Seit mehr als 20 Jahren ist das Linzer Rap-Phänomen Chakuza Teil der Musikszene. Vor wenigen Wochen meldete sich der Vollblutmusiker mit seinem neuen Album „Träume. Drama. Drums“ zurück. Im „Krone“-Interview spricht er über das Konzept dahinter, seine frühere Alkoholsucht, die prägende Zeit bei Bushidos Label ersguterjunge – und darüber, warum Musik für ihn nie ein Rettungsanker war ...
Wenn man den Namen Chakuza hört, könnte man zunächst an ein japanisches Mitglied der Yakuza denken. Spätestens beim bürgerlichen Namen Peter Pangerl wird jedoch klar: Hinter dem Pseudonym steckt kein Mafioso, sondern der Linzer Rapper Chakuza. Zunächst war er vor allem als Produzent tätig. Bekannt wurde er 2005, als Bushido eine Demo-CD von ihm und DJ Stickle erhielt und ihn daraufhin bei seinem Label ersguterjunge unter Vertrag nahm. Von dort an nahm seine Karriere rasch Fahrt auf.
Mehr als 15 Alben später und unabhängig von Bushido meldet sich der Künstler nun mit „Träume. Drama. Drums“ zurück – einem sehr melancholischen Werk. Das Album richtet sich bewusst gegen die Schnelllebigkeit der Streaming-Logik: kein Sammelsurium einzelner Songs, sondern ein in sich geschlossenes Projekt, getragen von Atmosphäre und Melancholie.
„Krone“: Du hast vor kurzem dein neues Werk veröffentlicht. Was sollen denn die Leute fühlen, wenn sie es hören?
Chakuza: Es soll sich für die Leute wieder wie ein richtiges Album anfühlen und es sollen Bilder im Kopf entstehen, wenn man das Album komplett durchhört. Man soll sich ein bisschen in eine Welt mitgenommen fühlen.
Beim Hören wirkt das Album auch fast wie ein Kurzfilm, war das ein Ziel von dir?
Ja. Das hast du richtig erkannt. Es ist eine Art Kurzfilm. Die eingesprochenen Skits sind auch von einer Filmstimme gesprochen – von einem sehr bekannten Synchronsprecher namens Martin Kautz (The Punisher, The Walking Dead etc.), der auch einer meiner besten Freunde ist.
Deine Songs sind sehr melancholisch. Glaubst du, du wirst irgendwann auch bewusst glücklichere Songs machen?
Niemals. Ich höre selbst keine fröhliche Musik (lacht). Selbst wenn ich gut gelaunt bin, höre ich nachdenkliche Sachen, weil mir die gute Laune machen. Partymusik höre ich gar nicht. Das Höchste an Fröhlichkeit ist für mich immer noch „Immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens – und selbst der ist ja eigentlich melancholisch.
Vor „Traume. Drama. Drums“ hast du aber ein witziges Mundart-Album veröffentlicht. Wie kam es denn dazu?
Ich habe schon länger mit Mundart-Rap kokettiert und kenne viele Leute, die das machen. Ich habe das immer gefeiert. Irgendwann war es dann einfach Zeit dafür. Der österreichische Humor ist derb und das macht mir unglaublich viel Spaß. In mir steckt diese Seite genauso – egal wie nachdenklich meine Musik sonst ist.
Du warst ja beim Label ersguterjunge unter Vertrag. Was war denn die wichtigste Lektion, die du dort gelernt hast?
Sei niemals den falschen Menschen gegenüber loyal. Das ist die wichtigste Lektion für mich gewesen.
Viele verbinden dich bis heute mit dieser Phase an Bushidos Seite. Wie geht es dir damit?
Mittlerweile nervt es mich. Ich bin seit mehr als 20 Jahren dabei, aber nur vier oder fünf davon war ich bei „EGJ“. Ich habe danach größere Erfolge gefeiert. Früher wirkte alles nur größer, weil es weniger Medien gab. Ein TV-Auftritt hat gereicht, um als Star zu gelten. Heute ist das Gott sei Dank anders.
Wann war für dich klar, dass du deinen eigenen Weg gehen musst?
Das war ein schleichender Prozess. Ich habe mich musikalisch von der Gang entfernt und es sind Dinge passiert, bei denen ich gemerkt habe: Das ist nicht mein Umfeld. Da will ich nicht sein.
