2019 gelang dem Berliner Sänger mit seinem Song „Da für dich“ der Durchbruch – ein Traum, der für ihn Jahre zuvor noch weit entfernt schien, als er noch auf dem Bau arbeitete. Heute zieren Gold und Platin seine Karriere, und mit seiner zweiten Tour machte er erneut Halt in Wien. Wir trafen ihn kurz vor der Show im Kult-Club Flex und sprachen über seinen Weg und darüber, warum selbst Hass-Kommentare für ihn ein Zeichen von Erfolg sind.
Die besten Partys und Konzerte steigen angeblich nur im Sommer. Falsch! Auch im Winter lässt es sich großartig feiern und man kann gute Musik genießen – selbst wenn man sich dafür an einem kalten, schneereichen Nachmittag oder Abend aus dem Haus bewegen und in Schale werfen muss. Der Dienstag war genau so ein Abend. Nach der Arbeit hetzt man noch schnell nach Hause, um sich umzuziehen – und nein, nicht um es sich danach mit Snacks auf der Couch gemütlich zu machen, sondern um sich gestylt und warm eingepackt wieder rauszubewegen, um das einzige Wien-Konzert heuer von Musiker Eddin anzuhören.
Dieser spielte nämlich gestern in der Innenstadt im bekannten Flex-Café. Doch bevor sich die Leute in Schale warfen, der kleine, aber feine Kult-Club am Donaukanal voll wurde und sich draußen eine Schlange bildete, trafen wir den 27-jährigen Sänger mit Gucci-Mütze und grauem Jogger einige Stunden vorher zum kurzen Plausch vor der Show. Mit seiner gefühlvollen Stimme und dem coolen Hip-Hop-Sound erreichte Eddin in kürzester Zeit schon einige Gold-Platten („Du fehlst“, „Da für Dich“). Aber auch Platin („Au Revoir“,) ziert das Wohnzimmer seiner Eltern. Letztes Jahr begeisterte er mit seiner ersten Tour mehr als zehntausend Fans, jetzt folgt die Zweite und erneut macht er Halt in Wien, denn Wien ist eine seiner Lieblingsstädte. „Ich habe viel Familie hier und mag den 1. Bezirk sehr und das ganze Drumherum, ich finde es richtig schön hier und hatte auch schon das ein oder andere Wiener Schnitzel hier“, erzählt er uns grinsend.
Nachteule durch und durch
In München und Stuttgart trat er bereits im Rahmen seiner „23:59“-Tour auf, Wien folgte gestern. Sieben weitere Städte stehen noch auf dem Plan – den Abschluss macht ausgerechnet seine Heimatstadt Berlin. Doch warum heißt die Tour eigentlich „23:59“? Was passiert denn kurz vor Mitternacht? „Das ist eigentlich lustig, weil im Deutschrap alles immer um 23:59 Uhr kommt. Mein Tourmanager sagt auch ständig: Bei dir ist immer fünf vor zwölf – weil er immer fragen muss, wann er Sachen von mir bekommt, und ich sie wirklich immer auf den letzten Drücker schicke. Einmal brauchte er etwas kurz vor null Uhr, ich hab’s ihm dann um 23:59 geschickt. Deshalb heißt die Tour so. Und ich bin auch eine Nachteule“, lacht er.
Bei so vielen Shows, die er noch vor sich hat, müsste man meinen, er habe ein fixes Ritual. „Atemtechniken – und ich brauche vor jeder Show meine fünf Minuten alleine, um kurz über alles nachzudenken. Erst dann gehe ich raus. Früher habe ich meine Eltern immer zwei Minuten vor der Show angerufen, aber irgendwann wurde es mir zu hektisch“, erzählt er schmunzelnd. „Jetzt mache ich das eine halbe Stunde vor und nach der Show.“
Dass er heute ganz selbstverständlich im Tourbus von Stadt zu Stadt fährt, seine Eltern weniger sieht und ständig neue Orte entdeckt, hätte er sich vor ein paar Jahren nicht vorstellen können. Umso dankbarer ist er für diese Entwicklung – denn „niemals“ hätte er gedacht, dass sein Leben einmal genau so aussehen würde. „Musik zu machen, war immer mein Traum. Ich habe auch immer gesagt, dass ich damit erfolgreich werden will. Ich mache seit 2013 Musik, aber meine richtige Reise begann erst 2019. Und hättest du mich vor zehn Jahren gefragt, ob ich mal auf Tour gehen werde, hätte ich gesagt: Nee, glaube ich nicht.“
Der Song „Da für dich“ erreichte seit seinem Release – der ihm auch zum Durchbruch verhalf – fast 47 Millionen Streams auf Spotify. Das kann sich für einen deutschsprachigen Newcomer definitiv sehen lassen. Danach war mit dem Track „I Ke Harru“ endgültig das Eis gebrochen, weitere Hits folgten, unter anderem auch gemeinsam mit Künstler Milano auf „Au Revoir“ – und auch sein Debütalbum „Lost Tape“ (2023) erschien schließlich.
