Eine Ameisenstraße brachte einen Grazer Akademiker derart in Rage, dass er seine Nachbarin, eine 72-jährige Pensionistin, regelrecht hinrichtete, sie auf den Boden schmiss, mit Schlägen, Tritten malträtierte und schlussendlich mit einem Spaten erschlug. „Ich war im Kriegsmodus“, versucht sich der 53-Jährige zu rechtfertigen, und „sie hätte Respekt zeigen sollen“. Das Urteil: lebenslang und Einweisung, nicht rechtskräftig!
„Sie werden einen starken Magen brauchen. Solche Szenen kenne ich nur aus Horrorfilmen“, beginnt die Staatsanwältin Mittwochmorgen ihr Plädoyer im Grazer Schwurgerichtssaal. Sie spricht damit jenen Tag im Mai des letzten Jahres an, an dem eine „simple Ameisenstraße Eva K. zum Verhängnis wurde“. Der Angeklagte – ein 53-jähriger Grazer – entdeckte in der Wohnung seiner Mutter „Hunderte Ameisen“, wie er sagt. „Ich wollte dem Problem auf die Spur gehen und folgte ihr“, sagt der Wirtschaftsingenieur in hochgestochenem Ton.
Die Ameisenstraße führte ihn zu einem Blumentopf auf einer Terrasse, die ohnehin im Streitpunkt zwischen ihm und der älteren Dame liegt, welche die Wohnung direkt angrenzend an die Terrasse bewohnte. Schon jahrelang schwelte ein erbitterter Streit darüber, ob die Terrasse zur Allgemeinfläche gehört oder nicht.
Faustschläge, Tritte, Schläge, Stiche
Als er den Blumentopf aufhob, „sprang die Frau plötzlich aus dem Fenster und beschimpfte mich“, erzählt der Angeklagte. „Sie ist in meinen Nahbereich eingedrungen, hat mich attackiert und als ,Problememacher‘ bezeichnet.“ „Die Frau war gerade einmal 1,5 Meter groß“, sagt die vorsitzende Richterin Michaela Lapanje. „Warum sind Sie nicht einfach weggegangen?“ – „Ich habe die Fassung verloren und ihr einen Faustschlag versetzt. Sie hätte Respekt zeigen sollen.“
Das ist bis jetzt eine der am schlimmsten zugerichteten Leichen, die ich gesehen habe. Die Dame ist im Vergleich zu Ihnen ein Fliegengewicht!
Beisitzender Richter Andreas Rom
Diese Aussage irritiert: „Sie hätte sich bei Ihnen entschuldigen sollen, nachdem Sie ihr einen Faustschlag versetzt haben? Hören Sie auf, der Frau die Schuld für Ihre Tat zu geben“, weist ihn der beisitzende Richter Hanspeter Draxler zurecht. „Das ist bis jetzt eine der am schlimmsten zugerichteten Leichen, die ich gesehen habe. Die Dame ist im Vergleich zu Ihnen ein Fliegengewicht!“, ergänzt der beisitzende Richter Andreas Rom.
Nach der Tat kaufte er eine Ameisenfalle
„Ich habe die Fassung verloren“, kommt der Investor in Erklärungsnot. Denn das, was folgte, ist „unentschuldbar“, wie es die Staatsanwältin zuvor sagte. „Wollen Sie mich umbringen?“, fragte die bestürzte 72-Jährige ihn nach dem Faustschlag. Der Satz soll ihn motiviert haben, zu beschließen: „Jetzt bringe ich sie um!“ Es folgten Tritte mit dem Knie ins Gesicht, er packte sie, warf sie zu Boden, trampelte auf ihr Gesicht. Dann schnappte er sich einen Spaten, schlug und stach mindestens 18-mal auf sie ein.
Ich war im Kriegsmodus, ich habe die Kontrolle verloren.
Der Angeklagte
„Ich war im Kriegsmodus, ich habe die Kontrolle verloren“, kommt ihm ein Schluchzen auf die Frage nach dem „Warum“ aus. „Sie tun sich vor allem selber leid, wenn man das so hört“, konfrontiert ihn Beisitzer Draxler mit seiner Verantwortung. „Ja natürlich, das auch ...“. Kein einziger Knochen im Schädel der zierlichen Frau war heil geblieben. Die Staatsanwältin spricht von einem „Overkill“.
Nachdem er die Tat vollendet hatte, ging er zu seiner Mutter und alarmierte die Rettung. Dann packte er seine Sachen, um in einem Drogeriemarkt eine Ameisenfalle zu kaufen ...
Laut Gutachten war er zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig, leidet aber unter einer psychischen Erkrankung. Daher wurde auch eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum beantragt. Am späteren Nachmittag fiel das Urteil: lebenslange Haft und Einweisung.
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