Markt statt Politik

Wifo-Chef bremst Inflations-Jubel der Regierung

Wirtschaft
05.02.2026 15:05
Porträt von krone.tv
Von krone.tv

Die Inflation ist auf zwei Prozent gesunken – die Bundesregierung spricht von einer Trendwende. Doch kommt diese Entspannung tatsächlich durch politische Maßnahmen zustande oder steckten andere Faktoren dahinter? Der Chef des Wirtschaftsförderungsinstituts Wifo, Gabriel Felbermayr stand im krone.tv-Interview Rede und Antwort. Sein Befund fällt deutlich nüchterner aus als das Jubeln der Politik.

Der Rückgang der Inflation um 1,8 Prozentpunkte ist laut Wifo-Leiter Gabriel Felbermayr zwar beachtlich, aber nur teilweise politisch erklärbar. Rund die Hälfte davon gehe auf Basiseffekte zurück: Im Vorjahr wirkten noch Energiepreisbremsen, die es im aktuellen Vergleich nicht mehr gibt.

Der Großteil der Entspannung komme von den Märkten: Energiepreise sind überraschend stark gesunken, fast fünf Prozent zum Vorjahr – unabhängig von politischen Maßnahmen. Zusätzlich drücke starker internationaler Wettbewerb, vor allem aus China, auf die Preise von Industriegütern.

Was kann sich die Bundesregierung also tatsächlich anrechnen lassen? Nach Einschätzung des Wifo-Leiters nur einen begrenzten Teil des aktuellen Inflationsrückgangs. Der größte Effekt sei statistischer Natur, politische Maßnahmen hätten bislang nur wenig Gewicht.

Der Chef des Wirtschaftsförderungsinstituts WIFO, Gabriel Felbermayr im krone.tv-Talk
Der Chef des Wirtschaftsförderungsinstituts WIFO, Gabriel Felbermayr im krone.tv-Talk(Bild: krone.tv )

Maßnahmen müssen sich noch „durchfressen“
Wirklich relevant könnten laut Felbermayr vor allem jene Maßnahmen werden, die erst noch greifen. Dazu zählen die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel in der zweiten Jahreshälfte sowie Entlastungen im Strombereich, etwa durch den Sozialtarif oder Tarifsenkungen einzelner Energieversorger. Diese Effekte müssten sich jedoch erst „durchfressen“ und würden daher zeitverzögert wirken.

Trendwende mit Einschränkungen
Von einer Trendwende könne man grundsätzlich sprechen, sagt Felbermayr – allerdings mit Einschränkungen. Ob sich die Inflation stabil bei rund zwei Prozent einpendelt, hänge stark von äußeren Faktoren ab, etwa von Gas- und Ölpreisen oder geopolitischen Entwicklungen. Schwankungen seien wahrscheinlich, ein dauerhaft niedriger Wert kein Selbstläufer.

Skeptisch zeigt sich der Wifo-Chef auch beim wirtschaftlichen Aufschwung. Symbolische Reformen könnten psychologisch wirken, echte Investitionen brauche es aber vor allem Planbarkeit – etwa bei Lohnnebenkosten und Energiepreisen. Gleiches gilt für den Blick ins Ausland: Handelskonflikte, insbesondere mit den USA, sowie neue Abhängigkeiten bei Energieimporten machten Europas Wirtschaft verwundbar. Die größte Gefahr sei dabei weniger der einzelne Zoll, sondern die anhaltende Unsicherheit, die Investitionen bremst.

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