Historisch interessant

Wortstätten zeigen „Volksfest“, das keines wird

Kultur
26.02.2026 10:51

Das „Wortstätten“-Festival in Wiener Neustadt versucht sich mit wechselndem Erfolg an einem Nebenwerk des großen Duos Qualtinger-Merz.

Sich zu Helmut Qualtinger und seinem literarisch-kabarettistischen Kompagnon Carl Merz zu bekennen, ist zumindest historisch verdienstvoll. 1961 hatten die beiden für das junge österreichische Fernsehen den „Herrn Karl“ gefertigt: ein Stück europäischer Kulturgeschichte, identitätsstiftend für den Widerstand in der verdrängungsbeschwipsten Nachkriegsrepublik. 1963 folgte, an den amerikanischen „Zwölf Geschworenen“ Maß nehmend, „Alles gerettet“ zum Ringtheaterbrand 1881.

Zwei Jahre später schrieben sie ihr drittes und letztes abendfüllendes Stück, wobei Merz stets den größeren Anteil beisteuerte: „Die Hinrichtung“ wurde am Volkstheater uraufgeführt und 1966 verfilmt.

Referenz an Theater des Absurden
Das Werk ist nun unter dem Titel „Das Volksfest“ beim „Wortstätten“-Festival in den Wiener Neustädter Kasematten herausgekommen. Doch wie schon „Alles gerettet“ im Vorjahr enttäuscht auch dieser Text. Erkennbar wird an Werfels „Tod des Kleinbürgers“ und Dürrenmatts „Besch der alten Dame“ Maß genommen: Ein Wiener Arbeitsloser soll sich im Auftrag eines Veranstalters für zehn Millionen Schilling, die seiner Familie zugutekommen, im Stadion köpfen lassen.

Eine kabarettistische Referenz an das damals aktuelle Theater des Absurden war vorgesehen. Doch das Resultat erweist sich als dramaturgisch unplausibel und erstaunlich pointenarm.

Zwitterwesen zum Theater
Die junge Regisseurin Ira Süssenbach hat da kein einfaches Leben: Kabarett ist eine autonome Kunstform, die einen eigenen Zugriff erfordert. Hier aber entsteht ein Zwitterwesen zum Theater. Der Protagonist Reindl, damals von Kurt Sowinetz, heute beachtlich von Lukas Haas verkörpert, ist von meist plumpen Karikaturen umlagert, die keinen gemeinsamen Ton finden (wobei Jens Ole Schmieders idiomatische Versuche zur Ohrenfolter geraten). Zwei Ausnahmen sind anzumerken: Martin Schwanda in der Qualtinger-Rolle des Henkers Engel und Saskia Klar als Gattin Reindl (damals: Erni Mangold) erschaffen präzise, eigensinnige Gestalten.

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