Den Namen „Mad Mike“ hat sich der Vorarlberger Mike Küng nicht selbst gegeben. „So einen Namen bekommt man verpasst“, sagt Mike, den die „Bergkrone“ am Tiroler Achensee traf – dort, wo der heute 58-Jährige regelmäßig neue Schirme testet und an seinen eigenen Projekten arbeitet. Gemeinsam ging es hinauf ins wunderbare Rofangebirge.
Und tatsächlich: Wer Mikes Lebenslauf liest, versteht schnell, warum sein Name längst zur Legende in der Gleitschirm-Szene wurde. Sein wohl spektakulärstes Projekt führte Mike dorthin, wo eigentlich Verkehrsflugzeuge unterwegs sind: auf über 10.000 Meter Höhe! Mit einem Heißluftballon ging es in eine Region, in der minus 60 Grad herrschen – dann sprang Mike mit dem Gleitschirm ab. Weltrekord: 10.100 Meter, bis heute unerreicht.
Was nach Triumph klingt, war ein Tanz am Abgrund. Der Sauerstoff reichte nicht. Mike sprang ohne ausreichende Versorgung. „Ich war schnell weg“, sagt er heute nüchtern. Der Vorarlberger verlor sofort das Bewusstsein. Erst in rund 8000 Meter Höhe kam er wieder zu sich. Ein Moment, der zeigt, wie schmal der Grat zwischen Pioniergeist und Lebensgefahr ist.

Sprünge, die eigentlich nicht möglich sind
Mike hat den Gleitschirm aber nicht nur geflogen. Während andere starten und landen, springt er auch. Von der Europabrücke. Aus Ballonen. Aus Helikoptern. Mit selbst entwickelten Systemen, die heute Standardwissen sind. Es kam zu Hunderten Tests, unzähligen Versuchen – und einer Serie von Aktionen, die weltweit für Aufsehen sorgten.
Ein weiteres Kapitel seiner Karriere: die Überquerung des Ärmelkanals – mit dem Gleitschirm, ohne Motor. Bis heute ist Mike der Einzige, dem das gelungen ist. Der Start erfolgte aus dem Hubschrauber. Mike: „Orientierungshilfen wie GPS oder Actioncams gibt es damals noch nicht.“ So spektakulär seine Aktionen auch sind – Mike ist einer, der den Mythos des Einzelkämpfers relativiert. „Das war immer Teamarbeit. Wer behauptet, er hätte solche Aktionen allein gemacht, sagt nicht die Wahrheit.“
Der Vorarlberger ist aber nicht nur Abenteurer, sondern auch Entwickler. Er war an der Evolution des Gleitschirmsports maßgeblich beteiligt – von den frühen Akrobatik-Phasen über Eventshows bis hin zur Schirmentwicklung und Zulassung. Heute beschäftigt ihn vor allem ein neues Thema: Parakites – eine Mischung aus Gleitschirm und Kite, optimiert für starken Wind und Küstenfliegen. „Man darf sich neuen Entwicklungen nicht verschließen“, so Mike, der unter seiner Marke „MK“ diese Flügel direkt vertreibt.
Dänemark statt Alpen: Die zweite Heimat
So sehr der Vorarlberger in den Alpen verwurzelt ist – seine zweite Heimat liegt an der Küste. In Dänemark findet Mike Bedingungen, die man in Mitteleuropa selten hat: konstanten Wind, endlose Dünen, maximale Freiheit. „Dort gibt es nur das Fliegen.“ Und dieses Wissen gibt er in seinen Spezial-Kursen weiter.
Zurück im Rofan. Den Startplatz hoch über dem Achensee haben wir mittlerweile erreicht. Tandemstart. Ein paar Schritte – dann hebt der Schirm ab. Was folgt, ist jedoch kein gemütlicher Gleitflug mit Ausblick auf das Karwendel-Gebirge. Es ist ein kontrollierter Ausnahmezustand. Steilspiralen drücken den Körper in den Sitz. Wingover reißen den Horizont auseinander. Die Geschwindigkeit zieht an, die Orientierung kippt. Kurz verliere ich jedes Gefühl für oben und unten. „So cool!“, ruft Mike – und setzt schon den nächsten Impuls.
Und es sind genau diese Momente, die zeigen, warum der 58-Jährige bis heute eine Ausnahmeerscheinung ist. Nicht weil er spektakulär fliegt. Sondern weil er die Grenzen der Fliegerei mühelos verschiebt.
Das ist echtes Können. So hat sich Fliegen für mich noch nie angefühlt.
Danke, „Mad Mike“!
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