„Indirekte Effekte“

Österreichs Wirtschaft von Trumps Zöllen gebremst

Wirtschaft
09.03.2026 09:39
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die im Februar verhängten US-Zölle in der Höhe von zehn Prozent auf alle aus der EU eingeführten Waren könnten der österreichischen Wirtschaftsleistung einen herben Dämpfer versetzen. Es droht einer aktuellen Studie zufolge sogar ein Rückgang um 0,11 Prozent.

Dabei sei Österreichs Wirtschaft von den Exporten in die USA kaum direkt betroffen, wie aus der gemeinsamen Untersuchung des Supply Chain Intelligence Institutes Austria (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) hervorgeht. Schwerwiegender sind die indirekten Effekte über europäische Produktionsnetzwerke.

Mit Auswirkungen ist in drei bis sechs Monaten zu rechnen. Eventuelle Maßnahmen wie eine Neuausrichtung der Lieferketten sind jedoch nicht berücksichtigt.

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Wenn große EU-Volkswirtschaften ihre Produktion drosseln, trifft das österreichische Zulieferbetriebe unmittelbar.

Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am WIFO

US-Zölle bremsen Österreichs Wirtschaft und könnten zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung ...
US-Zölle bremsen Österreichs Wirtschaft und könnten zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung führen.(Bild: ©theaphotography - stock.adobe.com)

Große Rückgänge bei Rohstoffgewinnung zu erwarten
Vor allem vorleistungsintensive und international eng verflochtene Industrien sind in Österreich laut der Studie betroffen. Mit minus 0,58 Prozent sind die größten Rückgänge im Bergbau und der Rohstoffgewinnung zu erwarten. Aber auch bei der Herstellung von chemischen Erzeugnissen (-0,51 Prozent), der Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 Prozent) sowie der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 Prozent).

In der Textilindustrie und bei nicht metallischen Mineralerzeugnissen könnte es zu einem Rückgang um 0,21 bzw. 0,20 Prozent kommen. Moderat betroffen sein werden den Angaben zufolge die sonstigen Warenherstellungen sowie der Transportsektor mit einem Rückgang um je 0,14 Prozent. Der Maschinenbau sollte mit einem Minus von 0,01 Prozent hingegen glimpflich davonkommen.

2025 hat Österreichs BIP noch um 0,6 Prozent zugelegt:

Das Balkendiagramm zeigt die Wirtschaftsentwicklung in Österreich anhand der Veränderung des realen BIP in Prozent. 2023 und 2024 gab es einen Rückgang von minus 0,8 % und minus 0,7 % zum Vorjahr. Für 2025 wird ein Anstieg von 0,6 % erwartet. Nach Quartalen betrachtet war der stärkste Rückgang im Jahr 2023 mit minus 1,2 %. Ab 2025 zeigen die Quartale wieder positive Werte, mit einem Höchstwert von 0,5 %. Quelle: Statistik Austria.

Lage in großen EU-Ländern wirkt sich überproportional aus
Länder mit einer starken industriellen Basis könnten spürbare Einbußen verzeichnen. Für Deutschland und Italien rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,13 Prozent, für Frankreich mit 0,14 Prozent. Vor allem Deutschland und Italien sind für Österreichs Zulieferer wichtige Exportmärkte. „Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus“, sagte der stellvertretender ASCII-Direktor Klaus Friesenbichler.

Die Ökonomen von WIFO und ASCII empfehlen, auf mehrere Exportmärkte zu setzen. Besonders betroffene Industriesegmente müssten unterstützt werden, etwa durch Innovationsförderung, Investitionen in technologische Modernisierung und eine strategische Standortpolitik. Im Binnenmarkt ist laut den Ökonomen eine koordinierte europäische Industrie- und Handelspolitik notwendig.

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