Zwischen Apache und Gewichtsverlust
Seitdem ist es aber albumtechnisch eher ruhig geworden – genau dem wollten wir nachgehen: Können seine Fans bald mit neuem Material rechnen? „Ein Album ist auf jeden Fall in Planung“, verrät Eddin. „Ich habe sehr viele fertige Songs, aber ich bin extrem pingelig. Ich höre mir alles zwanzigmal an – und irgendwann gefällt es mir dann plötzlich nicht mehr.“ Der Druck im letzten Jahr habe ebenfalls eine Rolle gespielt. „Nach der ,Du fehlst‘-Tour war so viel Stress“, erklärt er. Trotzdem gibt er einen kleinen Ausblick: „Mein Plan ist, bis Anfang nächsten Jahres ein zweites Album rauszubringen.“ Doch das ist nicht sein einziges Ziel für 2026. „Ich habe musikalisch viele Richtungen ausprobiert und endlich eine gefunden, die mir am besten gefällt: Deutscher R’n’B gemischt mit diesem Piano-Vibe. Also nicht Party, sondern eher deep und emotional – das habe ich für mich entdeckt. Und vielleicht werde ich noch ein, zwei Rap-Songs extra bringen.“
Mit diesem neuen Sound im Gepäck blickt Eddin auf die Künstler, die ihn geprägt haben – und auf mögliche Traum-Kollaborationen. „Ich bin ja Apache-Fan, mit dem würde ich gerne mal was machen. Aber auch Rapper Zuna – den habe ich schon als Kind gehört.“
Bei so vielen Zielen, die sich der Berliner mit bosnischen Wurzeln für dieses Jahr setzt, stellt sich die Frage: Bleibt da überhaupt Zeit für kreative Pausen? „Das Ding ist, leider mache ich gar keine Pausen“, lacht er. „Ich versuche immer, meinen Kopf so zu trainieren, dass er arbeitet, wenn ich es will.“ Auch wenn er merkt, dass der Druck – wie bei vielen Künstlern – manchmal zu groß wird, macht er trotzdem weiter. „Mit Stress kann ich eigentlich gar nicht umgehen. Ich fange dann an, weniger zu essen und nehme ab.“ Aufhören sei für ihn trotzdem keine Option: „Egal ob ich Stress habe oder wenig schlafe – ich muss einfach immer etwas tun und aktiv sein.“
Social Media und die Liebe zu den Fans
Nur in den sozialen Medien scheint er nicht allzu aktiv zu sein – zumindest nicht aus Überzeugung. „Ich mag Social Media gar nicht“, sagt Eddin ehrlich. Ganz ohne geht es dann aber doch nicht. „Ich muss es bedienen – leider viel zu oft. Ich habe eine sehr hohe Bildschirmzeit und erwische mich immer wieder dabei, wie ich im Bett liege und scrolle – zwei, drei Stunden am Stück.“ Paradox findet er das selbst: „Ich benutze es jeden Tag, bin aber eigentlich kein Fan davon.“
Trotzdem weiß er, wie wichtig Plattformen für Künstler sind. „Für Musiker, Schauspieler, eigentlich für alle Personen des öffentlichen Lebens ist Social Media voll von Vorteil. Ich glaube, viele wurden erst dadurch bekannt oder entdeckt.“ Doch er sieht auch die Schattenseiten. „Es kann dich auch zerstören, vor allem, wenn du Kommentare liest – Hate-Kommentare kommen ja irgendwann immer.“ Wie er damit umgeht? „Ganz normal. Ich denke mir: Wenn dich niemand hasst, hast du nichts erreicht“, sagt er voller Überzeugung.
Es gibt aber auch viele, die ihn lieben, ihm quasi überallhin folgen und jedes Konzert inklusive VIP-Package besuchen. Fans können wohl die treuesten Seelen sein. „Es gibt so viele schöne Fan-Momente, wo man sich denkt: Ey, das ist einfach krass. Man bekommt so viel Feedback und Liebe, die wollen einem etwas zurückgeben und das bringt einen richtig zum Nachdenken“, erzählt er. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein riesiges Fan-Plakat mit Unterschriften von Fans aus jeder Stadt.
Musik als Heilung
Diese enge Verbindung zu seinen Fans kommt nicht von ungefähr. Denn für Eddin geht es in seiner Musik um weit mehr als nur Streams oder Erfolge – sondern darum, Menschen wirklich zu erreichen. Auf die Frage, was er denn seinen Hörern mit seiner Musik mitgeben möchte, meint er: „Ich will auf jeden Fall versuchen, die Leute damit zu heilen. Ich wurde ja auch mal verletzt – jeder macht mal so einen Heartbreak durch. Meistens gelingt es mir, und ich bekomme Nachrichten wie ,du hast mir durch eine schwere Zeit geholfen´, das finde ich einfach schön.“
Mit Blick auf die Zukunft ist für den Sänger eines klar: Ziele spielen in seinem Leben eine große Rolle. „Ich mache mir jedes Jahr eine To-do-Liste mit Dingen, die ich erreichen will. Und Gott sei Dank habe ich bis jetzt alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe.“ Auch der nächste Meilenstein ist bereits klar: „Ich will irgendwann eine komplette Arena bespielen, mit 5.000 Leuten. Momentan spiele ich in Deutschland kleinere Hallen mit 1.800 Leuten – aber wer weiß, vielleicht geht sich dann in ein paar Jahren eine Arena aus und natürlich auch gerne in Österreich:“
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