Zwei Paare aus Zagersdorf im Bezirk Eisenstadt-Umgebung sitzen seit Beginn des Nahostkriegs auf den Malediven fest. Sie kämpfen dort mit überfüllten Hotels, explodierenden Preisen, fehlenden Informationen und bangen Fragen: Wann dürfen wir endlich wieder zurück in die Heimat?
Seit am vergangenen Samstag die USA und Israel den Iran angreifen und auch umgekehrt Vergeltungsschläge ausgeübt werden, haben wichtige internationale Luftfahrt-Drehkreuze im Nahen Osten wie zum Beispiel Dubai, Abu Dhabi und Doha ihre Flugbetriebe eingestellt. Diese Flughäfen dienen vielen Verbindungen zwischen Europa und Asien als Zwischenstopp – etwa auf dem Weg zurück von den Malediven. Daher sitzen nun viele Touristen länger als geplant auf den Inseln fest. So auch zwei Paare aus Zagersdorf.
Unvorhersehbares Ereignis
„Wir waren seit 17. Februar auf einer Rundreise in Sri Lanka. Das Programm beinhaltete auch einen kurzen Badeaufenthalt auf den Malediven. Unser Rückflug von Male über Doha nach Wien mit Katar Airways war für 2. März vorgesehen. Doch dann wurde er tags zuvor wegen des Krieges gestrichen“, schildern Karl und Elke Stahleder via Telefon der „Krone“.
Das Resort, in dem sie untergebracht waren, mussten sie verlassen. Eine Nacht verbrachten sie in einem Flughafenhotel, doch eine Verlängerung war dort nicht möglich: „Alle Quartiere in Airportnähe und in der Hauptstadt sind maßlos überfüllt. Die Not der gestrandeten Touristen wird schamlos ausgenutzt. Für eine einzige Nacht werden schon 500 Dollar verlangt!“
Handeln auf eigene Faust
Weil die Kosten dafür kein Reiseveranstalter übernimmt und die Stahleders nicht mit unzähligen anderen Menschen auf dem dreckigen Flughafenboden schlafen wollen, haben sie auf der kleinen Einheimischen-Insel Huraa ein Zimmer in einem Gästehaus gebucht. Vom Luxus ist diese Bleibe allerdings weit entfernt. Bett, Dusche, WC – das war‘s!
„Bis Sonntag können wir hierbleiben. Wie es danach weitergeht, wissen wir nicht. Der Vermieter möchte sich nicht festlegen, sondern vermutlich Kapital aus unserer Misere schlagen“, sagt Karl Stahleder, der mit seiner Frau eine Versicherungsagentur betreibt.
Eines steht für uns jetzt schon fest: Der nächste Urlaub findet garantiert nicht mehr außerhalb Europas statt.
Malediven-Urlauber Karl und Elke Stahleder
Krisenerprobte Urlauber
Schon jetzt ist ein Verdienstentgang fix, denn eine Kundenbetreuung ist von der Insel aus nicht möglich. Auch die Erholung ist beim Teufel: „Draußen ist es schweineheiß und auch in der Unterkunft kann man schwer kühlen Kopf bewahren. Die Ungewissheit, wann uns endlich ein Flieger nachhause bringt, macht mürbe und angespannt. Wir starren den ganzen Tag aufs Handy, in der Hoffnung, eine Nachricht vom Reiseveranstalter oder dem Außenministerium zu erhalten. Leider vergeblich!“, seufzt das Paar, das sich mit Odysseen auskennt.
Im März 2020, als die Corona-Pandemie ausbrach, waren die beiden in Kuba auf Urlaub. Mit Ach und Krach haben sie damals den letzten Flug von Havanna nach Frankfurt erwischt. Im Anschluss hätte es nach Österreich gehen sollen, doch weil bei der Flughafen Wien damals schon gesperrt war, tuckerte man mit einem Mietauto von Deutschland ins Burgenland.
Und jetzt? „Jetzt ist das leider nicht möglich. Natürlich hat die Rückholung jener Österreicher, die sich im Kriegsgebiet befinden, Priorität. Trotzdem verstehen wir nicht, warum die Bundesregierung keine leeren AUA-Maschinen in die Urlaubsdestinationen schickt, um auch Touristen sicher nachhause zu bringen.“
Tränen und Verzweiflung trotz Luxus
Auch Harald und Irene Ivansits wollen schnell wieder heim ins Burgenland, obwohl sie seit 20. Februar in einer 120 Quadratmeter-Villa mit Pool auf der Insel Dusit D2 residieren – für 800 Euro pro Nacht! Ursprünglich waren zehn Tage geplant. Weil aber auch ihr Rückflug gestrichen wurde, mussten sie notgedrungen verlängern: „Wir wollten in keine Absteige wechseln. Schließlich ist dieser Urlaub mein Hochzeits- und Geburtstagsgeschenk an meine Frau. Wir haben uns eh nie Luxus geleistet“, sagt Harald Ivansits.
Das Positive sehen
Anstatt wegen des vielen Geldes, das er nun ausgeben muss, und der fehlenden Behördeninformationen „jeden Tag zu jammern und zu plärren“, versucht er, gelassen zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. „Wir verkriechen uns nicht im Zimmer, sondern genießen trotzdem unsere Annehmlichkeiten. Außerdem haben wir uns eine mentale Strategie zugelegt.“
„Wir tun einfach so, als hätten wir freiwillig den Urlaub verlängert! Wenn in den nächsten Tagen keine Hilfe kommt, geht aber auch mir langsam der Schmäh aus“, gesteht der Verkaufsleiter, der in einem Autohaus beschäftigt ist. Und was sagt sein Chef dazu, dass er nicht zur Arbeit erscheint? „Der weiß noch nix, denn diese Woche habe ich noch frei!“
Als wir wegen einer Verlängerung anfragten, wollte der Resortbetreiber die Preise erhöhen – oder uns ausquartieren. Da knöpfte ich mir den Hoteldirektor vor.
Malediven-Urlauber Harald Ivansits
Für den Fall, dass sich bis Sonntag nichts tut, haben sich Harald und Irene Ivansits auch schon einen Plan B überlegt. „Dann fliegen wir nach Bangkok. Dort wären wir wieder auf Festland. Auch die Quartiere dort sind billiger, falls wir längere Zeit hier aussitzen müssen. Allerdings kostet ein Flug dahin jetzt schon 3000 Euro. Gut möglich, dass auch diese Preise noch ordentlich steigen!“
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