Hast du noch Kontakt zu Bushido?
Nein, den habe ich seit 2010 nicht mehr. Alles, was zu klären war, lief über Dritte.
Du warst aber kürzlich bei Arafats Podcast „SprichKLARTEXT“. Mit welchen Gefühlen bist du hingegangen und warum?
Mit Arafat bin ich immer noch cool. Mit dem hatte ich auch die wenigsten Probleme. Ich habe mich gefreut, weil ich ihn ewig nicht mehr gesehen habe. Wir haben viele witzige Dinge zusammen erlebt. Natürlich gab es früher auch Auseinandersetzungen, aber man konnte immer mit ihm quatschen. Es wurde nichts hinterrücks gemacht, wie es bei anderen Personen der Fall war (grinst). Also man wusste immer genau, wie man dran ist und das ist für mich in Ordnung.
Wenn du auf deinen Karriereweg zurückblickst, was würdest du dem jungen Chakuza vor 20 Jahren raten?
Puhh, sei stolz auf das, was du kannst. Versuche nicht jemand zu sein, der du nicht bist und vor allem: Lass gefälligst die Finger vom Alkohol.
Du sprichst sehr offen über deine frühere Alkoholsucht, was hat dir den Mut gemacht, das so öffentlich zu teilen?
Bei mir war es ziemlich offensichtlich, dass ich ein Problem hatte, deshalb spreche ich heute offen darüber. Ich bekomme unglaublich viele Nachrichten von Menschen, die selbst kämpfen. Ich sehe mich auch nicht als Held – ich habe mich schließlich selbst in diese Lage gebracht, aber wenn ich helfen kann, dann mache ich das. Und ich will auch sagen: „Hey, vergesst den Chakuza von früher. Alles, was ich jetzt mache, mache ich mit klarem Kopf und Verstand“.
Hat dir die Musik selbst beim Trockenwerden geholfen?
Nein. Musik hat mir nie geholfen. Ich dachte sogar, wenn ich aufhöre zu trinken, ist auch mit der Musik Schluss. Das hat sich nicht bestätigt. Ich mache Musik, weil ich das Musikmachen liebe – aber nicht als Ventil. In dieser Phase hat sie mir eher geschadet als geholfen.
Wie sehr hat dich der Entzug körperlich und mental verändert?
Also ich muss sagen, ich bin jetzt mit 44 fitter als je zuvor. Damals war ich einfach dumm, aber ich habe mich Gott sei Dank wieder zurückgeholt. Es war ein Stück Arbeit.
Wie gehst du denn damit um, wenn alte Muster im Kopf wieder lauter werden?
Das gibt's nicht mehr. Das flackert kurz mal auf, wo man sich denkt: „Jetzt wäre eine Zigarette und ein Bier cool“. Aber das geht einfach nicht mehr und das ist auch gut so. Ich habe zudem aufgehört zu rauchen, auch wenn es mich nervt (lacht).
Für viele österreichische Künstler warst du sehr prägend. Hast du noch Kontakt zu RAF Camora, Joshi Mizu und anderen?
Leider sehr selten, aber wir hatten eine gute Zeit und haben früher sehr viel zusammen gearbeitet.
Du gehst im Februar auf Tour. Was erwartet die Fans live?
100 Prozent Livemusik. Kein Playback, kein Gedöns. Keine Feuershow, keine Tänzer. Du kommst, siehst mich, hörst Musik – und gehst hoffentlich glücklich nach Hause. Familiär, emotional, ehrlich.
Österreich-Termine sind aktuell nicht geplant?
Nein, diesmal nicht. Vielleicht erst Ende 2026, wenn alles so hinhaut wie ich das möchte, dann schon. Ich plane nämlich „Träume. Drama. Drums“ irgendwann in einer Akustik-Version mit Band zu spielen.
Was passiert nach deiner Deutschland-Tour?
Ich habe eine EP, ein paar Singles und noch ein Album herumliegen. Eine Platte werde ich sicher noch rausbringen, was danach kommt weiß ich noch nicht.
Zum Abschluss: Was wünschst du dir für das Jahr 2026?
Dass alle Menschen um mich herum glücklich und gesund sind.
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