Zwist geht weiter

Keine Einigung mit Intendant Markus Hinterhäuser

Salzburg
26.02.2026 18:05

Turbulente Tage in Salzburg: Der Konflikt des Festspiel-Kuratoriums mit Intendant Markus Hinterhäuser spitzt sich weiter zu. Derzeit ist ein Abschied nach dem kommenden Festspielsommer wahrscheinlich. Hinterhäuser wollte sich am Donnerstag nicht auf einen vorzeitigen Rücktritt einlassen.

Ein Verbleib Hinterhäusers über den kommenden Sommer hinaus wird immer unwahrscheinlicher. Das Leitgremium sieht die Bedingungen für die eigentlich bereits besiegelte Vertragsverlängerung plötzlich nicht mehr erfüllt. „Ein entsprechender Umgang mit Dritten und dem Kuratorium“, so umschrieb Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, aktuell Chefin des Festspiel-Kuratoriums, diese Bedingungen.

„Dieser Eindruck hat sich leider verstärkt“, legte Edtstadler am Donnerstag nach der Kuratoriumssitzung nach. Das würde bedeuten, dass Hinterhäusers Amtszeit mit dem kommenden Festspielsommer endet. Die Vertreter der Fördergeber haben Hinterhäuser ein Angebot für eine geordnete Übergabe gemacht. Ob Hinterhäuser annimmt, ist noch offen. Er hat dazu Bedenkzeit bis zur nächsten Kuratoriumssitzung am 20. März.

Das Festspielkuratorium mit Landeshauptfrau Edtstadler an der Spitze vertraut Intendant Markus ...
Das Festspielkuratorium mit Landeshauptfrau Edtstadler an der Spitze vertraut Intendant Markus Hinterhäuser nicht mehr.(Bild: Markus Tschepp)

Entzündet hatte sich der jüngste Konflikt an der Suche nach einer neuen Leitung für die Schauspielsparte. Auch gab es immer wieder Vorwürfe zu Hinterhäusers zwischenmenschlichem Umgang, etwa von Ex-Schauspielchefin Marina Davydova.

Tatsächlich könnte Hinterhäuser jetzt noch eine neue Schauspielleitung bestellen, mit Ende September bei den Festspielen aber selbst Geschichte sein. Das bestätigte Kuratoriumsmitglied Bernhard Auinger, Salzburgs Bürgermeister.

Idee mit Bergmann seit Oktober bekannt
Hinterhäuser legte nach dem Kuratorium seine Sicht der Dinge dar. „Die Geschäftsordnung sieht vor, dass der Intendant das Recht und die Pflicht hat, über die Schauspielleitung frei zu entscheiden“, verlas er das Statement, das er auch dem Kuratorium vorgetragen hatte.

Er habe im Kuratorium bereits im Oktober 2025 den Namen von Karin Bergmann genannt. Christian Kircher, der ihm vom Kuratorium als „Aufpasser“ zur Seite gestellt wurde, habe ihm zudem die Rechtmäßigkeit seines Vorgehens bestätigt.

Hinterhäuser sagte freilich auch: „Sind in diesem Prozess Fehler passiert? Ja.“ Die Aufgabe, die Schauspielleitung zu bestellen, gesteht ihm das Kuratorium auch jetzt noch zu. Das könnte Hinterhäuser theoretisch schon am Freitag oder Samstag entscheiden.

Kommentar
Wie man großes Welttheater klein spielt

Für Außenstehende ist es kaum mehr nachvollziehbar, was für eine seltsame Aufführung in der Festspielstadt gerade läuft. Der Salzburg-Intendant Markus Hinterhäuser hat kürzlich über die „Krone“ die ehemalige Burg-Chefin Karin Bergmann als seine Wunsch-Nachfolgekandidatin für die von ihm geholte und bald wieder verabschiedete Schauspielchefin Marina Davydova verkündet. Über diesen Alleingang Hinterhäusers zürnte Salzburgs Landeshauptfrau Caroline Edtstadler als Chefin des Festspiel-Kuratoriums so sehr, dass sie Hinterhäuser prompt die Rute ins Fenster stellte.

Hinterhäuser hat zuletzt auch nicht gerade als Diplomat geglänzt. Weder in Sachen neuer „Jedermann“, noch im Umgang mit Davydova oder der Festspielpräsidentin Kristina Hammer.

Auf der anderen Seite stehen seine großen, unbestrittenen künstlerischen Verdienste um eines der weltweit bedeutendsten Kulturfestivals. Die wurden soeben auch von einer stattlichen Zahl weltbekannter Künstler gewürdigt, um dem angezählten Festivalchef Rückendeckung zu geben.

Das Kuratorium hat nun geheimnisvolle Bedingungen für einen Verbleib Hinterhäusers als Intendant über den September hinaus gestellt. Um gleichzeitig zu betonen, dass sein Umgang mit dem Kuratorium und Dritten nicht entsprechen würde. Damit wird der Ball geschickt an Hinterhäuser zurückgespielt. Sein absehbares Ende aber wohl somit ebenso besiegelt.

Am Ende leiden jedoch wieder einmal vor allem die Festspiele unter diesem sehr öffentlich ausgetragenen Schlagabtausch. Gute Intendanten liegen jedenfalls nicht einfach auf der Straße.

Stefan Musil

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Salzburg
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt