Der Iran-Konflikt hat sich prompt auf die Öl- und Gaspreise ausgewirkt – und könnte auch die Inflation in Österreich wieder über die Marke von 2 Prozent heben. Experten sind sich einig: Die Dauer des Krieges ist ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Folgen. Von einem Machtwechsel würde auch Österreich profitieren.
Die Ölpreise sind um rund 10 Prozent gestiegen. „Ich habe eigentlich mehr erwartet“, merkte Sebastian Koch vom IHS dazu an. Der Gaspreis kletterte um rund 20 Prozent in die Höhe. Aber auch der Preis für Gasoil ist um bis zu 20 Prozent gestiegen – für den Ökonomen der wichtigere Aspekt.
Dadurch würden über kurz oder lang auch die Spritpreise steigen – und damit könnte auch Österreichs Inflation um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen. Auslöser der Turbulenzen ist die iranische Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Öl-Produktionsmenge transportiert werden. Bereits 150 Tanker mussten vor Anker gehen.
Trump könnte niedrige Ölpreise als „Wahlzuckerl“ nutzen
Wie lange der Konflikt dauern wird, ist bislang unklar. Josef Baumgartner vom Wifo verweist auf einen ähnlichen, aber nur zweiwöchigen Konflikt im Vorjahr, nach dem sich die Preise rasch normalisierten. „Allerdings ging es damals darum, die Herstellung von Atombomben zu verhindern“, so Baumgartner. Diesmal gehe es um einen Machtwechsel.
Je länger der Iran bombardiert werde, desto größer die Schäden an der Infrastruktur. Gleichzeitig könnte ein längerer Konflikt die US-Regierung vor den „Midterm-Wahlen“ unter Druck setzen. Präsident Donald Trump könnte versucht sein, durch eine höhere Ölproduktion oder die Freigabe von Reserven für ein „Wahlzuckerl“ in Form niedrigerer Treibstoffpreise zu sorgen.
„Potenziell deutliche Wohlstandsgewinne für Europa“
Sollte es aber zu einem geregelten Machtwechsel im 93-Millionen-Einwohner-Land kommen, würden die EU und vor allem Österreich wirtschaftlich massiv profitieren. Eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) mit Iran-Experte Mahdi Ghodsi und Wifo-Direktor Gabriel Felbermayer zeichnet ein vielversprechendes Szenario.
Fallen die Sanktionen, entstünde ein gewaltiges Wirtschaftspotenzial. „Mehr Handel, niedrigere Energiepreise und eine effizientere internationale Arbeitsteilung brächten für Europa deutliche Wohlstandsgewinne“, so Ghodsi.
Österreichisches BIP könnte um 0,5 Prozent steigen
Allein die Aufhebung der EU-Sanktionen könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Iran um mehr als 80 Prozent steigern. Für Österreich würde das ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent bedeuten, deutlich mehr als der EU-Schnitt von 0,3 Prozent.
Ghodsi begründet: „Österreich ist traditionell stark im Anlagen- und Maschinenbau, in der Bauwirtschaft, bei Verkehrsinfrastruktur oder in der Wasseraufbereitung und Umwelttechnik.“ In all diesen Bereichen habe der Iran enormen Aufholbedarf.
Handel derzeit am Boden
Schon jetzt zähle Österreich zu den größten Exporteuren von Medikamenten in den Iran, so Ghodsi. Derzeit ist der Handel am Boden: Die Exporte sanken von 276 Millionen (2016) auf nur noch 118 Millionen Euro (2024), die Importe kollabierten von 100 Millionen auf knapp 10 Millionen Euro.
Sollte sich die iranische Arbeitsproduktivität jener der Türkei annähern, wäre für die EU sogar ein Wohlstandsgewinn von bis zu 0,7 Prozent möglich. Baumgartner warnt aber, dass es sich dabei um ein „Best-of“-Szenario handle. Die Mullahs und Revolutionsgarden im Iran würden mit aller Kraft versuchen, einen Machtwechsel zu verhindern.
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