Die iranische Regierung hat die Zahl der bei den Massenprotesten getöteten Menschen einmal mehr nach oben korrigiert. Nun ist bereits von mindestens 5000 Toten die Rede.
Ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, erklärte zudem, einige der heftigsten Zusammenstöße und die höchste Zahl an Todesopfern habe es in den kurdischen Gebieten im Nordwesten des Iran gegeben. „Israel und bewaffnete Gruppen im Ausland“ hätten die Demonstranten unterstützt und ausgerüstet, sagte er weiter. Die endgültige Zahl der Todesopfer werde voraussichtlich nicht mehr stark ansteigen. Die iranische Führung macht regelmäßig ausländische Gegner, die sie als „Terroristen und bewaffnete Randalierer“ bezeichnet, für Unruhen verantwortlich.
Menschenrechtsgruppen gehen von anderen Zahlen aus. Die in den USA ansässige Organisation HRANA bezifferte die Zahl der Todesopfer am Samstag mit 3308. Weitere 4382 Fälle würden noch geprüft. Die Gruppe erklärte zudem, sie habe mehr als 24.000 Verhaftungen bestätigt. Die in Norwegen ansässige kurdisch-iranische Menschenrechtsgruppe Hengaw hatte ebenfalls berichtet, dass es einige der heftigsten Zusammenstöße in den kurdischen Gebieten gegeben hätte.
Zeitungsbericht: Bis zu 18.000 Tote
Die britische Tageszeitung „The Sunday Times“ wartete mit einer weitaus größeren Zahl an Todesopfern auf. Berechnungen von Mitarbeitern in acht Augenkliniken und 16 Notaufnahmen im Land hätten rund 16.500 bis 18.000 Tote ergeben, schrieb das Blatt. Zudem sollen weitere 330.000 bis 360.000 Menschen verletzt worden sein. Die Iran-Expertin Holly Dagres von der Denkfabrik Washington Institute erklärte auf X, ein Diplomat habe ihr bestätigt, seine Botschaft halte eine Zahl von 12.000 Todesopfern für zutreffend.
Irans oberster Führer Ajatollah Ali Khamenei bezeichnete US-Präsident Donald Trump als „Verbrecher“ und machte den 79-Jährigen für die jüngsten Proteste in seinem Land mitverantwortlich. Trump habe dem iranischen Volk bei den Protesten Leid, Schaden und Verleumdungen zugefügt, zitierten iranische Medien am Samstag Khamenei.
Ajatollah: „Aufrührern Rückgrat brechen“
Das geistliche Oberhaupt kündigte zudem ein hartes Vorgehen gegen „Aufrührer“ an. „Mit Gottes Gnade muss die iranische Nation den Aufrührern das Rückgrat brechen, so wie sie dem Aufruhr das Rückgrat gebrochen hat“, sagte er in seiner Rede. „Wir haben nicht vor, das Land in einen Krieg zu führen, aber wir werden einheimische Verbrecher nicht verschonen“, fügte Khamenei hinzu. Noch schlimmer als einheimische Verbrecher seien internationale Verbrecher. „Auch sie werden wir nicht verschonen“, warnte der Ayatollah. Trump sprach sich seinerseits für einen Regierungswechsel im Iran aus. „Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen“, sagte er dem News-Portal „Politico“.

Iranische Justiz: „Getäuschte Demonstranten und Anstifter“
Die iranische Justiz hat nach Angaben eines Sprechers bisher keine Todesurteile im Zusammenhang mit den jüngsten Massenprotesten verhängt. Der Sprecher sagte laut der staatlichen Rundfunkagentur Iribnews, dies sei „ein strenger und langwieriger Prozesse“, der Monate oder Jahre dauern könne. Der Sprecher sprach von angeblichen „Söldnern“ der israelischen und US-amerikanischen Geheimdienste Mossad und CIA. Er erklärte weiter, die Justiz bemühe sich, zwischen getäuschten Demonstrierenden und den eigentlichen Anstiftern zu unterscheiden. Erst wenn ausreichende Beweise vorlägen, würden gegen die Anstifter harte Strafen verhängt.
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