Die britische Monarchie befindet sich in der schwersten Krise der Moderne. Nach neuen Enthüllungen aus den sogenannten „Epstein-Files“ wächst der öffentliche und politische Zorn in Großbritannien. Dem ehemaligen Herzog von York Andrew Mountbatten-Windsor wird vorgeworfen, seine Position als Mitglied der Königsfamilie und Handelsattaché systematisch missbraucht zu haben.
Am Wochenende verschärften sich Forderungen nach strafrechtlichen Ermittlungen und einer möglichen Anklage.
Der 2019 in Haft verstorbene US-Finanzier Jeffrey Epstein war wegen Sexualstraftaten verurteilt worden und soll über Jahre ein weitreichendes Missbrauchsnetzwerk betrieben haben. Zahlreiche Frauen und Minderjährige wurden laut US-Ermittlungsbehörden Opfer seiner Taten. In dem jüngst veröffentlichten Datensatz der Epstein-Akten waren zahlreiche neue Details ans Licht gekommen, die Andrew schwer belasten. Andrew wies die Vorwürfe gegen ihn immer stets zurück.
Weitergabe von Staatsgeheimnissen
Für große Empörung sorgen auch Vorwürfe, wonach der Prinz interne Papiere der britischen Regierung an den US-Milliardär weitergeleitet habe. Seine Tätigkeit als britischer Handelsbotschafter soll er dazu genutzt haben, Reisen nach den persönlichen und geschäftlichen Wünschen Epsteins zu gestalten.
Epstein soll Andrew etwa ein Dinner mit einer Frau in London vermittelt haben – kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Anstiftung zur Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.
König Charles unter Zugzwang
In einer ungewöhnlich deutlichen Reaktion hat König Charles III. signalisiert, polizeiliche Ermittlungen gegen seinen Bruder nicht zu blockieren, sondern aktiv zu unterstützen. Experten sehen darin den Versuch, den Ruf der Institution zu retten. Dennoch bleibt die Frage offen, ob dieser Schritt ausreicht, um die wachsende republikanische Bewegung im Land zu beruhigen.
Die Monarchie am Scheideweg
Aus Sicht des Autors und Royal-Schrecks Andrew Lownie steht die Monarchie „an einem Scheideweg“. Wie sie mit dem Skandal um Andrew umgehe, habe auch Bedeutung für die Zukunft der britischen Monarchie. „Sie müssen den Stall ausmisten, bevor William das Amt übernimmt, denn er will dieses Problem nicht erben“, ist sich der Experte sicher, der damit auf den Thronfolger Prinz William verweist.
Ansonsten drohe die Monarchie unter Charles in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen, warnt Lownie. „Er kann entweder als jemand angesehen werden, der die Monarchie geprägt hat, oder als jemand, der im Grunde zugelassen hat, dass sie irrelevant geworden ist.“
Beobachter sind sich einig: So nah am Abgrund stand das Haus Windsor seit der Abdankung von Edward VIII. nicht mehr. Die Forderung nach einer lückenlosen juristischen Aufarbeitung ist mittlerweile ein parteiübergreifender Konsens. Für Prinz Andrew könnte dies bedeuten, dass die Immunität, die er durch seinen Status bisher genoss, endgültig fällt.
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