Unbequeme Entscheidung

Experten sehen „Lücke“ bei nuklearer Abschreckung

Außenpolitik
12.02.2026 13:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Kurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz schlagen Wissenschafter Alarm: Europa könne es sich nicht länger leisten, die nukleare Abschreckung allein den USA zu überlassen. In einem Bericht warnen sie vor einer „Lücke“ – und fordern schnelle und unbequeme Entscheidungen.

Der Bericht, der auf der am Freitag beginnenden Konferenz vorgestellt werden soll, mahnt zu einem grundlegenden Umdenken. „Die Europäer können das Nachdenken über nukleare Abschreckung nicht weiter an die USA auslagern. Die Ära, in der sich Europa nukleare Nachlässigkeit leisten konnte, ist vorbei“, schreiben die Autoren.

Sicherheit „direkt und ohne Verzögerung“ angehen
Das neue Sicherheitsumfeld erfordere es, dass europäische Entscheidungsträger die Rolle von Atomwaffen in der Verteidigung „direkt und ohne Verzögerung“ angehen und die nötigen Ressourcen bereitstellen. Das sei der Preis, um ein strategisches Scheitern in der Zukunft zu vermeiden.

Drei teils umstrittene Wege
Die Forscher analysieren fünf mögliche Optionen für die künftige Ausrichtung. Dazu zählen das weitere Vertrauen auf die nukleare Abschreckung durch die USA sowie eine Stärkung der europäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich. Darüber hinaus prüfen sie drei teils umstrittene Wege: den Aufbau einer gemeinsamen europäischen nuklearen Abschreckung, unabhängige Schritte einzelner Staaten sowie Investitionen in eine rein konventionelle Abschreckung ohne Atomwaffen.

Die Debatte über den richtigen Kurs sei lange als unantastbar behandelt worden, schreiben die Autoren. Nun sei sie wichtig und unvermeidbar. Zugleich stellen sie fest, dass es bei geringerer Unterstützung aus den USA für Europa keinen guten Weg gebe.

NATO „nicht mehr das, was es einmal war“
Die Untersuchung stammt von der „European Nuclear Study Group“, einer 2024 angestoßenen Initiative, an der die Münchner Sicherheitskonferenz, die Hertie School in Berlin sowie die Universität St. Gallen beteiligt sind.

Bereits vor der Konferenz hatte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas eine offene Debatte über europäische atomare Abschreckungskapazitäten gefordert. Hintergrund sei, dass das transatlantische Bündnis „nicht mehr das ist, was es einmal war“.

Deutschland auf der Bremse
Zurückhaltender äußerte sich der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius am Mittwoch in Brüssel. In der neuen US-Verteidigungsstrategie finde sich „keinerlei Anhaltspunkt“, dass die USA beabsichtigten, sich aus ihrer nuklearen Abschreckungsverantwortung für Europa innerhalb der NATO zurückzuziehen, sagte er.

„Man kann über alles spekulieren, aber zu glauben, wir wären in der Lage, jetzt oder in fünf oder gar in zehn Jahren den nuklearen Abschreckungsschirm der Amerikaner ersetzen, der mag das glauben. Ich glaube, das Signal ist falsch“, so Pistorius.

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