Im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch am Donnerstag vom olympischen Skeleton-Bewerb ausgeschlossen worden. „Zum Teufel mit ihnen allen“, schimpft die ukrainische Presse.
Trotz eines Gesprächs mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry wollte der 27-Jährige nicht auf das Tragen des vom IOC verbotenen Helms verzichten und durfte daher am Donnerstag auf der Bahn in Cortina nicht an den Start gehen. Auf seinem Helm sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind.
Wie die internationale Presse darauf reagiert, lesen Sie hier:
„Sport.ua“: „Zum Teufel mit ihnen allen. Wlad, für uns bist du mehr als ein Champion. [...] Sicherlich hätte man flexibler sein können. Man hätte nachgiebiger sein können. Letztendlich hätte man weniger prinzipientreu sein können. Und an dem Wettbewerb teilnehmen können, auf den man sich jahrelang vorbereitet hatte. [...] Der Sport war nie, ich betone, nie, selbst zu Zeiten Hellas, frei von Politik. Er kann auch jetzt nicht frei sein. Umso mehr kann er jetzt nicht frei sein, denn in unserem Fall geht es nicht nur um Politik, nicht nur um Terrorismus und nicht einmal nur um offene russische Aggression. In unserem Fall geht es um Völkermord in Reinform. Wir Ukrainer werden einfach so getötet.“
„Champion.com.ua“: „Das, was mit Wladislaw Heraskewytsch geschehen ist, geht über Disqualifikation, Willenskraft und die Würde von Wlad hinaus. Diese Tat und die Reaktion darauf wird zu einer Wasserscheide zwischen der alten und der neuen Generation des ukrainischen Sportes. [...] Die Geschichte mit Heraskewytsch wird zu einem Indikator dafür, ob der ukrainische Sport eine Zukunft hat. [...] Beim Sport geht es nicht nur um Medaillen. Das Land zu präsentieren, ist nicht nur ein Privileg. Man sollte nicht vergessen, dass hinter jedem Sportler nicht nur Trainer und ein Team stehen, sondern auch Menschen, für die sie antreten.“
„Sport-Ekspress“: „Die Führung des IOC hat sich in ihrem Bestreben, es allen recht zu machen, in eine Sackgasse manövriert. In einer schwierigen Situation gibt es eigentlich immer einen einfachen Ausweg: sich strikt an die Gesetze halten. Warum nach Kompromissen suchen, wenn anerkannt ist, dass Heraskewytsch gegen die Olympische Charta verstoßen hat? (...) Die derzeitige Vogel-Strauß-Taktik der IOC-Führung droht, den Prozess der vollständigen Rückkehr Russlands um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zu verzögern.“
„Komsomolskaja Prawda“: „Bemerkenswert ist, dass das IOC bald etwas nachgab und Heraskewytsch seine Olympia-Akkreditierung zurückgab, ihm jedoch die Teilnahme an den Wettkämpfen untersagte. Und nun kann er bis zum Ende der Olympischen Spiele mit seinem Helm auf dem Kopf durch alle Wettkampfstätten schlurfen und mit seinem Auftreten die politische Schwachköpfigkeit der Ukraine in ihrer ganzen Pracht demonstrieren.“
„Telegraph“: „Heraskewytschs „Helm der Erinnerung“ zwingt das IOC zu einem PR-Fiasko bei den Olympischen Winterspielen. Der Skeleton-Pilot opferte seinen Traum von einer Medaille und schaffte es, die Schrecken des Krieges in der Ukraine wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.“
„The Times“: „Der Versuch des IOC, den ukrainischen Athleten zum Schweigen zu bringen, hat seine Botschaft nur noch verstärkt. Der gesperrte Skeleton-Star Wladyslaw Heraskewytsch, dessen „Helm des Gedenkens“ Sportler ehrt, die im Krieg mit Russland getötet wurden, lässt das IOC schlecht aussehen.“
„Daily Mail“: „Der Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Stars durch das IOC wegen seines Helms zu Ehren der Kriegsopfer stinkt nach Heuchelei, während sie Russland erlauben, sich wieder in die olympische Familie einzuschleichen.“
„The Sun“: „‘Schock und Verwirrung‘: Der ukrainische Star Wladislaw Heraskewytsch wurde wegen des Tragens eines anti-russischen Helms von den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen, sein Vater war zu Tränen gerührt.“
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