. Oder startet wieder mit dem Laufen.
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