Italiener empört

Streit um kirchliche Trauerfeier für Mafia-Boss

Ausland
23.02.2026 14:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Er galt als gefürchteter Mafia-Boss in Italien: Domenico Belfiore hatte etwa Turins Staatsanwalt auf dem Gewissen. Am 20. Februar starb Belfiore – Sein Leichnam hätte am Dienstag in einer Kirche in Chivasso bei Turin beigesetzt werden sollen. Die geplante kirchliche Trauerfeier sorgte für heftige Debatten in Italien.

Belfiore war als führende Figur der kalabrischen ‘Ndrangheta im Norden Italiens aktiv. Er starb unter Hausarrest, der ihm aus gesundheitlichen Gründen zugestanden worden war. Belfiore hatte nie öffentlich Reue gezeigt, und auch ein Schuldeingeständnis hatte er bis zuletzt nicht abgelegt.

„Mörder ohne Reue“
Scharfe Kritik an der kirchlichen Trauerfeier kam vom Priester Luigi Ciotti, Gründer der Anti-Mafia-Organisation Libera und Galionsfigur im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Eine kirchliche Bestattung für einen Mörder ohne Reue sei „nicht nur ein pastoraler Fehler, sondern eine zusätzliche Wunde für die Angehörigen der Opfer“, erklärte Ciotti laut Medienangaben. Es gehe nicht darum, einem Verstorbenen das Gebet zu verweigern, sondern um das öffentliche Signal einer feierlichen Messe.

Trauerfeier unter strengen Auflagen
Dem Druck Ciottis gab der Polizeichef von Turin, Massimo Gambino, nach. So erließ er für das Begräbnis strenge Auflagen. Demnach soll die Trauerfeier nicht in einer Kirche stattfinden, auch ein Leichenzug ist untersagt. Die Beisetzung auf dem Friedhof von Chivasso soll im engsten Familienkreis erfolgen.

„Können nicht über sein Verhältnis zu Gott urteilen“
Unterstützung hatte die Entscheidung zur kirchlichen Feier hingegen vom Bischof der Stadt Ivrea, Daniele Salera erhalten. Zu seiner Diözese gehört die Kleinstadt Chivasso. Man kenne die Taten des Verstorbenen, könne jedoch nicht über dessen inneres Verhältnis zu Gott in den letzten Momenten urteilen. Die Kirche unterscheide zwischen der äußeren Form des öffentlichen Lebens und dem inneren Gewissen. Man vertraue den Verstorbenen der Barmherzigkeit Gottes an, das letzte Urteil liege nicht beim Menschen.

Staatsanwalt 1983 in Turin erschossen
Der 1983 in Turin erschossene Caccia war der erste von der organisierten Kriminalität getötete Staatsanwalt in Norditalien. Der Fall gilt als Zäsur, die die Verwurzelung der ‘Ndrangheta auch außerhalb Kalabriens offenlegte.

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